Schon die zehnte Beluga-Tochter in Schieflage

Reeder Niels Stolberg soll Auftragsvolumen der Gruppe falsch angegeben haben

Bremen. Für die Bremer Schwergutreederei Beluga wird es immer enger. Am Freitag stellte die zehnte Tochtergesellschaft einen Insolvenzantrag beim Bremer Amtsgericht. Seit sich in der vergangenen Woche die für das Kerngeschäft verantwortliche Beluga Chartering GmbH und die Schifffahrts-Dachgesellschaft Beluga Shipping GmbH als zahlungsunfähig erklärt hatten, ist ein Dominoeffekt im Gang - eine Tochtergesellschaft nach der anderen folgte. Jetzt hat es auch das Zentrum für Maritime Forschung erwischt.

An der 2009 gegründeten Forschungseinrichtung in Elsfleth hält Beluga 51 Prozent, die Jade-Hochschule 49 Prozent. Mitfinanziert wurde die Gesellschaft von der Beluga Shipping, so Reedereisprecher Klaus-Karl Becker. Sollte die Gesellschaft aufgelöst werden, würde ihr Vermögen an die Hochschule fallen, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium in Hannover.

Die Geschäfte bei Beluga führt seit Anfang März der US-Finanzinvestor Oaktree, der im vergangenen Jahr bei der Reederei Beluga eingestiegen war und heute 49,5 Prozent hält. Oaktree fühle sich vom Firmengründer Niels Stolberg massiv getäuscht, berichtet das "Handelsblatt". Hintergrund: Der Ex-Chef soll das Auftragsbuch der Reederei manipuliert haben. Dieses habe zum 15. Juni 2010 für das vergangene und das laufende Jahr Aufträge über rund 800 Millionen Dollar ausgewiesen. Tatsächlich seien es aber nur 58 Millionen Dollar gewesen, so das Blatt. Unterlagen dazu sollen der Bremer Staatsanwaltschaft vorliegen. Diese äußerte sich aber nicht. Oaktree hatte Stolberg und weitere Mitarbeiter wegen schweren Betrugs bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Die Manager sollen Umsätze im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und so Kapitalgeber getäuscht haben.