Touristik

Tui-Aufseher beraten über neue Geschäftschancen

Die Deutschen sind immer noch Reiseweltmeister – aber sie schauen verstärkt auf den Preis. Branchenführer Tui lotet Möglichkeiten zum Ausbau des Geschäfts aus. Am Donnerstag berät der Aufsichtsrat über die künftige Strategie.

Hannover. Tui-Chef Michael Frenzel ist zu seiner Ursprungsidee zurückgekehrt – einen reinen Touristikkonzern zu schaffen. Nach mehreren Strategieschwenks soll die Beteiligung an der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd möglichst bald abgestoßen werden. Im Reisegeschäft will die Tui expandieren: Wie – darüber diskutiert am Donnerstag der Tui-Aufsichtsrat in Hannover.

Mit organisiertem Urlaub Geld zu verdienen, ist dabei nicht gerade leichter geworden. Die Renditen dümpeln auf geringem Niveau dahin. Viele Kunden sind durch die Wirtschaftskrise verunsichert, die Urlaubsbudgets oft geschrumpft. Die Leute halten ihr Geld zusammen und gehen auf Jagd nach Rabatten und Last-Minute-Schnäppchen. Der Kunde sei „sehr preissensibel“, heißt es bei den Anbietern.

In Deutschland hat Tui bereits einen Marktanteil von über 20 Prozent beim Verkauf von organisierten Reisen. Gemeinsam mit den anderen europäischen Tui-Gesellschaften ist der Konzern europa- und weltweit Marktführer. Das Pauschalreisegeschäft war vor drei Jahren nach einer Fusion mit dem britischen Anbieter First Choice zur Tui Travel nach London ausgelagert worden – knapp die Hälfte der Anteile wurde verkauft. Ein Rückkauf ist eine der Optionen für die Expansion.

Schon vor zwei Jahren nach dem Mehrheitsverkauf der Hapag-Lloyd hatte der Aufsichtsrat den Auftrag erteilt, Möglichkeiten zum Ausbau des touristischen Geschäfts auszuloten. Doch die Tui musste das Geld in die Rettung der Reederei stecken, die durch die Wirtschaftskrise mit dem deutlich geschrumpften Welthandel an den Rand des Ruins geraten war. 43,3 Prozent blieben bei Tui – sonst wäre das Projekt geplatzt.

Jetzt aber geht es wieder aufwärts mit der Containerschifffahrt. Die Reederei erzielte von April bis Juni beim operativen Ergebnis den höchsten Quartalsgewinn ihrer Geschichte. Beobachter sehen daher Anzeichen dafür, dass die Zeit für die angekündigte Trennung gekommen sein könnte. Und Frenzel könnte ins Reisegeschäft investieren. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Dazu gehört ein Ausbau der lukrativen Angebote von exklusiven Hotels oder auch Kreuzfahrten. Tui war mit einem eigenen Schiff im vorigen Jahr in diesen Markt eingetreten, der immer noch als sehr chancenreich gilt. Im dritten Quartal war die „Mein Schiff“ zu 93 Prozent ausgelastet.

Im nächsten Jahr soll ein weiteres Schiff in See stechen. Weitere könnten folgen. Bereits seit längerem plant Frenzel zudem den Ausbau des internationalen Geschäfts. Vorangekommen ist Tui vor allem in Russland – auch dank des Engagements von Stahlmilliardär Alexej Mordaschow. Der russische Tui-Großaktionär hat erst kürzlich eine Aufstockung seiner Anteile angekündigt – auf eine Sperrminorität von

25 bis 30 Prozent. Frenzel und Mordaschow wollen gemeinsam den russischen Markt für Reiseveranstalter erobern, auf dem sie große Wachstumschancen sehen. Die Russen gelten als reisefreudig und bereit, viel Geld für Urlaub auszugeben.

Tui Travel und Mordaschows S-Group waren vor gut einem Jahr mit einem Gemeinschaftsunternehmen in Russland an den Start gegangen. Daran ist Tui Travel mit 49 Prozent beteiligt. Seit Anfang dieses Jahres ist in Russland die neue Dachmarke TuiRussia etabliert. Auch in China und Indien hat Tui schon sondiert.

Schlüssel für die Ausweitung des Reisegeschäfts ist aber der Verkauf der Hapag-Anteile. Und dazu hieß es im Konzern bisher meist: Wir haben keine Eile. Frenzel will den höchstmöglichen Preis erzielen. Entscheidungen werden im Aufsichtsrat nicht erwartet.