Hapag-Lloyd gibt die Staatsbürgschaft zurück

Reederei will millionenschwere Anleihe platzieren. TUI stockt den eigenen Anteil auf

Hamburg/Hannover. Hamburgs Traditionsreederei Hapag-Lloyd geht einen weiteren Schritt auf dem Weg aus der Krise. Mit dem Aufschwung in der internationalen Schifffahrt im Rücken verzichtet das Unternehmen künftig auf die 1,2 Milliarden Euro schwere Bürgschaft des Bundes. Ein Ausschuss des Aufsichtsrats gab jetzt grünes Licht für die Rückgabe der Hilfe. Dazu soll eine Anleihe platziert und eine neue Kreditlinie bei mehreren Banken aufgenommen werden, teilte Europas größter Reisekonzern TUI gestern mit. Grundsätzlich hatte der Hapag-Lloyd-Aufsichtsrat dieser Neuordnung bereits Ende August zugestimmt. Sprecher von Hapag-Lloyd und TUI, die zu 43,3 Prozent an der Reederei beteiligt ist, wollten sich gestern nicht weiter äußern. Auch ein Sprecher des Hamburger Konsortiums Albert Ballin, dem 56,7 Prozent der Reederei gehören, kommentierte die Entwicklung nicht.

Die TUI erhält über eine Kapitalerhöhung neue Aktien

Nach der Rückgabe der Bürgschaft muss die Reederei wieder alle ihre Kredite bedienen. Hapag-Lloyd hatte die Absicherung zwar nicht in Anspruch genommen, musste aber für die Bereitstellung eine zweistellige Millionensumme pro Jahr aufbringen. Diese Summe lässt sich nun sparen. Bei der Anleihe, die unter anderem von der Deutschen Bank begleitet werden soll, wird ein Volumen von 500 Millionen Dollar angestrebt. Ihre Platzierung hat bereits begonnen.

Gleichzeitig mit der Neuordnung der Finanzierung wurde vereinbart, wie Hapag-Lloyd künftig die von der TUI bereitgestellten Darlehen über mehr als 1,3 Milliarden Euro bedienen wird. So erwartet die TUI noch im Oktober 65 Millionen Euro an gestundeten Zinszahlungen zurück und geht zudem von der kurzfristigen Rückzahlung eines Überbrückungskredits von 227 Millionen Euro aus.

Verändern werden sich die Eigentumsverhältnisse bei der Reederei durch die Umwandlung eines TUI-Darlehens von 350 Millionen Euro in Eigenkapital bis spätestens Ende 2010. Die Aktien für die TUI stammen aber nicht von den Gesellschaftern des Konsortiums, sondern werden neu ausgegeben und gehen dann an den Konzern aus Hannover. Danach wird die TUI 49,8 Prozent halten, das Konsortium nur noch 50,2 Prozent. Die Eigentumsverhältnisse im Konsortium, dessen wichtigste Mitglieder die Stadt Hamburg und der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne sind, ändern sich durch die Kapitalerhöhung nicht.

Auch die Strategie des Reisekonzerns, der sich von der Hamburger Reederei trennen will, bleibt die gleiche. "Die TUI strebt unverändert eine bestmögliche Verwertung ihres Investments in Hapag-Lloyd an und wird weiterhin alle Optionen für einen Ausstieg aus der Containerschifffahrt prüfen", teilte der Konzern weiter mit.

Mit dem Geld für Hapag-Lloyd könnte die TUI ihre Touristik stärken

Klar ist: Die TUI profitiert nicht nur von den nun wieder fließenden Zinsen und der Tilgung, sondern auch davon, dass sie künftig einen höheren Anteil hält. Er ließe sich leichter veräußern, weil einem möglichen Investor nur noch 0,3 Prozent für eine Mehrheit fehlen würden. Möglich neben einem Verkauf, bei dem das Konsortium aber ein Vorkaufsrecht hätte, wäre auch ein Börsengang. Nach Informationen des Abendblatts sind derzeit vor allem die Stadt und Kühne daran interessiert, "möglichst viele Hapag-Lloyd-Anteile von der TUI zu übernehmen".

Für die TUI steht der Verkauf von Hapag-Lloyd am Anfang eines Weges zu einem reinen Touristikkonzern. "Der Schlüssel zur Weiterentwicklung der Touristik liegt bei der Veräußerung von Hapag-Lloyd", so das Credo von TUI-Chef Michael Frenzel. Der Kurs der Aktie profitierte gestern von der Neuordnung der Milliardenschulden und stieg gegen den Trend beim DAX leicht an.

Hapag-Lloyd wird nun vom gestärkten Eigenkapital profitieren, das die Bewertung durch Ratingagenturen beeinflusst und die Konditionen für die Anleihe und die Kreditvereinbarungen verbessern könnte. Endgültig ohne Staatshilfe dürfte die Krise für die Reederei Geschichte sein.