Street View

Google fängt sich Schlappe in der Schweiz ein

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Schwarzer Tag für Google: Der Internetkonzern verliert in der Schweiz ein Verfahren um Street View, in den USA kündigt ein wichtiger Manager.

Bern/New York. Google hat mit seinem Online-Straßenatlas Street View in der Schweiz den bisher größten Rückschlag erlitten. Das Bundesverwaltungsgericht beschloss, dass der Internet-Konzern auf den Street-View-Bildern ausnahmslos alle Gesichter und Autokennzeichen unkenntlich machen müsse.

Google setzt dafür derzeit eine Software ein, die nach Angaben des Unternehmens eine Treffer-Quote von rund 99 Prozent bietet. Die Straßenansichten bei Street View setzen sich aus vielen einzelnen Bildern zusammen. Für die 20 größten Städte Deutschlands sind es mehrere Millionen.

Mit dem am Montag veröffentlichten Urteil folgte das Gericht einem Antrag des Schweizer Datenschutzbeauftragten Hanspeter Thür. Dieser hatte im September 2009 von Google verlangt, bei „Street View“ den Schutz der Privatsphäre zu verbessern. Die Richter in Bern kamen nun zum Schluss, dass Google fast alle Forderungen Thürs erfüllen muss.

Im Mittelpunkt steht die Pflicht von Google, Gesichter und Fahrzeugkennzeichen notfalls manuell vollständig unkenntlich zu machen. Weiter muss Google in Lokalzeitungen über geplante Aufnahmefahrten und die Aufschaltung der Bilder ins Netz informieren anstatt wie bisher nur auf der Startseite von Google Maps. Unzulässig ist laut Gericht zudem der Einblick in Höfe und Gärten, deren Anblick einem „normalen Passanten“ verschlossen bleiben würden.

„Wir sind natürlich sehr enttäuscht über die Entscheidung“, sagte Peter Fleischer, der globale Datenschutzbeauftragte von Google. Street View habe sich als äußerst hilfreich für Millionen von Schweizern erwiesen, und auch für Unternehmen und die Reisebranche. „Wir werden die Urteilsbegründung prüfen, und untersuchen, was das Urteil für Street View in der Schweiz bedeutet und welche Möglichkeiten der Berufung bestehen.“ Die Parteien haben 30 Tage Zeit, in Berufung zu gehen.

Auch in Deutschland hat Google bereits drei Verfahren wegen Street View geführt: Zwei davon hat der Konzern nach eigenen Angaben gewonnen, beim dritten zog der Kläger seine Beschwerde zurück.

Google-Produktchef nimmt seinen Hut

Unterdessen ist Google-Gründer Larry Page heute wie angekündigt an die Konzernspitze zurückgekehrt. Sein erster Tag brachte gleich eine Veränderung im Top-Management:Produktchef Jonathan Rosenberg kündigte seinen Rückzug in den kommenden Monaten an.

Page habe von der Chefetage eine langjährige Verpflichtung eingefordert, sagte Rosenberg der Zeitung „San Jose Mercury News“. Da er schon lange vorgehabt habe, das Unternehmen im Jahr 2013 zu verlassen, wenn seine Tochter ans College geht, habe er ein solches Versprechen nicht abgeben wollen.

Der 49-jährige Rosenberg war seit 2002 bei Google und galt in seiner Schlüsselposition als einer der einflussreichsten Manager des Internet-Giganten. Als Produktchef beaufsichtigte er die Teams, die die diversen Google-Dienste entwickeln und vermarkten.