Rock

Mehrheit lud Radiohead im Internet umsonst runter

Foto: CH/AA/RC / AFP

Der Imagegewinn ist groß, die Einnahmen weniger: Mehr als 60 Prozent haben das neue Album von Radiohead, "In Rainbows", von der Band-Webseite heruntergeladen, ohne dafür zu zahlen. Im Durchschnitt nahm die Band nur 1,50 Euro pro Download ein.

Mit ihrer Idee, die Fans selbst den Preis für das neue Album bestimmen zu lassen, wirbelte die britische Band Radiohead zwar die Musikindustrie gehörig durcheinander – kommerziell war das Experiment aber offenbar kein großer Wurf. Rund 62 Prozent der Nutzer hätten von der Option gebrauch gemacht, das Album „In Rainbows“ gratis im Internet herunterzuladen, ergab eine Studie der Internet-Marktforschungsfirma ComScore.

Wer zahlte, gab demnach im Schnitt sechs Dollar aus – mit den Nichtzahlern ergebe sich aber ein Durchschnittspreis von nur 2,26 Dollar (1,55 Euro). Immerhin zwölf Prozent seien bereit gewesen, mit acht bis zwölf Dollar in etwa den handelsüblichen Preis zu bezahlen.

Nach Angaben von ComScore haben vom 1. bis zum 29. Oktober 1,2 Millionen Internetnutzer weltweit die Website inrainbows.com besucht. Eine signifikanter Prozentsatz dieser Besucher habe das neue Album heruntergeladen. Die neuen Stücke waren dort ab dem 10. Oktober erhältlich. Hätten sämtliche Besucher das Album auf ihren Computer kopiert, entspräche dies bei einem Schnitt von 1,55 Euro je Download einem Umsatz von 1,86 Millionen Euro in einem Monat. Das heißt, Radiohead könnten mit ihrem neuen Album zwar einige Hunderttausend Euro umgesetzt haben. Das bedeutet aber auch, dass die im Internet gestreuten Gerüchte über 1,3 Millionen Downloads allein in den ersten beiden Tagen – so berichtete es Peter Kafka im Blog „Silicon Alley Insider“ am 12. Oktober – sich nicht bestätigt haben.

Radiohead hatte mit dem Experiment für viel Aufsehen gesorgt. In Medienkommentaren war auch von einem Signal für das Ende der traditionellen Musikindustrie die Rede. Außerdem wird „In Rainbows“ ganz traditionell bei dem Label XL Recordings/Beggars Group erscheinen. Ein genauer Termin ist noch nicht bekannt.

Neben den Downloads können die Fans auf der Radiohead-Website seit Anfang Oktober auch für 40 Pfund (57,50 Euro) ein Set aus einer Doppel-CD und zwei Vinyl-Platten für Anfang Dezember vorbestellten. Wie der Absatz läuft, ist nicht bekannt. Die frühere Radiohead-Plattenfirma EMI will unterdessen alle sieben vorherigen Alben der Band Anfang Dezember in einem Paket veröffentlichen – auch auf einem 4 Gigabyte fassenden USB-Stick.

Quelle: Welt Online