Verteidiger des stabilen Euro erhält den Karlspreis 2011

EZB-Präsident Trichet wird als besonnener Krisenmanager geehrt

Aachen. Er widerstand politischem Druck, als es darum ging, zur Unterstützung von hoch verschuldeten Staaten wie Spanien zusätzliche Milliarden in den Finanzmarkt zu pumpen. Als Verteidiger des stabilen Euro erhält der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, den Karlspreis 2011. Vor dem Hintergrund der Schuldenkrise in der Europäischen Union ist die Verleihung zum ersten Mal mit einer Forderung an die Politik verbunden. "Europa muss sich an die politische Union heranwagen, mit einer gemeinsamen Wirtschafts-, Finanz- und Haushaltspolitik", sagte der Sprecher des Karlspreis-Direktoriums, Jürgen Linden.

Der Karlspreis wird für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen. Der Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses ist für den 2. Juni geplant. "Das Direktorium sieht den Euro in Gefahr und um es mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sagen: ,Scheitert der Euro, scheitert Europa'", sagte Linden. Die Zuerkennung an Trichet sei ein Signal an die EZB, den Euro zu sichern und stabil zu halten. Trichet erhalte den Karlspreis als Symbolfigur für den Zusammenhalt der Währungsunion, für die Stabilität des Euro und den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit.

Vor Trichet hatte mit Wim Duisenberg im Jahr 2002 zum ersten Mal ein EZB-Präsident den Karlspreis entgegengenommen - allerdings stellvertretend für den Euro als bedeutende Gemeinschaftsleistung. "Der Euro ist seit Gründung bis auf den heutigen Tag eine Erfolgsgeschichte", sagte Linden. Der Garant dafür sei heute Trichet. Er stehe für die Unabhängigkeit der EZB. Er sei auch ein großer Europäer, für den der Euro nicht nur Zahlungsmittel sei, sondern ein hohes Gut, eine "Friedenswährung für ein Europa".

Trichet gilt als Krisenmanager mit ruhiger Hand, der seit seiner Amtsübernahme 2003 mit Elan für die politische Unabhängigkeit der EZB kämpft. Vorheriger Karlspreisträger war Polens Ministerpräsident Donald Tusk.