Floristen

Liebe, Blumen und das Geschäft mit Valentinstag

Was wäre Valentinstag ohne Blumen? Lieblos, langweilig und vor allem ein trauriger Tag für Floristen. Die Grüße der Liebenden bringen dem Blumenhandel jedes Jahr Millionen ein. Doch die Konkurrenz lauert: Supermärkte und Discounter locken mit Billig-Blumen.

Berlin. Eine Milliarde Rosen. So viel hat Deutschland im vergangenen Jahr – mindestens – importiert. Die Königin unter den Blumen ist und bleibt die beliebteste, auch am Valentinstag. Der Tag der Liebenden ist neben Muttertag der wichtigste Umsatzbringer der Branche – und damit auch ein Geschenk an den Blumenhandel: In der Woche um den 14. Februar geben die Deutschen doppelt so viel Geld für Schnittblumen aus wie in einer durchschnittlichen Woche. Das hat die Informations-Gesellschaft Agrarmarkt (AMI) erforscht. Männer sind zu diesem Anlass die fleißigsten Käufer, weiß AMI-Experte Maurice Hanke.

Der Tag der Liebe ist also einiges wert – 110 bis 120 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr in der Valentinswoche allein mit Schnittblumen umgesetzt. Kein gutes Ergebnis, sagt Hanke. Denn 2010 fiel Valentinstag ausgerechnet auf einen eiskalten Sonntag, an dem in vielen Städten eher Karnevalszüge für Trubel sorgten. "Das war eine schlechte Ausgangslage für gute Umsätze zu Valentin." Diesmal dürfte das Ergebnis besser ausfallen, hofft Hanke.

Valentinstag ist aber nur einmal im Jahr. Für vergängliche Sträuße haben die Deutschen 2010 insgesamt drei Milliarden Euro ausgegeben. Samt Topf- und einigen Gartenpflanzen waren es sogar mehr als doppelt so viel: rund 8,6 Milliarden Euro ließ man sich hierzulande die bunte Pracht kosten, sagt Hanke. Der Trend zeigt aber, dass die Deutschen zuletzt etwas weniger Geld für Blumen ausgegeben haben. 2006 wurden nur mit Schnittblumen noch insgesamt 3,15 Milliarden Euro umgesetzt.

Dabei haben sich die Preise für Blumen kaum verändert. Sie seien in den vergangenen Jahren "vergleichsweise gleichbleibend", sagt Nicola Fink vom Fachverband Deutscher Floristen. Und das, obwohl die Großhandelspreise schwankten: Im Krisenjahr 2009 waren Blumen auf den Großmärkten deutlich günstiger als ein Jahr zuvor. "2009 wurde Deutschland mit Blumen überschwemmt", erinnert sich AMI-Experte Hanke. Das lag auch daran, dass andere Abnehmerländer im Zuge der Krise deutlich schlechter aufgestellt waren als Deutschland und daher viel weniger Blumen importieren konnten.

Mittlerweile haben die Blumenpreise auf den Großmärkten aber wieder zugelegt – um stolze zehn Prozent von 2009 auf 2010, sagt Hanke. Händler geben die höheren Preise aber nur selten an ihre Kunden weiter: "Grundsätzlich setzt der Fachhandel kaum höhere Preise auf der Konsumentenebene durch", heißt es beim Floristenverband.

Das mag auch an der wachsenden Konkurrenz liegen: Billige Blumen gibt es immer häufiger bei Discountern und Supermärkten. Heute geben die Deutschen zwar noch mehr als jeden zweiten Blumen-Euro in Fachgeschäften aus. Jedoch gewinnen Discounter und Supermärkte tendenziell Marktanteile zulasten der Floristen. Rund ein Fünftel des Marktanteils entfiel 2010 auf die Billig-Konkurrenz, sagt Hanke. Während es nach Verbandsangaben heute bundesweit zwischen 12 000 und

14 000 Blumenfachgeschäfte gibt, waren es 2004 mit noch rund 16 000. Werden Blumensträuße aber verschenkt, spielt der Fachhandel eine führende Rolle – zum Beispiel am Valentinstag. Dann greifen Menschen lieber zu bunten, von Hand aufgebundenen Sträußen als zum simplen Tulpenbund vom Supermarkt.

Übrigens: Aus keinem anderen Land kommen so viele Blumen wie aus den Niederlanden. Und Deutschland ist wichtigster Kunde: Gut 30 Prozent der holländischen Blumen- und Pflanzenexporte entfallen auf deutsche Abnehmer. Sie kauften im vergangenen Jahr Blumen und Pflanzen im Wert von 1,6 Milliarden Euro ein – und damit fünf Prozent mehr als im Vorjahr, wie die zentrale Blumenversteigerung FloraHolland berichtet. Schaut man nur auf Schnittblumen, kommen immer noch 926 Millionen Euro zusammen.

In der Woche vor dem Valentinstag gehen 100 Millionen Rosen über holländische Auktionstische, berichtet FloraHolland. Aber nicht alle Liebenden greifen am 14. Februar zur romantischen roten Rose: Kurz vor Valentinstag verarbeitet FloraHolland auch 100 Millionen Tulpen - für die etwas vorsichtigeren Valentinsgrüße der frisch Verliebten.

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