Mobilfunkmesse Barcelona

Nokias neue Strategie führt weg vom Handy

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Thomas Heuzeroth

Foto: AS / REUTERS

Einfach nur Handys herstellen, reicht Nokia nicht mehr. Der finnische Konzern wird zunehmend zum Inhalteanbieter für das mobile Internet. Ob Musik-Shop, Navigationssoftware, Betriebssystem oder der Verkauf von Werbeflächen – Nokia macht sich mit den neuen Angeboten viele Gegner.

Der Handyhersteller Nokia wird zunehmend zu einem aggressiven Herausforderer im mobilen Internet. Zum Auftakt der weltgrößten Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona kündigte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo eine Reihe neuer Dienste und Geräte an. Den Schwerpunkt legt der finnische Konzern auf und Multimedia-Angebote. Allein in diesem Jahr will Nokia 35 Mio. Handys mit GPS-Satellitennavigation ausstatten.


Große Hoffnung setzt Kallasvuo dabei auf die Fußgänger-Navigation. Im Gegensatz zu den bisherigen Angeboten will Nokia künftig auch Gehwege und Abkürzungen durch Parkanlagen in seinem Navigationsdienst berücksichtigen. Sogar Stadtführer, aktuelle Verkehrsinformationen und Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs sollen erhältlich sein. Die bisherige Maps-Software von Nokia wird mit Satellitenfotos erweitert.


Navigation ist ein Bestandteil des Multimedia-Portals Ovi (finnisch: Tür), das von dem Unternehmen bereits im vergangenen Herbst angekündigt wurde. Allerdings kam es bei der Umsetzung immer wieder zu Verzögerungen. So ist der Musik-Shop, mit dem die Finnen Apples iTunes Konkurrenz machen wollen, nur in Großbritannien an den Start gegangen. Deutschland soll mit neun weiteren Ländern den Angaben zufolge bis Mitte des Jahres folgen. "Bei einem Musikangebot hat man mit mehreren Schwierigkeiten zu kämpfen", begründete der Nokia-Chef für Multimediadienste, Niklas Savander, auf WELT ONLINE die Verspätung. Dazu gehörten Rechte- und Kopierschutz-Verhandlungen und die Integration von lokaler Musik in einzelnen Ländern.

Nokia will künftig Handys mit einer Musik-Flatrate verkaufen. Nutzer können dann ein Jahr lang so viele Lieder aus dem Internet laden wie sie wollen und diese Musik später auch behalten. Allerdings gibt es dafür erst eine Vereinbarung mit Universal Music. "Wir sprechen derzeit noch mit den anderen Anbietern", sagte Savander.

Nokia tritt mit seinen neuen Diensten zum ersten Mal in direkte Konkurrenz mit den Mobilfunkanbietern, die ihrerseits Musik verkaufen wollen. Tatsächlich laufen hinter den Kulissen Machtkämpfe über künftige Strategien und Geschäftsmodelle. Überlassen Vodafone, T-Mobile und Co. den Geräteherstellern das Feld, können sie in Zukunft nur noch mit der Durchleitung von Daten Geld verdienen. Dort sind die Wachstumskurven jedoch weniger steil.

Inzwischen laufen die Konfliktlinien quer durch die gesamte Branche. Dabei sind Konkurrenten zugleich Partner. So läuft das mobile Internetportal "Yahoo Go" auf vielen Nokia-Handys. Am Montag aber stellte Nokia einen Internetdienst zum Austausch von Fotos, Videos und anderen Dateien vor, der für die Yahoo-Tochter Flickr eine direkte Konkurrenz ist.

Beim neuen Angebot "Share on Ovi" können Nutzer vom Handy und PC so viele Dateien im Ovi-Portal speichern und für Freunde zugänglich machen, wie sie wollen. Werden die Fotos mit GPS-Handys aufgenommen, lassen sich zugleich die Positionsdaten übertragen. Experten nennen das "Geotagging".

Auch Google dringt in den Markt vor. Der Internet-Konzern hat mit 33 namhaften Partnern eine Allianz zur Entwicklung eines Handybetriebssystems namens "Android" gebildet. Absicht ist, mit Werbung ungehindert Zugang zum Handydisplay zu haben. Nokia hat nun zur Abwehr ein Werbe-Netzwerk ins Leben gerufen.

Quelle: Welt Online

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