Gesundheit

Privat-Behandlung für gesetzlich Versicherte

| Lesedauer: 2 Minuten
Philipp Neumann

Foto: hr/lrei / DPA

Die erste Ersatzkasse bietet einen Tarif an mit dem gesetzlich Versicherte die gleiche Behandlung wie Privatpatienten erhalten. Erst durch die Gesundheitsreform ist dies möglich geworden. Die privaten Krankenversicherungen sehen den Vorstoß kritisch.

Die Techniker Krankenkasse (TK) bietet als erste bundesweite Kasse einen Tarif an, mit dem sich gesetzlich Versicherte bei ihrem Arzt wie Privatpatienten behandeln lassen können. Damit nutzt die TK die Möglichkeiten der Gesundheitsreform. Die drittgrößte Kasse Deutschlands will so die Abwanderung ihrer Mitglieder zu privaten Krankenversicherungen bremsen.

Der Tarif TK-Privat Praxis kostet mehr als der normale Tarif, der für Arbeitnehmer derzeit bei 14,4 Prozent vom Bruttolohn liegt. Wer sich mit dem neuen Tarif als Privatpatient behandeln lassen will, zahlt je nach Alter zwischen 18 und 100 Euro pro Monat zusätzlich. Die ambulanten Behandlungen, die beim Arzt in der Praxis oder im Krankenhaus ausgeführt werden, muss der Versicherte – wie bei den privaten Krankenversicherungen – zunächst auslegen. Die Kasse zahlt dann 90 Prozent der erstattungsfähigen Kosten. Der Eigenanteil, den der Versicherte erbringen muss, beträgt insgesamt maximal 400 Euro pro Jahr. Wer den neuen Tarif wählt, muss ihn drei Jahre nutzen.

„Auf diese Weise können wir viele Menschen im solidarischen System der gesetzlichen Krankenkassen halten, die sonst zu den privaten Versicherungen abwandern würden“, sagt Techniker-Chef Norbert Klusen. Die gesetzlichen Kassen könnten so attraktiver werden.

Der neue Tarif der Techniker ist durch die Gesundheitsreform möglich geworden. Sie gab den Krankenkassen die Möglichkeit, diverse Wahltarife anzubieten. Bisher haben die Kassen überwiegend Selbstbehalttarife entwickelt. Das sind Tarife, mit denen Versicherte ihren Beitragssatz verringern können, wenn sie sich stärker an ihren Behandlungs- oder Medikamentenkosten beteiligen. Insgesamt ist die Nachfrage nach diesen Wahltarifen gering. Bei der Techniker Krankenkasse nutzt bislang nur eine „vierstellige Zahl von Versicherten“ die Wahltarife. Andere Kassen berichten ebenfalls von mäßiger Nachfrage. Auch bei den Selbstbehalttarifen müssen sich die Versicherten drei Jahre lang binden und können Tarif und Kasse nicht wechseln.

TK-Chef Klusen lobt die Wahltarife dennoch: Sie gehörten „zu den wenigen Lichtblicken der Gesundheitsreform“. Sie belebten den Wettbewerb zwischen den Kassen, aber auch zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Die privaten Krankenversicherungen sehen die Vorstöße der gesetzlichen Konkurrenz dementsprechend kritisch: „ Diese Wahltarife sind nicht vereinbar mit dem Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagt Volker Leienbach, Direktor des Verbands der privaten Krankenversicherer (PKV). „Gesunde Versicherte können Wahltarife zum Vorteilshopping nutzen. Damit verliert die Sozialversicherung ihre Legitimation.“

Quelle: Welt Online

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft