Weltgrößter Elektronikkonzern plant Fabrik ohne Arbeiter

New York. Die Automatisierung ist auf dem Vormarsch. Der weltgrößte Elektronikhersteller Foxconn denkt über vollautomatische Fabriken in den USA nach. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werde der Auftragsfertiger wahrscheinlich Bauteile und komplette Geräte in Amerika produzieren, sagte Foxconn-Gründer Terry Gou. "Mit Automatisierung in den USA kann man auch nach China liefern, die Kosten wären immer noch konkurrenzfähig."

Der taiwanesische Foxconn-Konzern produziert in China für Technologiekonzerne wie Apple, Dell oder Nokia. Das Unternehmen hat mehr als 900 000 Beschäftigte und kündigte vor Kurzem an, bis zu 400 000 weitere Mitarbeiter einstellen zu wollen. In diesem Jahr stand Foxconn unter heftiger Kritik, nachdem sich mehr als zehn Arbeiter in seinem Werk in Shenzen das Leben genommen hatten. Nach den Selbstmorden wurden die Löhne zum Teil verdoppelt. Zeitweise brachte das Management Sicherheitsnetze an, die Arbeiter vor dem Sprung in den Tod abhalten sollten. Der 59-jährige Gou sagte dem "Wall Street Journal", er fühle sich zwar schuldig wegen der Selbstmorde - die Kritik an seinem Unternehmen sei aber größtenteils unfair gewesen. "Das ist kein Ausbeuterbetrieb. Ich bin stolz, das sagen zu können." Dem Geschäft von Foxconn habe die Diskussion nicht geschadet, betonte Gou. "Wenn alle denken würden, Foxconn sei böse, würden sie uns keine Aufträge mehr geben, und sie würden nicht zu uns arbeiten kommen."

Gou hatte die Firma 1974 als Hersteller von Plastikknöpfen für Fernsehgeräte gegründet, inzwischen übersteigt der Umsatz von Foxconn das Geschäftsvolumen vieler seiner Kunden. Das Wachstumstempo in den vergangenen Jahren von mehr als 30 Prozent lasse sich künftig nicht mehr durchhalten. Gou peile jetzt ein jährliches Umsatzplus von 15 Prozent an.