Hoher Spritpreis

Die ganz große Abzocke mit den Billig-Tankkarten

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Für nur 80 Cent pro Liter kann man als Besitzer einer Rabatt-Karte Benzin oder Diesel tanken. So das Versprechen. Eingehalten wird es nicht, denn hinter solchen Angeboten steckt oftmals ein Schneeballsystem zum Vertrieb teurer Mitgliedsabos. Der ADAC warnt ausdrücklich vor Sprit-Angeboten mit Vorkasse.

Benzin und Diesel für 80 Cent pro Liter. Das Angebot erregt Aufmerksamkeit und scheint verlockend in Zeiten ständig steigender Kraftstoffpreise. Für nur zwölf Euro Anmeldegebühr verspricht die Firma Silverspoon & Partner mit ihrer Cheap-Fuel-Card drei Jahre lang bis zu 46 Prozent günstigeren Treibstoff an vielen Tankstellen. Etwas von ihrem Reiz verliert die Offerte jedoch schon beim genauen Blick auf die Internetadresse des Anbieters. Denn in die Gegend, in der die Endung der Internetseite www.billigtanken.cc vergeben wird, hat es die meisten Autofahrer noch nicht verschlagen. Sie steht für die Kokosinseln im Indischen Ozean, und das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Panama.

Der ADAC warnt ausdrücklich davor, auf solche oder ähnliche Angebote einzugehen. „Der Kunde wird das billige Benzin nicht zu sehen bekommen“, sagt Katharina Bauer vom ADAC. Wer die Anmeldegebühr bezahle, sei um zwölf Euro ärmer, ohne einen Cent günstiger tanken zu können.


Das Billigbenzin-Versprechen klingt so einfach wie dubios: Statt selbst für billigen Sprit ins Ausland zu fahren, wird der Treibstoff angeblich zu einem günstigen Preis an eine Tankstelle nach Wahl geliefert. Dort sollen dann beliebig oft am Tag bis zu 72 Liter in zwei vorher angegebene Fahrzeuge gefüllt werden können. Der Haken: Auf der Internetseite heißt es, dass die Gesetzentwürfe, die zur Einfuhr des günstigen Benzins für Privatpersonen nötig sind, noch ausgearbeitet werden müssten. Eine rechtliche Grundlage gibt es also nach eigener Aussage des Anbieters nicht. „Es geht nur darum, das Geld abzuzocken“, sagt Bauer.


Doch das Unternehmen trifft einige Vorkehrungen, um sich eventuelle Klagen von wütenden Autofahrern vom Hals zu halten. So ist auf der Internetseite zu lesen, dass die beworbene Ermäßigung nur dann zustande kommt, wenn sich genügend Interessierte finden und die Anmeldegebühr zahlen. „Die zwölf Euro in Panama einzuklagen dürfte allerdings schwierig werden“, sagt Bauer.

Doch das Unternehmen mit Sitz in Panama ist bei Weitem nicht das einzige, das mit den Sorgen um hohe Benzinpreise abkassieren will. Ein weiteres schwarzes Schaf ist der Herausgeber der sogenannten MCS-Card. Das Unternehmen bezeichnet sich als „größter Tankkosten-Rückerstatter Deutschlands“. Wer Mitglied werden will, muss einen persönlichen Termin mit einem Berater vereinbaren. Bei dem Gespräch kommt dann die große Überraschung: Der Kunde muss eine Jahresgebühr von 128 Euro zahlen und zwei weitere Kunden werben. „Es geht dem Unternehmen also nicht um die Rückerstattung von Tankkosten, sondern um den Vertrieb der Karte“, sagt Silvia Schattenkirchner, Verbraucherexpertin beim ADAC. Wer dann ein Jahr lang seine Quittungen von bestimmten Tankstellen sammelt und bei der Firma einreicht, soll angeblich einen Teil der Tankkosten zurückbekommen. „Uns ist jedoch kein Fall bekannt, bei dem jemand eine Erstattung bekommen hat“, sagt Schattenkirchner.

Nach demselben Schneeballsystem arbeitet auch die sogenannte IG Billigsprit. Dass die Verantwortlichen von der gleichen Sindelfinger Adresse wie die Herausgeber der MCS-Card agieren, dürfte deshalb wohl kaum Zufall sein. Doch wer wirklich sparen will, sollte dem ADAC zufolge einen großen Bogen um Angebote mit Vorauszahlungen machen. „Dahinter verbergen sich keine Vergünstigungen für Benzin“, sagt Bauer, „dahinter verbergen sich meist Betrüger.“

Quelle: Welt Online