Versicherten drohen höhere Kosten

Private Krankenkassen könnten voraussichtlich 2012 ihre Beiträge deutlich erhöhen

Berlin. Viele der rund 8,8 Millionen Privatversicherten müssen in den kommenden Jahren erneut mit deutlich höheren Beiträgen rechnen. Niedrige Zinsen infolge der Finanzkrise belasteten die Bilanzen der Krankenversicherungen, berichtete die "Financial Times Deutschland". Bereits dieses Jahr waren die Beiträge in einigen Tarifen um über 20 Prozent gestiegen.

Allein wegen der geringen Renditen seien mittelfristig Prämienerhöhungen von sechs bis acht Prozent nötig. Dazu kämen noch die normalen Beitragsanpassungen wegen der höheren Kosten für Ärzte, Kliniken und Arzneimittel. Höhere Beiträge wegen der Zinsen könnten frühestens zum Januar 2012 greifen - für das nächste Jahr seien die Sätze schon festgelegt. Ein Sprecher des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) nannte den Bericht "hoch spekulativ".

Bund der Versicherten wirft Branche bewusste Fehlkalkulation vor

Hintergrund für die möglichen Tariferhöhungen ist ein spezieller Zinssatz mit der Obergrenze von 3,5 Prozent. Zu diesem vom Bundesfinanzministerium festgelegten Satz müssen die mehr als 40 Privatversicherer die Rückstellungen für ihre Kunden verzinsen, die sie aus den Beitragseinnahmen für den Versicherungsschutz im Alter bilden müssen. Einige Krankenversicherer haben jedoch teilweise Probleme, einen so hohen Zinssatz am Finanzmarkt zu erhalten.

Unabhängig von der Verzinsung warf der Bund der Versicherten der Branche bewusste Fehlkalkulation vor. "Die Beiträge für die jungen Leute sind zu niedrig kalkuliert", sagte Berater Hajo Köster. Die oft nicht marktgerechten Prämien gingen zulasten der Altersrückstellungen und somit der Gemeinschaft der Privatversicherten.