Energiekosten

Dell attackiert Strom-Sparkönig Apple

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Lars Winckler

Er galt bislang als ungekrönter Strom-Sparkönig: der "Mac Mini" von Apple. Doch nun rüsten andere Hersteller auf: Dell attackiert den Erzrivalen mit supereffizienten "Studio Hybrid"-Computern, Asus bastelt an einer günstigen "Eee Box". Verbraucher sparen mit den neuen Modellen bis zu 70 Euro im Jahr an Stromkosten.


Jahrelang galt für Computerhersteller nur „Leistung, Leistung, Leistung“. Doch dieses Leitbild ist ins Wanken geraten. Denn Leistung kostet Strom, und die Energiepreise sind zuletzt durch die Decke gegangen. Seit 2000 ist der Strompreis für Privatverbraucher um 54 Prozent gestiegen. Rund 21,5 Cent kostet die Kilowattstunde heute im Bundesdurchschnitt, so der Branchendienst Verivox.

Nun entwickeln die Hersteller verstärkt stromsparende Modelle – und bedienen sich dabei einer Gerätegattung, bei der es schon immer auf Effizienz ankam: Notebooks. Dort sind Prozessoren und Chipsätze auf Sparsamkeit getrimmt, die Festplatte ist mit 2,5 Zoll kleiner und genügsamer als das 3,5-Zoll-Pendant bei herkömmlichen Computern. Vor allem aber kommen Notebooks in der Regel ohne Grafikarten aus. Genau diese Möglichkeiten nutzen die Hersteller jetzt für die neuen Desktop-Modelle.

Seit Dienstag verkauft Dell die „Studio Hybrids“ ab 469 Euro. Sie sind nicht nur beträchtlich kleiner als herkömmliche Computer, sondern sollen rund 70 Prozent weniger Strom verbrauchen. Das Netzteil der „Studio Hybrids“ ist auf ein Maximum von 65 Watt ausgelegt – im Alltagsbetrieb wird der Verbrauch deutlich darunter liegen, verspricht Dell.

Zum Vergleich: Der etwa zweieinhalb Jahre alte Aldi-PC „Medion MD 8800“ nimmt im Normalbetrieb rund 145 Watt auf. Anspruchsvolle Anwendungen wie etwa 3D-Spiele treiben den Verbrauch auf 240 Watt, das Netzteil liefert theoretisch gar bis zu 400 Watt.

Angriff auf den "Mac Mini"

Dell eifert mit den „Studio Hybrids“ dem „Mac Mini“ von Apple nach. Dieser gilt seit rund drei Jahren als ungekrönter Sparkönig. Durchschnittlicher Stromverbrauch: rund 20 Watt, unter starker Beanspruchung etwa 41 Watt. Hinzu kommt wie bei Dell der Verbrauch des Monitors: Flachbildschirme nehmen etwa 30 bis 40 Watt auf, alte Röhrenmonitore sind deutlich verschwenderischer.

Erfreulich ist, dass Verbraucher trotz des niedrigen Stromverbrauchs sowohl bei Dell auch bei Apple kaum auf Leistung verzichten müssen. Beide Hersteller verwenden schnelle "Core 2 Duo"-Prozessoren von Intel. Dells Rechner können mit bis zu vier Gigabyte Arbeitsspeicher bestellt werden, der "Mac Mini" mit bis zu zwei Gigabyte. Das ist für nahezu alle Anwendungen ausreichend, die Unterschiede zu einem High-End-PC sind marginal. Ausnahme: 3D-Spiele, professionelle Videobearbeitung oder CAD-Software für Ingenieure. Dort müssen in der Regel Grafikkarten eingesetzt werden, die den Stromverbrauch in die Höhe treiben.

Neben Dell und Apple tüfteln viele kleinere Hersteller an Stromspar-Lösungen. Das deutsche Unternehmen PC Green hat mit dem „Green PC“ ein Modell im Angebot, das durchschnittlich rund 39 Watt verbrauchen soll. Zum Einsatz kommt zwar ein etwas weniger leistungsfähiger Prozessor („Athlon64 X2 4850e“), dafür ist der PC mit 375 Euro recht günstig.

Der Zwei-Watt-PC soll kommen

Radikaler sind Asus und CherryPal. Sie setzen auf weniger leistungsfähige Bauteile, um den Stromverbrauch zu senken. Asus nutzt für den „Eee Box“-PC den Atom-Chip von Intel, um den Verbrauch auf rund 20 Watt zu drücken. Dieser Chip wurde eigentlich für Mini-Notebooks („Netbooks“) entwickelt, die zum Surfen im Internet gedacht sind. Die „Eee Box“ wird in den kommenden Wochen auf den Markt kommen, der Preis steht noch nicht fest.

Nach der Stromspar-Krone greift der „CherryPal C100“. Er soll lediglich zwei Watt verbrauchen, erkämpft sich dies mit erheblichen Leistungseinschränkungen. Der Prozessor ist ein schwacher „Freescale’s MPC5121e“, als Arbeitsspeicher stehen lediglich 256 Megabyte zur Verfügung. Beides ist zuwenig, um das Betriebssystem Windows Vista zu nutzen. Deswegen kommt eine Linux-Version zum Einsatz. Sowohl der „CherryPal C100“ als auch die „Eee Box“ taugen demnach wohl nur als Zweit-PC zum Internet-Surfen.

Im Geldbeutel machen sich die Stromspar-PCs stark bemerkbar. Nach Berechnungen der Deutschen Energie-Agentur verbraucht ein High-End-PC mit sehr leistungsfähigen Komponenten ohne Monitor etwa 295 Watt. Bei vier Betriebsstunden pro Tag und 335 Betriebstagen pro Jahr ergeben sich von 79 Euro. Ein genügsamer Computer kommt auf bis zu 75 Watt, was einer Stromrechnung von 20 Euro entspricht. Die genannten Modelle von Dell, Apple und CherryPal sind allerdings deutlich sparsamer.

Geschlagen werden sie nur noch von Notebooks. Dort liegt der Verbrauch meist um 30 Watt, was einer jährlichen Stromrechnung von gerade einmal acht Euro entspricht. Generell gilt: „Notebooks sind energieeffizienter als ein PC mit vergleichbarer Ausstattung samt Monitor“, sagt Annegret Agricola von der Deutschen Energie-Agentur. Allerdings müssen sich Verbraucher bei mit einer fummeligen Tastatur und vergleichsweise kleinen Bildschirmen begnügen.

Eine Übersicht über den Stromverbrauch von einzelnen Computern bietet die Deutsche Energie-Agentur hier.

Quelle: Welt Online

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