Ausverkauf der Traumschiff-Reederei

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Olaf Preuß

Eignerinnen Hedda und Gisa Deilmann veräußern Mehrheit an Finanzinvestor Aurelius und geben Führung ab

Hamburg. Es sind harte Zeiten für Hedda und Gisa Deilmann. Die beiden Reederinnen betreiben Deutschlands bekanntestes Schiff, das Kreuzfahrtschiff "Deutschland", das seit vielen Jahren als Kulisse für den ZDF-Dauerbrenner "Traumschiff" über die Meere fährt. Doch trotz dieser Prominenz läuft das Geschäft am Firmensitz in Neustadt an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste schon seit Längerem alles andere als traumhaft.

Nun haben die Unternehmerinnen die Mehrheit der Reederei Peter Deilmann mit ihren 45 Mitarbeitern an den Münchner Finanzinvestor Aurelius verkauft, für einen "zweistelligen Millionenbetrag", wie es in einer Erklärung gestern knapp hieß. Sie geben die Führung an Aurelius-Chef Dirk Markus ab, bleiben aber in der Reederei. "Wir sind sehr froh, dass wir nach diesen stürmischen Monaten einen sicheren Hafen bei einem kapitalstarken und langfristigen Investor gefunden haben", sagte Hedda Deilmann.

Ihr Vater Peter Deilmann hatte die Reederei für See- und Flusskreuzfahrten im Jahr 1972 aufgebaut. Das Flaggschiff ist seit 1998 die "Deutschland", die bei HDW in Kiel gebaut wurde. Der Markt für Kreuzfahrten wächst zwar stetig, ist aber hart umkämpft. Die Deilmann-Reederei behauptete sich in der Kategorie der Luxusreisen, ein Segment vor allem für eine betuchte ältere Kundschaft. Als einziges Kreuzfahrtschiff überhaupt erhielt die "Deutschland" fünf Sterne vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Diese Auszeichnung ist nach einer Klage des Konkurrenten Hapag-Lloyd allerdings juristisch umstritten und darf nach dem Auslaufen im Jahr 2012 in dieser Form wohl nicht wieder verliehen werden.

Nach dem Tod von Peter Deilmann im Jahr 2003 übernahmen seine Töchter die Reederei und führten sie entgegen der verbreiteten Skepsis in der Branche zunächst erfolgreich weiter. Die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen auch für den Kreuzfahrtmarkt brachten das Unternehmen allerdings aus dem Tritt. 2009 mussten die 42 Jahre alten Zwillingsschwestern Hedda und Gisa Deilmann für ihr Teilgeschäft mit Flusskreuzfahrten Insolvenz anmelden und sich aus dem Markt zurückziehen. Buchungen vor allem aus Großbritannien und den USA waren ausgeblieben. Auf der "Deutschland" wiederum brach am Pfingstsonntag dieses Jahres vor Norwegen ein Feuer im Maschinenraum aus. Die Passagiere wurden über Oslo ausgeflogen, das Schiff per Schlepper zu Blohm + Voss nach Hamburg gebracht. Die Reparaturkosten von zwei Millionen Euro übernahm zwar die Versicherung, doch gut ein Monat der Sommersaison fiel durch den Aufenthalt des Schiffes in der Werft aus.

Die "schwierige gesamtwirtschaftliche Situation" und die finanziellen Folgen des Brandschadens zwingen die Reederinnen Deilmann nun dazu, die Mehrheit ihres Familienunternehmens zu verkaufen. Ein Deilmann-Sprecher sagte gestern, es sei eine "langfristige Zusammenarbeit" mit Aurelius geplant. Aurelius-Chef Markus sagte: "Die Reederei Peter Deilmann steht mit dem Traumschiff in bester deutscher Kreuzfahrttradition. Wir werden diese Positionierung weiter ausbauen und das Unternehmen bei seiner weiteren Entwicklung aktiv unterstützen." Aurelius gilt als Spezialist für Beteiligungen an oder die Übernahme von Unternehmen, die saniert werden müssen. Zum Portfolio der Finanzholding gehören oder gehörten bekannte Marken wie der Schnapsfabrikant Berentzen, der Wohnmobilehersteller Westfalia oder der Elektronikanbieter Blaupunkt.

Durch die Wirtschaftskrise hatte sich der Umsatz der Reederei Deilmann im zurückliegenden Geschäftsjahr auf rund 50 Millionen Euro etwa halbiert. Mithilfe von Aurelius soll das Geschäft mit der "Deutschland" nun wieder an die Erfolge früherer Jahre anknüpfen. Kurzfristig gehe es nun um die "Konsolidierung der Finanzbasis", sagte der Deilmann-Sprecher, generell um die Stärkung des Geschäfts mit Hochseekreuzfahrten. Alles Weitere sei "offen".

Durchschnittlich rund 14 000 Passagiere fuhren mit der "Deutschland" vor dem Beginn der Weltwirtschaftskrise im Jahr. 70 Prozent davon waren laut der Reederei Stammkunden, die das gehobene Ambiente zur See nach der ersten Fahrt wieder buchten.

Ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor für die Neustädter Reederei wird auch in den kommenden Jahren die Kooperation mit dem ZDF sein. Der Vertrag für die Dreharbeiten des "Traumschiffs" wurde im vergangenen Jahr bis 2015 verlängert. Die "Deutschland" fährt seit 1999 für die beliebte ZDF-Serie, seit 2007 wird an Bord außerdem die Serie "Kreuzfahrt ins Glück" gedreht. Das Kreuzfahrtschiff - das einzige Seeschiff in diesem Markt, das unter deutscher Flagge fährt - ist 175 Meter lang und 23 Meter breit und hat einen Tiefgang von 5,80 Metern.

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