IG Metall fordert vorgezogene Lohnerhöhung für alle Betriebe

Arbeitgeberpräsident Hundt blockt ab. Krise sei nicht beendet

Berlin. Vom kraftvollen Aufschwung in Deutschland sollen nach dem Willen der IG Metall mehr Beschäftigte als bisher profitieren. Die Gewerkschaft forderte die Metall- und Elektrobranche auf, dem Beispiel von Bosch, Audi und anderen zu folgen: Die zum April vereinbarte Einkommenserhöhung solle schon zwei Monate früher ausgezahlt werden. "Die Beschäftigten müssen am Aufschwung teilhaben", sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer der "Welt".

Nach Bosch und Audi hebt auch Ford seine Tarife vorzeitig an

Bosch hatte als erstes deutsches Großunternehmen angekündigt, die für 2010 für die Metaller vorgesehene Entgelterhöhung von 2,7 Prozent um zwei Monate auf den 1. Februar vorzuziehen. Auch Audi zieht die vereinbarte Tariferhöhung vor. Ford will seine Löhne ebenfalls schon zu Februar erhöhen, allerdings nur um 1,7 Prozent. Dies entspreche einem Investitionssicherungsabkommen mit den Mitarbeitern, sagte ein Unternehmenssprecher.

Bei BASF können sich die Mitarbeiter auf eine stattliche Erfolgsbeteiligung einstellen. Der Autozulieferer ZF erklärte, Geschäftsleitung und Arbeitnehmer verhandelten derzeit über eine Sonderzahlung. Auch bei Porsche in Stuttgart gibt es solche Verhandlungen. Es sei "ein Gebot der Fairness", die Arbeitnehmer am Aufschwung zu beteiligen, sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber der "Passauer Neuen Presse". Er erwarte, dass die Mehrzahl der Metallbetriebe die Tariferhöhung vorziehe.

Auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder forderte "angemessene Lohnerhöhungen" für die Beschäftigten. "Sie haben durch vielfachen Lohnverzicht einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der Krise geleistet."

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, warnte jedoch vor überzogenen Erwartungen. Der Tarifvertrag sei "keine Einbahnstraße", sagte Kannegiesser der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". Einer Umfrage zufolge schreibe derzeit jedes dritte Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie rote Zahlen oder allenfalls eine schwarze Null.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte der "Super Illu", er halte Diskussionen um Lohnerhöhungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt für überflüssig. Die Krise sei noch nicht überwunden, erst Ende 2011 dürfte der Stand von vor der Krise wieder erreicht sein.

IG-Metall-Vorstand Schwitzer sagte dazu, die wirtschaftliche Erholung habe zwar noch nicht in allen Branchen voll durchgeschlagen, aber in der Autoindustrie habe sie überraschend rasch gegriffen.