Lokführer drohen mit Streiks bei allen Bahnen

Gewerkschaft GDL erklärt Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn für gescheitert

Berlin. Die Lokführer gehen auf Konfrontationskurs. Nach dem Abbruch der Verhandlungen mit den Privatbahnen vor gut einer Woche hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gestern auch die Gespräche mit der Deutschen Bahn über einen Branchentarifvertrag für gescheitert erklärt. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sagte nach der achten Verhandlungsrunde, in den strittigen Fragen habe es keinerlei Fortschritte gegeben: "Ich gehe davon aus, dass nur ein Arbeitskampf die Verhandlungen weiterbringen wird." Damit rücken Warnstreiks sowohl bei der Deutschen Bahn als auch bei Privatbahnen näher.

Die Bundestarifkommission der GDL wird bereits an diesem Donnerstag in Frankfurt über mögliche Arbeitsniederlegungen entscheiden. Den letzten großen Streik der GDL bei der Bahn hatte es in der langen Tarifauseinandersetzung vor gut drei Jahren gegeben.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber zeigte sich vom Abbruch der Gespräche überrascht. Dies entspreche "nicht unserem Eindruck vom Verlauf der Verhandlungen". Der GDL-Chef begründete den Abbruch der Verhandlungen damit, dass die Bahn der Gewerkschaft in wichtigen Punkten nicht entgegengekommen sei. Das gelte für den geforderten Bundesrahmentarifvertrag für alle Lokführer ebenso wie für die Einkommenserhöhung und Standards für Arbeitsbedingungen.

Die Deutsche Bahn hatte der GDL für die von ihr vertretenen rund 20 000 Lokführer ein Einkommensplus von 1,8 und 2,0 Prozent in zwei Schritten angeboten - bei einer Laufzeit von 29 Monaten. Dies hatte der Konzern für die anderen 135 000 Beschäftigten mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vor wenigen Tagen bereits vereinbart.