Gestiegene Spritpreise

US-Autobauer investieren in sparsamere Modelle

Selbst in den USA kehrt man nun Spritfressern den Rücken und steigt auf Kleinwagen um. Die US-Fahrzeughersteller reagieren auf diesen Trend und kommen mit neuen, sparsameren Modellen auf den Markt. Doch die Kosten für Entwicklung sind hoch – und die Finanzierung ist noch nicht in trockenen Tüchern.

"Hübsches Blau“ heißt der Werbespot des US-Automobilkonzerns General Motors (GM), dem sich derzeit kein sportbegeisterter Amerikaner entziehen kann. Unzählige Male ist der Spot bereits während der Olympischen Spiele gelaufen. Zu einer sanften Pop-Ballade zeigt der der schwer angeschlagene Konzern lachende Menschen und preist seine Innovationskraft in Sachen Elektroantriebe und Biosprit. Zum Ende des Filmchens erscheint das blaue GM-Logo, dazu der Slogan „Es glänzt, ist blau und wunderschön“.

Richtig glänzend geht es dem Unternehmen mit acht verschiedenen Automarken (u.a. „Chevrolet“, „Cadillac“) derzeit nicht. Im vergangenen Quartal sind 15,5 Mrd. Dollar Verlust angefallen, Vorstandschef Rick Wagoner musste zum wiederholten Male ein hartes Sparprogramm verkünden.


In die finanzielle Schieflage war der Opel-Mutterkonzern GM vor allem durch die Probleme auf dem Heimatmarkt gekommen. Aufgrund stark gestiegener Benzinpreise hatten amerikanische Autokäufer großen Geländewagen und bulligen Pick-up Trucks in atemberaubendem Tempo den Rücken gekehrt. Die Fahrzeuge waren jedoch stets die größten Gewinnbringer für GM. Wagoner hat bereits verkündet, dass der Konzern in Zukunft auf kleinere Wagen setzen will. Am Donnerstag wird er Investitionen in Milliardenhöhe verkünden und so den Worten Taten folgen lassen. Das Werk in Lordstown (Ohio) soll zu einer modernen Fertigungsstätte umgebaut werden, in der dann ab 2010 der neu entwickelte Kleinwagen Chevrolet Cruze vom Band rollen soll. Erstmals wird Wagoner auch Bilder des Fahrzeugs der Öffentlichkeit präsentieren.

GM ist nicht der einzige US-Hersteller der versucht, die Produktpalette so schnell wie möglich auf den Kopf zu stellen. Ford-Verwaltungsratschef Bill Ford hat erklärt, dass die Abkehr von Geländewagen permanent und nicht nur ein kurzfristiger Trend sein werde. Vorstandschef Alan Mulally treibt den Bau von Kleinfahrzeugen auf einer einzigen Plattform voran. Vergangene Woche wurde die Produktion des neuen Ford Fiesta in Köln eingeläutet, der ab 2010 auch in den USA erhältlich sein wird. Sechs in Europa entwickelte Fahrzeuge sollen bis 2012 auch jenseits des Atlantiks fahren. Es gibt zwar schon den Ford Focus in beiden Märkten, doch die Modelle haben nicht viel mehr gemein als den Namen.

Die Umstellung auf Kleinautos kostet die Hersteller viel Geld

Noch dringender als die beiden Konkurrenten hat Chrysler den Umstieg auf kleinere Wagen nötig. Denn bislang hat die ehemalige Daimler-Tochter kaum konkurrenzfähige Kleinwagen im Angebot. Ein kleineres Modell der Geländewagen-Marke Jeep soll bald in Detroit vom Band laufen. Dazu will das Unternehmen 1,8 Mrd. Dollar in die Fabrik investieren.

Noch kleinere Modelle will das zu 80 Prozent dem Finanzinvestor gehörende Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem japanischen Hersteller Nissan und dem chinesischen Unternehmen Chery auf den Markt bringen. Gleichzeitig bietet Chrysler seine Produktionskapazitäten anderen Herstellern an und fertigt etwa für Volkswagen das Modell Routan und für Nissan einen Pick-up Truck.

Alle drei Konzerne bemühen sich, den Blick auf die Zukunft zu richten. Sobald sich der in diesem Jahr extrem schwache US-Automarkt erhole, werde Chrysler mit neuen Modellen überzeugen, glaubt etwa der Produktionschef des Herstellers, Tom LaSorda. Dazu zählten Modelle mit Hybrid-Antrieben und Diesel-Motoren.

Auch bei General Motors richtet sich der Blick neben den Kleinwagen vor allem auf den Elektrowagen Chevrolet Volt, der Ende 2010 auf den Markt kommen soll. Das Auto soll mit einer Batterieladung 60 Kilometer fahren können und die Reichweite durch einen Benzinmotor beliebig strecken können.

Die Abkehr von den Spritfressern kostet alle drei Konzerne viel Geld – Geld, das ihnen unter Umständen ausgehen könnte, bevor die Transformation abgeschlossen ist. Es wird in Zukunft teurer für die Firmen, Kredite aufzunehmen, um neue Investitionen zu finanzieren: Die Kreditwürdigkeit der „Detroit Three“ ist zuletzt mehrfach herabgestuft worden.

Quelle: Welt Online