Finanzen

Geldgeschenke unter dem Weihnachtsbaum

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Holger Zschäpitz

Foto: pp ae / DPA

Geschenke auspacken an Weihnachten ist eine Riesen-Freude für die Kleinen. Oft ist die Enttäuschung dann doch groß, weil das Präsent eben nicht den Geschmack trifft. Deswegen heißt immer öfter die Devise: "Nur Bares ist Wahres". Spardose und Sparbuch bringen kaum Rendite – WELT ONLINE stellt die besten Finanzprodukte für die lieben Kleinen vor.

"Bevor man zu Weihnachten teure Alibipräsente macht, sollte man besser gleich Geld schenken“, lautet auch die selbst gelebte Devise von Max Herbst, Sparexperte bei der FMH Finanzberatung. „Ich zahle für mein Patenkind jeden Monat 50 Euro in einen Aktiensparplan.“ Tatsächlich sollte das ehedem bei den Bundesbürgern so beliebte Sparbuch angesichts mickriger Jahresrenditen ausgedient haben. Tagesgeldkonten oder Bank- und Fondssparpläne sind Experten zufolge attraktiver. Zunächst stellt sich die Frage, ob das Depot oder der Sparplan für die Kleinen in Eigenregie geführt oder im Namen des Kindes ein Konto eröffnet werden soll. In ersterem Fall behalten die Schenker die Hoheit über die Sparsumme. Dafür müssen sie auf die Erträge für die Sprösslinge auch Steuern zahlen, sollte der eigene Sparerfreibetrag von 801 Euro ausgeschöpft sein.

Das lässt sich vermeiden, sollte das Geld den Kindern auf eigene Konten überschrieben werden. Denn der Nachwuchs verfügt über eigene Freibeträge, und zwar nicht nur über den Sparerfreibetrag von 801 Euro, sondern auch einen Grundfreibetrag von rund 7700 Euro. Eltern, Großeltern oder Paten müssen sich allerdings darüber im Klaren sein, dass sie auf das den Kindern übertragene Vermögen nicht mehr ohne weiteres zugreifen können. Lediglich im Rahmen des elterlichen Sorgerechts dürfen Erziehungsberechtigte das Ersparte etwa für die Ausbildung ausgeben. Vorsichtige Schenker legen notariell beglaubigt fest, dass das Geld nicht für den teueren Sportwagen verwendet werden darf. Ein solches Konto oder Depot dürfen aber nur die Eltern eröffnen. Dabei müssen beide Erziehungsberechtigten unterschreiben. Einige Banken verlangen bei abweichenden Familiennamen zusätzlich die Heiratsurkunde. Ratsam ist auch, beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung zu beantragen und der Bank vorzulegen. Damit bleiben sämtliche Kapitalerträge von der Steuer verschont.

Damit aus dem Ersparten auch ein kleines Vermögen wird, bedarf es einer intelligenteren Anlage. Geht es um die Vorsorge, können Experten wenig Begeisterung auch für Ausbildungsversicherungen entwickeln. „Diese Produkte sind nicht nur unflexibel, sondern auch renditeschwach“, moniert Jörg Sahr, Geldanlage-Experte bei der Stiftung Warentest. Die Produkte seien nach dem Vorbild einer klassischen Kapitallebensversicherung gestrickt, mit der Besonderheit, dass der Begünstigte nicht der Ehepartner ist, sondern der Sohn oder die Tochter. „Allenfalls vier Prozent sind drin, und das vor Gebühren.“ Wer das Kind für den Fall absichern will, dass das Familienoberhaupt stirbt, schließt besser eine separate Risiko-Lebensversicherung ab und richtet zusätzlich einen renditestarken Sparplan ein.

Welcher Sparplan geeignet ist, hängt vor allem von der Dauer, aber auch der Risikotoleranz der Schenker oder aber der Einzahlungshöhe ab. Mit einem Anlagehorizont von 18 Jahren bieten sich Sparpläne auf Aktienfonds an. Denn Dividendenpapiere sind langfristig die lukrativste Anlageform. Mit einem der besten Deutschlandfonds, dem Fondak, ließ sich seit 1977 eine zweistellige Jahresrendite erwirtschaften. Der M&G Global Leaders warf seit Auflegung immerhin 7,3 Prozent ab und schlug damit auch den bei den Bundesbürgern den so beliebten DWS Vermögensbildung I um Längen. Allerdings wird die Rendite durch höhere Risiken erkauft. Gerade wenn das Geld gebraucht wird, laufen Sparer Gefahr, dass die Börsen schwächeln. Die Lösung: Entweder schichten Sparer das Geld rechtzeitig vor der Volljährigkeit in risikoärmere Produkte um. Oder sie investieren von Anfang an in gemischte Fonds, die aber allenfalls 6,5 Prozent pro Jahr erzielen. Infrage kommt etwa der ETF-Dachfonds von Veritas SG. Maßgeschneiderte Lösungen bieten Lebenszyklus-Fonds. Dabei verschiebt der Fondsmanager das Portfolio sukzessive in Richtung sichere Investments. Damit soll ausgeschlossen werden, dass ein Aktiencrash zum Schluss die Früchte des Anlageerfolges vernichtet.

Ganz sicherheitsbedachte Einzahler halten sich an Banksparpläne. Allerdings bieten die meisten nur einen geringen Zins und sind unflexibel. Am attraktivsten erscheint auf Sicht von 18 Jahren ein Produkt der Postbank und der Deutschen Bank (siehe Grafik). Hier müssen sich die Sparer fest binden, wer frühzeitig aus dem Vertrag aussteigt, muss hohe Strafzinsen zahlen. Für besonders flexible und sicherheitsbewusste Einzahler sind Tagesgeldkonten eine Alternative. Hier können die Einzahlraten variieren, etwa, wenn der Sprössling von den Großeltern zu Weihnachten Bares bekommt.

Quelle: Welt Online

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