Immobilienmakler

Häuser beim Discounter viel billiger kaufen

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Norbert Schwaldt

Foto: Heinrich PR Consultants / DDP

Bisher werden beim Hausverkauf erhebliche Provisionen für den Makler fällig, die der Käufer übernehmen muss. Üblich sind fünf bis sieben Prozent des Kaufpreises. Das summiert sich schnell auf einige Zehntausend Euro. Nun verlangt eine Maklerfirma nur noch eine Pauschale von 995 Euro. Die Konkurrenz ist verärgert.

Unter den Immobilienmaklern in Deutschland herrscht bereits heute harter Wettbewerb. Jetzt könnte er noch schärfer werden. Das Unternehmen iMakler aus Bad Soden am Taunus will statt der üblichen Provision eine verhältnismäßig niedrige Pauschale für das Vermitteln einer Immobilie verlangen. Für den Verkauf eines Objekts soll nur noch ein Festpreis von 995 Euro gezahlt werden - und zwar vom bisherigen Eigentümer. Der, so die Idee, profitiert davon, dass der Käufer das Geld, das er nicht in die Courtage steckt, zusätzlich für die Immobilie aufwenden kann.

Damit stellt iMakler die Verhältnisse auf den Kopf. In den meisten Bundesländern ist es üblich, dass der Käufer die Provision trägt. Zudem ist diese in der Regel abhängig vom Kaufpreis - üblich sind zwischen fünf und sieben Prozent. Bei einem Einfamilienhaus in München beispielsweise waren bislang bei einem Preis von 450.000 Euro 32.000 Euro Provision fällig, rechnen die iMakler vor. Bei einem Festpreis von 1000 Euro ergebe sich bei ihrem Modell eine Ersparnis um die 30.000 Euro. Beim Eigentümerwechsel einer Wohnung in Frankfurt/Main im Wert von 220.000 Euro liege die Ersparnis bei fast 13.000 Euro.

iMakler bietet seine Dienste bundesweit an

Viele Freunde wird iMakler-Chef Harald Blumenauer, 55, unter den 30.000 Maklern in Deutschland in nächster Zeit damit wohl nicht finden. Im Gegenteil. Sie dürften sogar versuchen, dem Discount-Anbieter das Leben schwer zu machen. Da stellt sich die Frage, wie die iMakler, die jetzt mit 20 festen und 50 freien Mitarbeitern ihre Dienste bundesweit anbieten wollen, auf ihre Kosten kommen wollen. Immobilienportale würden eine Vorauswahl der Kaufinteressenten schaffen, wodurch sich der Aufwand für den Makler verringere, sagt Blumenauer. Verkäufer, Käufer, Sachverständige und Makler könnten alle Informationen über das Portal der Firma beziehen.


"Die angemessene Darstellung der Objekte erspart unnötige Besichtigungen und Enttäuschungen", sagt er. Die Pauschale habe den Vorteil, dass der Verkäufer nicht mit Wunschpreisen des Maklers an den Markt gehe, behauptet Blumenauer. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit des Verkaufs. "Wir haben uns die Frage, ob Mehrwert und Kosten eines Immobilienmaklers noch stimmig sind, für uns mit einem klaren Nein beantwortet." Blumenauer weiß, dass er die Branche provoziert. Die ist zersplittert, lebt von den Provisionen oft mehr schlecht als recht.

Maklerpauschalen waren bislang auch im Ausland weitgehend unbekannt. Aber in den Niederlanden hat die Firma Makelaarsland den Markt aufgemischt und soll mit ihrem Discount-Angebot in den vergangenen zwei Jahren zum größter Makler aufgestiegen sein. Makelaarsland ist neben dem Baufinanzierer Interhyp Gesellschafter bei Blumenauers Firma. Für 995 Euro ist wohl keine adäquate und umfassende Beratung und Vermarktung zu erwarten", kritisiert Daniel Görs vom Online-Portal Immonet.de.


Ein guter Makler sei immer sein Geld wert. "Wie bei jeder Art von Pauschalen sind die entscheidenden Fragen, was für konkrete Dienstleistungen im Paket enthalten sind - und welche Qualität diese aufweisen. Gerade bei Kaufobjekten muss bezweifelt werden, dass hierbei immer eine optimale, sprich: kombinierte Vermarktung sowohl im Internet als auch in Zeitungen gewährleistet ist."

Mitbewerber kritisieren das neue Angebot

"Auf den ersten Blick ist das ein interessanter Ansatz", sagt dagegen Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbandes Deutschland (IVD). Die Offerte biete aber keine umfangreiche Maklerleistung. "Dieses Angebot könnte jede Werbeagentur in Deutschland unterbreiten, es scheint ein guter Marketingansatz für Werbefirmen zu sein." Immobilien seien kein Massenprodukt, für das es eine Gebrauchsanweisung gebe, sagt Schick. "Jede Immobilie ist in Sachen Lage, Zustand, bauliche Ausstattung, Grad der Abnutzung und Erneuerungsbedarf ein Einzelfall. Daher sind auch alle Fragen rund um diese Immobilie ganz individuell." Und genau diese Fragen seien das Tagesgeschäft des Maklers.

Quelle: Welt Online

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