Taschengeld-Studie

Kinder haben so große Wirtschaftsmacht wie nie

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Der Nachwuchs besitzt ein Finanzpolster von knapp sechs Milliarden Euro. Ihr Taschengeld stecken sie immer seltener in Süßigkeiten. Mädchen investieren es vor allem in Kleidung, Jungs ins Fahrrad und in Computerspiele. Mobiltelefone mögen beide. Und es wird kräftig gespart.

Kinder in Deutschland haben mehr Geld in der Tasche als je zuvor. Den Sechs- bis 13-Jährigen stehen der Kids-Verbraucher-Analyse 2007 zufolge durchschnittlich 1126 Euro zur Verfügung und damit 120 Euro mehr als im Vorjahr. Das Finanzpolster beläuft sich insgesamt auf 5,76 Mrd. Euro. Befragt wurden 1588 Kinder und ihre Eltern. "Die Kinder haben so viel Geld und so viel Freiräume wie noch nie", sagt Ralf Bauer, Leiter der Markt- und Medienforschung bei Egmont Ehapa. "Es wird noch mehr in die Kinder investiert."

Während die Sechs- bis Neunjährigen knapp 15 Euro monatlich zur Verfügung haben, könnten die Zehn- bis 13-Jährigen mit knapp 30 Euro schon das Doppelte ausgeben. Ganz oben auf der täglichen Wunschliste stehen zwar nach wie vor Süßigkeiten, Kekse und Eis. Dennoch: Der Nachwuchs lebt gesundheitsbewusster. Wurden 2006 noch 61 Prozent des für Süßes ausgegeben, sind es heute nur 57 Prozent. Bei den Getränken steht schon lange nicht mehr nur Limo auf dem Programm. 71 Prozent löschen ihren Durst lieber mit Mineralwasser, Fruchtsäften und Milch.

Die meisten Kinder sparen

Deutsche sind ein Volk der Sparer. Das gilt schon für die Kinder. Üppige Geldgeschenke werden nur zum Teil sofort ausgegeben. Durchschnittlich erhalten Kinder zum Geburtstag 73 Euro und zu Weihnachten 78 Euro. Selbst Ostern gibt es 17 Euro. 24 Prozent der Kinder und Jugendlichen sparen das erhaltene Geld komplett, 60 Prozent zumindest einen Teil davon, um sich später größere Wünsche erfüllen zu können. Lagen 2006 noch 615 Euro auf dem Konto der Sechs- bis 13-Jährigen, sind es nun schon 692 Euro verfügbares Guthaben. Mädchen kaufen sich vor allem Kleidung und Schuhe, Jungs hingegen investieren in ihr Fahrrad und Computerspiele. Überall steht das Mobiltelefon hoch im Kurs. Die Kosten für das eigene Handy belaufen sich monatlich im Schnitt auf 26 Euro, was sich auf 312 Euro im Jahr addiert. Das sind 15 Euro mehr als vor zwei Jahren. Schon mehr als zwei Millionen Kinder sind heute mobil erreichbar.

Kinder als Kaufberater

Auch die Kleidung schlägt im Familienetat immer stärker zubuche. Mit 320 Euro haben Eltern im vergangenen Jahr fünf Euro mehr als 2005 ausgegeben. Dabei wünschen sich der Studie zufolge die Kinder vor allem Markenware. Aus Angst vor Fehlkäufen, werden die Kinder dabei immer mehr zum elterlichen Kaufberater. "Den Satz: 'Das ist uncool!' wollen sich viele Eltern einfach ersparen", sagt Bauer. Deshalb erkundigen sie sich lieber vorab nach den Spielzeug- und Kleidungswünschen und gehen gezielt einkaufen. 70 Prozent der Kinder bestimmen ebenfalls mit, wohin die nächste Urlaubsreise gehen soll.

Die gedruckten Medien bleiben im digitalen Zeitalter attraktiv. 150.000 zusätzliche junge Leser verzeichnet Ehapa bei 40 untersuchten Kinder-Kaufzeitschriften. Trotzdem surfen erstmals mehr als die Hälfte der 5,76 Millionen Kinder in der Zielgruppe im Internet. 17 Prozent besitzen ein eigenes Laptop oder einen PC, 48 Prozent dürfen ein Gerät mitbenutzen. Bauer: "Eltern konfrontieren ihre Kinder mit der Wirklichkeit, wollen sie aber auch schützen."

Quelle: Welt Online