Star Alliance

Berüchtigte Air India wird Lufthansa-Partner

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Die Star Alliance nimmt Air India auf. Damit bekommt das weltgrößte Flugbündnis attraktive Verbindungen innerhalb Indiens. Doch Beschwerden über schlechten Service und verdreckte Kabinen sowie rote Zahlen kratzen am Image des künftigen Lufthansa-Partners.

Air India wird in das Flugbündnis Star Alliance aufgenommen. Das haben die Vorstandschefs der 19 Star-Gesellschaften auf ihren Jahrestreffen in Peking beschlossen. Glenn Tilton, Chef von United Airlines, sagte: „Indien ist seit langem auf dem Radar der Star Alliance; weil es eine der schnellsten wachsenden Volkswirtschaften und Flugmärkte der Welt ist.“ Durch die Vereinbarung mit Air India sei Star nun die erste Flugallianz, die ein festes Mitglied in Indien habe.


Vasudevan Thulasidas, Chef der Air India, zeigte sich nach der Entscheidung hoch erfreut. Neben der Erweiterung der Air-India-Flotte durch 100 neue Flugzeuge, werde die Star-Mitgliedschaft helfen, „die Kundenbedürfnisse in Indien viel besser zu erfüllen“.

Berichte über verdreckte Kabinen, kaputte Sicherheitsgurten und üblen Gerüche

Das scheint auch dringend nötig zu sein. Bei der staatlichen Air India häufen sich die Klagen von Reisenden wegen schnoddriger Behandlung und mangelhaftem Komfort. So strandeten kürzlich die Passagiere des Dubai-Fluges AI 747 spätabends auf dem Indira Gandhi-Airport von Neu Delhi, weil ihr Jumbojet kaputt war. Doch statt wie bei Lufthansa und der Star Alliance üblich, die über 400 Reisenden bis zum Weiterflug in ein Hotel einzuquartieren, kümmerte sich Air India nicht weiter um ihre Kunden – mit dem Ergebnis, dass diese die Nacht auf den Gängen des Flughafens verbringen mussten. Ein „Akt schikanöser Behandlung“, befand ein zuständiger Bezirksrichter wenige Tage später. Weshalb die Airline kurz darauf zur nachträglichen Zahlung von umgerechnet 260 Euro pro Passagier verdonnert wurde.

Wenig werbewirksam lesen sich auch die Internet-Berichte von Reisenden, die mit Air India geflogen sind. Die Klagen reichen von häufigen Verspätungen, verdreckten Kabinen, kaputten Sicherheitsgurten, nicht mehr verstellbaren Rückenlehnen der Sitze bis hin zu üblen Gerüchen in den Flugzeugen.

Angesprochen auf diese Beschwerden sagte ein Unternehmenssprecher lediglich, dass seine Gesellschaft diese ernst nehme, um den Kunden künftig „den größtmöglichen Komfort zu bieten“. Das wird nach Meinung von Fachleuten allerdings noch dauern. So hat die Gesellschaft in der Branche den Ruf eines „Bürokratenladens“, weil die Entscheidungsprozesse sehr langwierig sind und eine Vielzahl von Gremien mitreden wollen.

Finanzialle Probleme sorgen weiter für Turbulenzen

Zudem ist die Airline durch den jüngst beschlossenen Zusammenschluss mit dem früheren Konkurrenten Indian Airlines momentan sehr mit sich selbst beschäftigt –bislang mit wenig sichtbaren Ergebnissen für die Passagiere. Vor allem gibt es noch kein gemeinsames Reservierungssystem, wodurch Umsteigern die Suche nach geeigneten Anschlussflügen erschwert wird. Erst Mitte 2009 soll es nach Auskunft eines Firmensprechers voraussichtlich eine einheitliche Buchungsplattform geben.

Hinzu kommen finanzielle Probleme. So flog Air India im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von 76,5 Mio. Euro ein. Als Gründe nannte die Firmenzentrale in Bombay hohe Kerosinkosten, nachträgliche Auszahlungen von Zulagen für Beschäftigte und sinkende Erträge wegen des Wettbewerbs.

Für die Star Alliance ist Air India vor allem wegen des dichten Inlandsnetzwerks interessant, das Transitpassagieren nahtloses Reisen ermöglicht. Unter dem Strich hat sich das weltgrößte Flugbündnis mit ihrem neuen Partner aber vermutlich eher einen Sanierungsfall eingehandelt.

Quelle: Welt Online