Videospiele-Überblick

Super Mario ist zurück – und schlägt sie alle

| Lesedauer: 9 Minuten
Lars Winckler

Foto: Nintendo

Die Spielebranche veröffentlicht kurz vor Weihnachten ihre Top-Titel. In diesem Jahr glänzt mal wieder ein alter Bekannter: Nintendo ist mit der Neuauflage von Mario ein Meilenstein der Videospielgeschichte geglückt. Außerdem im Test: das Ballerspiel "Call of Duty 4" und "Ratchet & Clank".

Im Herbst haben Videospiele Hochjunktur. Denn fast alle Hersteller veröffentlichen in dieser Zeit ihre Top-Titel für das Weihnachtsgeschäft. WELT ONLINE hat einige Perlen unter die Lupe genommen.

Super Mario Galaxy - die neue Referenz

Kein Hüpfer ist länger im Geschäft als Mario: Der Pionier der sogenannten Jump’n Run-Spiele hatte seinen ersten Auftritt bereits 1981 in „Donkey Kong“. Hersteller Nintendo verdankt ihm seinen Erfolg. Knapp 300 Millionen Spiele mit dem Klempner hat der japanische Konzern in den vergangenen Jahren verkauft. Für viele war die Mario-Serie ein Grund, sich überhaupt eine Nintendo-Konsole zu kaufen. Und so wird es vermutlich auch bei „Super Mario Galaxy“ für die Wii sein.

Mit der Neuauflage ist Nintendo ein Meilenstein der Videospielgeschichte gelungen. Super Mario Galaxy knüpft an den Klassiker Mario 64 an, schickt das Nintendo-Maskottchen in die dritte Dimension. Und bislang hat wohl noch kein Spiel besser Gebrauch von dieser Perspektive gemacht: Mario umkurvt in seinem neuen Abenteuer ganze Planeten, steht dabei aus Sicht des Spielers teilweise auf dem Kopf, festgehalten von der Schwerkraft der Himmelskörper. Mario kann sogar zu anderen Sternen hinüberspringen. In Kombination mit der leicht zugänglichen Steuerung verschafft das dem Spieler ein großartiges Freiheitsgefühl. Es gibt praktisch keine Begrenzungen, fast alles ist "behüpfbar". Manchmal wechselt die Ansicht allerdings. In einigen Abschnitten ist Mario nur zweidimensional unterwegs. Das sorgt für Abwechselung und Nostalgiegefühle – denn so hat Mario schließlich auch seine ersten Abenteuer begonnen.

Die Handlung ist wieder einmal nebensächlich. Marios Erzfeind Bowser hat die Prinzessin mitsamt ihres Schlosses geklaut und ins Weltall verschleppt. Nun haftet sich Mario an die Versen des Bösewichts und durchkämmt eine Galaxie nach der anderen. Natürlich geht es wieder einmal darum, viele Sterne einzusammeln und versteckte Extras aufzusammeln.

Die Neuauflage ist abwechslungsreich wie nie. Mario wandert über Wiesen, durch Wälder und Wüsten, begibt sich in Geisterlevels, erlebt alle vier Jahreszeiten und springt durch die Galaxien. Er muss auf die Schwerkraft achten, den Wind nutzen und sich an schnell wachsenden Pflanzen entlang hangeln; er taucht, gleitet und fliegt umher.


Was Mario aus der Masse der Jump'n'Run-Spiele hervorhebt, ist das perfekte Leveldesign. Überall gibt es etwas zu entdecken, alles wirkt stimmig, der Schwierigkeitsgrad ist hervorragend ausbalanciert. Super Mario Galaxy steht dabei in einer Reihe mit den Klassikern Super Mario Bros. 3 und Mario 64.

Hinzu kommt ein ziemlich gelungener Zwei-Spieler-Modus, in dem man gleichzeitig zocken darf. Der zweite Spieler assistiert dabei dem anderen: Er sammelt Sternenstaub oder hält Mario die Gegner vom Leib. Ein Genuss ist der orchestrale Sound, die Grafik ist hingegen nicht ganz auf der Höhe der Zeit – die Wii-Konsole kann keine hochauflösenden Bilder für HD-Fernseher darstellen.

Fazit: Um das Jump'n'Run-Genre war es still geworden. Doch nun ist Mario wieder da - und verhilft ihm zu alten Ehren. Es macht einfach Spaß, durch die Galaxien zu hüpfen, durch die perfekt designten Levels und dabei immer wieder etwas neues zu entdecken. In der Fachpresse wird Mario zu Recht als eines der besten Spiele aller Zeiten gewürdigt. Es gibt nur zwei Gründe, es nicht zu spielen: Sie hassen Mario – oder Videospiele.

Hersteller: Nintendo

System: Wii

Preis: 50 Euro

Call of Duty 4 – Der perfekte Krieg

Call of Duty ist kein Kinderspiel. Call of Duty ist Krieg, in seiner bedrückendsten Form. Hersteller Activision hat seine Spieleserie im neusten Teil vom Zweiten Weltkrieg in die Gegenwart geholt. Und dort geht es knüppelhart zur Sache: Als Kämpfer für Großbritannien und die USA jagt der Spieler russische Ultranationalisten und arabische Terroristen aus der Ich-Perspektive („Ego-Shooter“) – und tötet Tausende auf den Schlachtfeldern im Nahen Osten, in Tschernobyl oder auf hoher See.

Solche Szenarien gab es zwar schon in vielen anderen Spielen, doch nie wurden sie so realistisch in Szene gesetzt wie in Call of Duty 4. Beispiel 1: Der Spieler kann sich nicht mehr hinter Autos, Holzkisten oder dünnen Wänden in Sicherheit bringen. Denn die Kugeln des Gegners durchschlagen auch diese Materialen – und das ist sehr viel glaubhafter als etwa in James-Bond-Filmen oder anderen Ego-Shootern. Beispiel 2: Der Spieler ist kein Einzelkämpfer, sondern agiert im Team – mit klugen, computergesteuerten Soldaten an seiner Seite. Sie folgen dem Spieler, geben sich gegenseitig Deckung, schreien sich Befehle zu, brechen Türen auf. Beispiel 3: Die Schauplätze sind extrem detailliert und glaubhaft dargestellt. Wenn der Spieler per Hubschrauber in einer - nicht näher bezeichneten - nahöstlichen Stadt abgesetzt wird, wähnt er sich wie in einem Einsatz im Golfkrieg. Überall lauern Scharfschützen, Panzer halten Brücken besetzt, Kampfjets donnern durch die Luft und werfen ihre Bomben ab.

Auch die Grafik trägt einiges zum Realismus bei. Die Stärken von Call of Duty 4 liegen in der Licht- und Schattenberechnung, die Farbverläufe sorgen für viel Atmosphäre. Zudem wirken die Animationen der Soldaten äußerst geschmeidig. Kleine Schwäche: Die Gesichter sind nicht ganz so detailliert modelliert wie etwa in dem deutschen Ballerspiel Crysis.

Erstmals in der Call-of-Duty-Serie gibt es im vierten Teil eine richtige Hintergrundgeschichte. Russische Ultranationalisten verbünden sich mit Terroristen aus dem Nahen Osten, um den Westen zu vernichten – mit atomwaffenbestückten Langstreckenraketen. Das wirkt teilweise etwas absurd, trotzdem wird die Geschichte absolut packend erzählt. So zeigt Call of Duty zu Beginn eine Szene, in der ein Politiker entführt, mit dem Auto durch eine besetzte Stadt gefahren und am Ende vor laufenden TV-Kameras erschossen wird. Gänsehaut ist dabei garantiert.

Leider ist die Spiel etwas kurz geraten. Nach rund sieben bis acht Stunden ist alles vorbei. Doch dann geht's mit dem Mehrspielermodus weiter. Der begeistert durch ausgereifte Online-Gefechte. Auf der Playstation 3 und der Xbox 360 kann der Bildschirm vierfach geteilt werden - um sich zum Ballern gemeinsam vor den Fernseher zu hocken.

Fazit: Activision hat es geschafft, die Serie neu zu beleben. Das Spiel glänzt mit seiner filmreifen Inszenierung: So intensiv war virtuelles Kriegsspielen noch nie. Allerdings ist die Atmosphäre des Spiels ziemlich bedrückend - und das ist nicht für jeden etwas. Eine Alternative auf dem PC ist Crysis: Das ist grafisch noch besser und wirkt trotz viel Gemetzel nicht ganz so beklemmend, weil die Handlung auf einer traumhaften Südseeinsel angesiedelt ist.

Hersteller: Activision

System: PC, Xbox 360, Playstation 3

Preis: 50 bis 70 Euro

Ratchet und Clank – „Tools of Destruction“

Mit Ratchet und Clank erhält die Playstation 3 endlich ein Hüpfabenteuer, ein Pendant zu Nintendos Super Mario. Ratchet ist ein Mechaniker, Clank sein intelligenter Roboter, den er immer im Rucksack mitträgt. Zusammen legen sie sich mit dem Diktator Percival Tachyon an, der eine riesige Roboter-Armee auf die beiden hetzt.

Anders als Mario, Crash Bandicot oder andere Helden des Genres verfügt Ratchet über ein riesiges Waffenarsenal. Da gibt es Laser, Granaten, aber auch eine Diskokugel: Wird sie benutzt, fangen die Gegner an zu tanzen – und sind dadurch ziemlich wehrlos. In einigen Passagen kommt Roboter Clank zum Einsatz, etwa dann, wenn ein Durchgang zu schmal für den großen Ratchet ist.

Brutal ist der Titel wegen der Waffen nicht, ganz im Gegenteil. Die Roboter zerfallen in ihre Einzelteile, Blut/Öl fließt dabei nicht – das Spiel ist absolut kindergeeignet. Auch wegen des sehr niedrigen Schwierigkeitsgrades. Der Spieler besitzt unendlich Leben, die Waffen sind durchschlagskräftig, das Spiel kann jederzeit gespeichert werden. Geübte Zocker haben Ratchet und Clank in rund zehn Stunden durch.

Herausragend ist die Grafik: Nie war ein Hüpfabenteuer schöner. Ratchet und Clank wirken fast wie aus den Pixar Animation Studios, wie aus einem Kinofilm - der Comicstil erinnert etwa an „Die Unglaublichen“. Die Städte und Planeten sind äußerst detailliert, die Spezialeffekte gelungen. Leider halten die Geschichte und die Gags da nicht mit. Beides wirkt teilweise bemüht und aufgesetzt.

Fazit: Ratchet und Clank ist eines der besten Spiele für die Playstation 3. Die Mischung aus hüpfen, Kisten kaputtschlagen und dem Einsatz der wahnwitzigen Waffen macht süchtig. Allerdings: An die Referenz „Super Mario Galaxy“ kommt Rachet und Clank nicht heran – Mario liegt beim Leveldesign uneinholbar vorne.

Hersteller: Insomniac/Sony

Preis: rund 70 Euro

System: Playstation 3

Quelle: Welt Online

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