Börse

Interessante Aktien! Hohe Dividenden locken Anleger

Foto: REUTERS

Die niedrigen Zinsen am Geldmarkt machen Aktien interessant. Renditen von bis zu sieben Prozent sind möglich. Gewinne der DAX-Konzerne steigen.

Hamburg. Tages- und Festgeldzinsen gibt es nur noch mit Mikrozinsen, auch Unternehmensanleihen werfen kaum einen höheren Ertrag ab. Deshalb lohnt es auch für Zinsfüchse, einen Blick auf die Dividenden von Aktien zu werfen. "Seit Mitte 2010 übertreffen die Dividendenrenditen der Großkonzerne erstmals seit Jahrzehnten die Renditen vergleichbarer Anleihen", sagt Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) dem Abendblatt. Unter Renditegesichtspunkten seien Aktien so attraktiv wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Das zeigt sich zum Beispiel am Beispiel der Deutschen Telekom. Eine noch bis Oktober 2013 laufende Anleihe des Telekommunikationsdienstleisters bringt gerade eine jährliche Rendite von 2,2 Prozent. Dagegen liegt die Dividendenrendite des Unternehmens bei 6,7 Prozent. Wenn Anleger jetzt in das Papier investieren, erhalten sie nach der Schätzung der Landesbank Baden-Württemberg im nächsten Frühjahr 0,70 Cent pro Aktie. Einen Betrag, den die Deutsche Telekom ihren Aktionären bis zum Jahr 2013 sogar garantiert. "Als erster DAX-Konzern kommunizieren wir eine Mindestdividende für drei Jahre", sagt Telekom-Chef René Obermann. Damit unterstreicht er sein Vertrauen in die gute Entwicklung seines Unternehmens.

22 von 30 Firmen im DAX erhöhen ihre Dividende für 2010

Die Firmen lassen sich einiges einfallen, um wieder das Interesse für Dividendenpapiere zu wecken. "Für 22 der 30 DAX-Firmen rechnen wir mit einer Erhöhung der Dividende", sagt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Die stärksten Anhebungen werden in der Autobranche erwartet. Daimler hat 2009 die Dividende ausfallen lassen. "Jetzt rechnen wir mit einer Ausschüttung von zwei Euro pro Aktie", sagt Hürkamp. Siemens hat die Erhöhung der Dividende von 1,60 auf 2,70 bereits angekündigt. Das ist so viel wie noch nie. Künftig sollen stets 30 bis 50 Prozent der Gewinne an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

"Das Management überlegt sich die Höhe der Dividendenanhebungen sehr genau, da ein nachhaltiges Niveau angestrebt wird", sagt Christian Bruns vom Hamburger Bankhaus M.M. Warburg & CO. Solche Schritte erfolgen in der Regel also nur, wenn auch die zukünftigen Aussichten gut sind. Dennoch müssen Anleger wissen: Während der Zins bei Anleihen garantiert ist, kann die Höhe der Dividende schwanken.

Die Commerzbank wird als einziger DAX-Wert keine Dividende zahlen. Bei der Telekom wird mit einer leichten Kürzung gegenüber dem Vorjahr gerechnet, die aber die Dividendengarantie nicht beeinträchtigt.

Angesichts der gestiegenen Gewinne werden die 30 größten Unternehmen in Deutschland (DAX) gegenüber dem Vorjahr 30 Prozent mehr Dividende ausschütten. "Wir rechnen insgesamt mit 26,4 Milliarden Euro", sagt Hürkamp. Die Dividendenrendite des DAX liegt bei 3,5 Prozent und damit einem halben Prozentpunkt über dem zehnjährigen Durchschnitt.

Ein Drittel der langfristigen Rendite kommt von den Dividenden

Die Unternehmen können es sich leisten, ihre Aktionäre zu verwöhnen. Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young sind die operativen Gewinne der DAX-Unternehmen in diesem Jahr um mehr als 70 Prozent gestiegen. "Positive Überraschungen bei den Dividenden werden in den kommenden Monaten ein wichtiger Treiber für einen weiter steigenden DAX sein", sagt Hürkamp. Auch Experte Klumpp ist sich sicher, dass in den kommenden Jahren Aktien eine wesentlich höhere Gesamtperformance versprechen als festverzinsliche Wertpapiere. Denn die Bedeutung der Dividenden wird gern unterschätzt. Dabei zeigen langfristige Betrachtungen, dass ein wesentlicher Teil der Gesamtrendite von Aktieninvestments aus den Dividendenerträgen stammt. In den vergangenen 20 Jahren brachten europäische Aktien eine jährliche Wertentwicklung von 8,82 Prozent, ergab eine Untersuchung der LBBW. "Rund ein Drittel dieser jährlichen Wertsteigerung entfällt dabei auf die Dividenden", sagt Klumpp.

Je mehr Punkte eine Aktie hat, desto attraktiver ist sie

Neben dem DAX lohnt auch ein Blick auf das Börsenbarometer EuroStoxx50, in dem die 50 größten Unternehmen aus der Eurozone vereint sind. Auch hier finden sich Papiere mit hoher Dividendenrendite wie die spanische Telefónica. Allerdings sollten Anleger nicht nur auf die Dividendenrendite achten. Denn eine hohe Dividendenrendite kann auch für ein schwaches Unternehmen stehen. Deshalb hat die LBBW ein Modell entwickelt, das die Nachhaltigkeit der Dividendenzahlungen durch weitere Bewertungsfaktoren sicherstellt. Gute Bonität, hohe Ertragskraft und solides Wachstum sind wichtige Zusatzkriterien (siehe Tabelle). In die Bewertung fließt die Dividendenentwicklung seit dem Jahr 2000 ein. Je mehr Punkte eine Aktie erreicht, desto stärker wird die Aktie von den Experten eingeschätzt.