Geldanlage

Nicht alle Zertifikate sind ein Fehlgriff

Das Image der einst gefeierten Zertifikate-Branche ist schwer beschädigt, und das nicht nur wegen der Pleite der US-Bank Lehman Brothers. Mit den richtigen Produkten kommen Anleger ohne Verluste durch die Börsenkrise. Discounter-Zertifikate punkten trotz Dax-Talfahrt.

Durch die starken Kursverluste haben Investoren mit ihren Zertifikaten viel Geld verloren. Gerade mit Bonus-Zertifikaten, die bei Privatanlegern besonders stark im Fokus stehen. Diese Produkte bieten die Chance, auch bei stagnierenden oder moderat fallenden Kursen Gewinne zu erzielen. Die in Aussicht gestellte Bonuszahlung gibt es allerdings nur, wenn während der Laufzeit eine bestimmte Kursmarke (Barriere) nicht verletzt wird. Aber genau diese Einschränkung ist einer Vielzahl von Anlegern in den vergangenen Monaten zum Verhängnis geworden.

Durch die zum Teil sehr deutlichen Kursrückgänge fielen die Aktien unter die Barriere und beendeten damit automatisch die Hoffnung auf eine positive Rendite. Die Bonus-Zertifikate orientieren sich in dem Fall nur noch am Basiswert, was bei fallenden Aktienkursen auch für den Zertifikate-Inhaber entsprechende Kursverluste bedeutet. Anleger mussten die bittere Erfahrung machen, dass Risikopuffer von 20 oder 30 Prozent in einem solchen Marktumfeld nicht ausreichen. Selbst bei breit gestreuten Indizes nicht. Der Dax hat seit Jahresbeginn rund 30 Prozent verloren, der Euro-Stoxx-50 sogar noch etwas mehr. Auch bei Zertifikaten gilt das Motto „Je höher die Chancen, desto größer das Risiko“. Bei Papieren mit unbegrenzten Gewinnmöglichkeiten (und genau das bieten klassische Bonus-Zertifikate) drohen im schlimmsten Fall eben auch hohe Verluste.

Es geht allerdings auch anders. Denn viele Zertifikate haben sich in den turbulenten Zeiten als durchaus erfolgreich erwiesen. Zum Beispiel defensive Discount-Zertifikate. So hat ein Dax-Discounter der BNP Paribas mit einem Cap bei 5400 Punkten seit Auflegung vor gut 13 Monaten ein Plus von 5,5 Prozent erzielt. Obwohl der Dax im gleichen Zeitraum fast ein Viertel seines Wertes eingebüßt hat. Sollte der Index am Bewertungstag in knapp zwei Wochen nicht unter 5400 Punkte notieren, steigt das Zertifikat um weitere zwei Prozent. Anleger, die bei Auflegung im August 2007 eingestiegen sind, erzielen damit einen steuerfreien Gewinn von 7,5 Prozent. Und selbst wenn der deutsche Leitindex kurzfristig noch stärker zurückfällt, drohen zumindest keine großen Verluste. Ausgezahlt wird dann am Ende ein Zehntel des Dax-Standes. Bei einem Emissionskurs von gut 50 Euro verbleibt also auch bei Indexständen von 5100 oder 5200 Punkten immer noch ein kleiner Gewinn (WKN: BN0K48).

Ebenfalls bewährt haben sich während der Börsenturbulenzen Zertifikate mit Höchststandssicherung. So wie die von der HypoVereinsbank emittierten All-Time-High-Zertifikate auf den Euro-Stoxx-50. Bei einem solchen im März 2005 an den Markt gebrachten Papier werden automatisch 90 Prozent des während der Laufzeit erreichten Index-Hochs (per Monatsende) als Mindestrückzahlung eingebucht. Im Mai 2007 erreichte der bei rund 3040 Punkten gestartete Euroland-Index sein bisheriges Hoch bei gut 4512 Zählern, ist danach dann aber wieder bis auf das Niveau bei Auflegung zurückgefallen. Während der Index unter dem Strich also eine Nullrendite verbucht, erzielt das momentan bei knapp 122 Euro notierende All-Time-High-Zertifikat durch die Festschreibung des Indexhochs ein Plus von über 20 Prozent. Und weil die Mindestrückzahlung bei 133,50 Euro festgeschrieben ist, sind bis zur Fälligkeit im Mai 2010 weitere 9,5 Prozent Kursanstieg garantiert. Sollte der Euro-Stoxx-50 bis dahin noch einmal neue Höchstkurse erreichen, sind auch höhere Gewinne möglich (WKN: HV0EEX).

Beispiele wie diese zeigen, dass Zertifikate bei sachgerechtem Einsatz und trotz vieler Negativbeispiele durchaus zur Absicherung gegen Kursverluste an der Börse taugen. Allerdings muss dafür entsprechendes Augenmerk auf die Höhe etwaiger Sicherheitspuffer gelenkt werden, die im Zweifel immer etwas größer angesetzt werden sollten, auch wenn dadurch die Renditechancen sinken. In Krisenzeiten sind kleine Gewinne nämlich immer noch besser als große Verluste im Depot.

Quelle: Welt Online