Hamburger Handwerk setzt auf Einwanderer

Kammer will mit einem neuen Modellprojekt den Fachkräftemangel bekämpfen

Hamburg. Angesichts eines immer größeren Fachkräftemangels will die Hamburger Handwerkskammer mehr Einwanderer fit machen für die Arbeit in den Betrieben. "Wir verlieren in jedem Jahr 2500 qualifizierte Mitarbeiter, weil 5000 Beschäftigte aus Altersgründen ausscheiden, aber nur halb so viele junge Gesellen nachrücken", sagte der Leiter der Weiterbildungsstätte Elbcampus, Heinrich Rabeling, gestern in Harburg. Vor diesem Hintergrund könnten es sich die Betriebe nicht länger leisten, auf das große Potenzial von Menschen aus Zuwandererfamilien zu verzichten. "Um möglichst rasch einsatzfähige Arbeitskräfte zu erhalten, setzen wir bei den Erwachsenen an", so Rabeling weiter.

Zusätzliche Qualifizierung für Einwanderer ohne Berufsabschluss

Die Kammer hat daher das Modellprojekt Nachqualifizierung im Handwerk gestartet, das sich insbesondere an Einwanderer über 25 Jahre richtet, die über keinen Berufsabschluss verfügen oder deren im Ausland erworbener Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wird. Ihnen bietet die Weiterbildungsstätte Elbcampus nun spezielle, fachspezifische Vorbereitungs- und Sprachkurse sowie Kurzausbildungen zu Berufen im Gesundheitswesen, zum Schweißpraktiker und zur Fachkraft Glasfaserverstärkter Kunststoff an, die unter anderem bei der Reparatur und Fertigung von Windkraftanlagen zum Einsatz kommt.

Die gebürtige Marokkanerin Aziza Lhairech, 45, gehört derzeit zu den ersten Teilnehmerinnen, die sich im Elbcampus zur sogenannten Serviceassistentin im Gesundheitswesen ausbilden lassen. Diese Fachkräfte sind unter anderem für die Essensverteilung im Krankenhaus und für Patiententransporte zuständig und werden vor allem von großen Kliniken gesucht.

Für die dreifache Mutter ist diese Ausbildung eine Chance, nach zwölf Jahren als Hausfrau endlich wieder berufstätig zu sein. "In meinem eigentlichen Beruf als Lehrerin kann ich nicht mehr arbeiten, weil mein Abschluss aus Marokko in Deutschland nicht anerkannt wird", sagt Lhairech, die 1999 in die Bundesrepublik kam. Zudem sei es nach einer so langen Auszeit schwierig, in ihrem ursprünglichen Beruf noch einmal Fuß zu fassen.

In ihrem ersten Vorbereitungskurs für die neue Arbeit im Krankenhaus ging es für die zurückhaltende Frau zunächst einmal ans Vokabelpauken. "Ich musste erst einmal Fachbegriffe wie Operationssaal oder Sterilisation lernen", erzählt Aziza Lhairech.

Nach dieser Vorbereitungsphase schließt sich jetzt eine knapp dreimonatige Fachausbildung an, die auch ein Praktikum in einer Klinik beinhaltet. Besteht sie die abschließende Prüfung, rechnet die angehende Servicekraft mit einem Verdienst von rund 1300 Euro brutto bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 30 Stunden.

"Die Teilnehmer dieses Kurses haben gute Chancen, von uns eingestellt zu werden", sagt Simone Hamann, die beim Klinikbetreiber Asklepios für den Einsatz der Servicekräfte in den Häusern Altona und St. Georg zuständig ist. "Früher wurden für einfache Tätigkeiten im Krankenhaus ungelernte Kräfte angestellt", so Hamann. Doch dies sei heute aufgrund gestiegener Anforderungen an die Hygiene und wegen der immer komplizierteren Technik kaum mehr denkbar.

Kurse werden direkt auf den Bedarf der Betriebe abgestimmt

Die Kurse für die Servicekräfte im Gesundheitswesen wurden in enger Zusammenarbeit mit Asklepios entwickelt, um Mitarbeiter gezielt für die Bedürfnisse der Arbeitgeber qualifizieren zu können. "Wenn es Bedarf in anderen Bereichen wie dem Hafen gibt, dann können wir künftig auch andere Kurse etwa für Containerschlosser anbieten", sagt die Projektleiterin Canan Yildirim. Bei der Handwerkskammer haben bereits mehrere Betriebe Bedarf an speziell geschulten Kräften angemeldet. So suchen auch Unternehmen aus der Sanitär- und Heizungstechnik derzeit händeringend nach zusätzlichen Fachkräften.