Gewinnwarnung

Daimler-Chef Zetsche senkt Prognose schon wieder

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Schwere Zeiten für die Autoindustrie: Daimler reagiert auf den Konjunktureinbruch – und senkt seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr erneut. Grund ist die schwache Nachfrage nach Mercedes-Fahrzeugen. Schlechte Zahlen kommen auch von Chrysler und Hyundai.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler zollt dem Konjunktureinbruch und der Flaute auf den Fahrzeugmärkten abermals Tribut und senkt zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Gewinnprognose. Daimler rechnet für 2008 nur noch mit einem Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von mehr als sechs Milliarden Euro, wie der Stuttgarter Konzern nach einem operativen Einbruch im dritten Quartal einräumte. Erst im Sommer hatte Daimler seine ursprüngliche Gewinnerwartung von 7,7 Milliarden Euro auf mehr als sieben Milliarden Euro Ebit zusammengestrichen.

Und selbst die neue Prognose sei noch „mit erheblichen Unsicherheiten verbunden“ und enthalte Sonderbelastungen wie die Verluste aus der Beteiligung an Chrysler nicht, stellte Daimler klar. Analysten hatten Daimler zuletzt noch 6,7 Milliarden Euro Ebit zugetraut. Wegen der verschlechterten Aussichten für den Traditionskonzern zogen die Investoren die Notbremse. Die seit Wochen auf Talfahrt befindlichen Daimler-Papiere büßten 8,5 Prozent auf 22,03 Euro ein. „Jetzt haben die Leute es schwarz auf weiß, dass es schlimm aussieht, und deshalb wird jetzt alles an Aktien rausgeworfen“, sagte ein Händler.

Der Daimler-Vorstand malte ein düsteres Bild: „Die sich verschärfende Bankenkrise, ihre Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die daraus resultierende weltweite Verunsicherung der Konsumenten hat die Geschäftsentwicklung von Daimler im dritten Quartal deutlich negativ beeinflusst“, hieß es im Zwischenbericht. Vorstandschef Dieter Zetsche schwor die Mitarbeiter auf eine längere Durststrecke ein. „Was wir jetzt angesichts der aktuellen Situation vor allem brauchen, ist die richtige Mischung aus Kampfgeist und Durchhaltevermögen“, schrieb er an die Belegschaft. Entscheidend werde sein, wer in der Krise den längsten Atem habe.

Gewinn bricht ein

Im dritten Quartal schrumpfte das Ebit um zwei Drittel auf 648 Millionen Euro. Der Umsatz gab um sieben Prozent auf 23,8 Milliarden Euro nach, der Absatz sank um drei Prozent auf 522.500 Personenwagen, Busse und Lastwagen. Der Konzernumsatz werde auch zum Jahresende unter dem Vorjahreswert von 99,4 Milliarden Euro liegen.

Vor allem die bisherige Ertragsperle Mercedes-Benz verhagelt Daimler die Zwischenbilanz. Ihr operativer Gewinn schmolz auf 112 Millionen Euro, weniger als ein Zehntel der 1,3 Milliarden vom Vorjahr. Mercedes erlebe einen „abrupten Nachfragerückgang„ und verdiene wegen der gestiegenen Nachfrage nach kleineren Kompaktwagen weniger wie bisher, räumte Daimler ein. Das Ziel, 2008 mehr Mercedes, Smart und Maybach zu verkaufen, ist passe. Nun sei nur noch ein Absatz von knapp 1,3 Milliarden Euro wie im Vorjahr zu erwarten. Oberklasse-Konkurrent Audi dagegen hat zuletzt trotz verhaltener Autonachfrage die Verkaufszahlen Absatz gesteigert. Auf die Restwerte seiner verleasten Autos schreibt Daimler knapp eine halbe Milliarde Euro ab und folgt damit dem Konkurrenten BMW.

Wie ein Mühlstein lastet auf Daimler noch der US-Autobauer Chrysler. Für die Sanierung der früheren Tochter, an der Daimler noch 20 Prozent hält, verbuchten die Stuttgarter im Quartal nochmals einen Verlust von 351 Millionen Euro. Die Gespräche mit dem neuen Mehrheitseigentümer Cerberus über den Verkauf des Restanteils ziehen sich hin. Bei Daimler steht das Paket inzwischen mit einem Wert von Null in den Büchern.

Die Finanzlage von Daimler sei jedenfalls stabil, schrieb Zetsche in dem Mitarbeiterbrief. Den bereits gedrosselten, milliardenschweren Aktienrückkauf setzte der Vorstand aber aus, um sein Pulver trocken zu halten.

Auch Hyundai und Chrysler büßen kräftig ein

Schlechte Zahlen kommen auch aus Südkorea und den USA: Hyundai Motor hat im dritten Quartal 2008 aufgrund streikbedingter Produktionsausfälle und eines Absatzrückgangs weltweit deutlich weniger verdient. Wie Südkoreas Branchenprimus mitteilte, fiel der Überschuss in den Monaten Juli bis September im Vorjahresvergleich um knapp 38 Prozent auf 264,8 Milliarden Won (146,3 Mio Euro). Der Umsatz schrumpfte um 14,5 Prozent auf knapp 6,1 Billionen Won.

Für den Gewinnrückgang machte Hyundai Produktionsverluste durch Streikaktionen in diesem Jahr verantwortlich, die sich über zwei Monate hingezogen hätten. Der Überschuss fiel dennoch höher aus als Marktexperten erwartet hatten. Hyundai bekräftige zudem, sein Umsatzziel von 33 Billionen Won im Gesamtjahr 2008 erreichen zu können. Das Unternehmen will sich nach eigene Angaben in den letzten drei Monaten des Jahres vor allem auf den Verkauf kleiner Autos konzentrieren.

Der drittgrößte US-Autobauer Chrysler hat im ersten Halbjahr einen Verlust von mehr als einer Milliarde Dollar erlitten. Im zweiten Quartal lag das Minus bei mindestens 565 Millionen Dollar. Chrysler betonte allerdings umgehend, dass wegen unterschiedlicher Bilanzierungsmethoden in Europa (IFRS) und den Vereinigten Staaten (US GAAP) der Verlust nach US-Regeln lediglich bei 88 Millionen Euro für den Anteil von 19,9 Prozent liege. Für das gesamte Unternehmen Chrysler ergibt sich daraus ein Minus von 440 Millionen Euro. Zum aktuellen Kurs umgerechnet wären dies mehr als 565 Millionen Dollar. Im ersten Quartal lag das entsprechend ermittelte Minus bei 515 Millionen Dollar. Aufgrund der zuletzt starken Kursschwankungen zwischen Euro und Dollar sind dies allerdings nur ungefähre Werte.

Chrysler kündigte am Donnerstag zudem wegen der dramatisch gesunkenen Nachfrage weitere Einschnitte in der Produktion an. Dadurch würden fast 2000 Stellen wegfallen.

Quelle: Welt Online

( dpa/AP/dma )

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