Internetpranger für irreführende Lebensmittel

Verbraucherschutzministerin will Industrie stärker kontrollieren

Berlin. Mit einer Internetplattform will Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gegen falsche oder irreführende Kennzeichnung von Lebensmitteln vorgehen. Auf der Internetseite sollten Verbraucher künftig Produkte benennen können, die ihrer Meinung nach nicht das enthalten, was Aufmachung oder Angaben versprechen, sagte Aigner der "Bild am Sonntag". Verbraucherschützer sollten die Fälle dann prüfen und kommentieren, die Unternehmen könnten Stellungnahmen abgeben.

Produzenten dürfen Neuerungen nicht zur Täuschung missbrauchen

"Ich will den Dialog zwischen Verbrauchern und Wirtschaft ausbauen. Die Verbraucher müssen mit der Wahrheit bedient werden", sagte die Bundesministerin. Aigner mahnte die Lebensmittelproduzenten, technische Neuerungen nicht zur Täuschung zu missbrauchen. Klebeschinken oder Analogkäse seien Beispiele dafür.

Die Verbraucherzentrale Hessen soll bereits im Frühjahr im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums mit der Internetseite online gehen.

Vertreter der Lebensmittelbranche reagierten jedoch skeptisch auf die Pläne. Kai Falk vom Handelsverband Deutschland sagte der "Bild am Sonntag", es bestehe die Gefahr, dass "diese Plattform mehr Verunsicherung als Klarheit schafft". Zu den Plänen, auch solche Produkte ins Netz zu stellen, die zwar nach geltenden Vorschriften gekennzeichnet sind, aber von Käufern als irreführend empfunden werden, sagte Matthias Horst vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, dies könne einzelne Firmen und Produkte "zu Unrecht in Verruf bringen".

Vor Kurzem hatte der Chef der Verbraucherorganisation Foodwatch, Thilo Bode, Bundesverbraucherministerin Aigner vorgeworfen, beim Schutz der Konsumenten zu versagen. Die Politik wolle "nichts mehr gegen die Industrie entscheiden".