Altersvorsorge

Lebensversicherungen: Rendite für die Kunden sinkt

Foto: Marcelo Hernandez

Bei Lebensversicherungen geht der Abwärtstrend der Zinsen weiter. Das Abendblatt sprach mit Ergo-Vorstand Daniel von Borries.

Hamburg. Unruhige Zeiten für die Versicherungsgruppe Ergo : Die Branche hat mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen, außerdem hat der Düsseldorfer Konzern kürzlich die Traditionsmarke Hamburg-Mannheimer mit der bekannten Werbefigur "Herr Kaiser" aufgegeben. Das Abendblatt sprach mit dem Chef der von Hamburg aus geführten Ergo-Lebensversicherungssparte, Daniel von Borries.

Hamburger Abendblatt:

Im Zuge der Finanzkrise hat das Ansehen der Banken schwer gelitten. Haben aber auch Versicherungen an Vertrauen verloren?

Daniel von Borries:

Nach wie vor ist der Wille, sich für die Altersvorsorge langfristig finanziell zu binden, zu gering ausgeprägt. Aber das Vertrauen in das Produkt der Lebens- oder Rentenversicherung an sich ist ungebrochen. Das sieht man am massiven Anstieg der Einmalbeiträge in diesem Jahr. Insgesamt haben wir im vergangenen Jahr ein Prämienwachstum verzeichnet, und das wird aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr so sein.

Ist es nicht ein Problem für die Lebensversicherer, dass die Verzinsung immer weiter abgenommen hat?

Die Ablaufleistungen sind gesunken, und dieser Abwärtstrend wird voraussichtlich anhalten. Aber da geht es um die Rendite, nicht um die Sicherheit - die stand nie infrage. Die Lebensversicherer haben sich auch in der Krise als Anker der Stabilität erwiesen, und das ohne staatliche Hilfen. Die Nahe-Null-Zinspolitik der Notenbanken ist aber tatsächlich die Folge der Finanzkrise, die uns am stärksten trifft. Auch wenn man bedenken muss, dass der reale Zins, also nach Abzug der derzeit niedrigen Inflationsrate, gar nicht so unattraktiv ist.

Muss auch die vom Finanzministerium festgelegte Garantieverzinsung der Lebensversicherer von derzeit noch 2,25 Prozent weiter sinken?

Dieser Schritt wird beim heutigen Zinsniveau kommen, die Frage ist nur, wann; ich vermute 2012. Man darf dabei nicht vergessen: Ein niedrigerer Garantiezins dient letztlich der Sicherheit des Unternehmens - und unser Hauptthema ist die Sicherheit. Insofern ist eine Absenkung für die Kunden eine gute Nachricht, auch wenn der Zusammenhang eher schwer zu vermitteln sein dürfte.

Der Ergo-Konzern hat die traditionsreichen Namen Hamburg-Mannheimer und Victoria aufgegeben und verkauft die Verträge nun unter der Marke Ergo. Verunsichert man nicht damit die Kunden in ungewissen Zeiten noch weiter?

Wir haben die Kunden definitiv nicht verunsichert. Natürlich ist ein Markenwechsel immer ein Wagnis, dessen waren wir uns sehr bewusst. Aber die bisherigen Reaktionen sind sehr positiv. Der Kunde vertraut einer Marke, aber er vertraut in der Finanzdienstleistung auch seinem Berater. An den Ansprechpartnern hat sich für unsere Kunden nichts geändert.

Die Ergo-Gruppe hat sich am Markt zuletzt schwergetan. Leidet nun das Neugeschäft erst recht?

Dieses Risiko haben wir gesehen. Zugleich waren wir aber zuversichtlich, dass die Markenstrategie keine negativen Effekte auf das Neugeschäft haben wird - und diese Erwartung erfüllt sich. Im Moment sind wir sehr optimistisch, weil das Neugeschäft in allen Segmenten gestiegen ist und weil die Zahl der Vermittler zunimmt.

Aber war es wirklich nötig, 54 Millionen Euro für eine Werbekampagne auszugeben, um Herrn Kaiser abzulösen?

Es geht nicht nur darum, Herrn Kaiser auszuwechseln. Wir haben die neue Kampagne so angelegt, dass sie nicht nur auf Bekanntheit zielt, sondern auch auf Vertrauen. So greifen wir bewusst Kritik auf, die wir als Versicherer häufig zu hören bekommen: mangelnde Transparenz, zu viele Vertragsklauseln, provisionsgetriebener Verkauf. Wir wollen versuchen, ein besseres Unternehmen zu werden, mit besseren Produkten und näher am Kunden. Natürlich ist das eine große Herausforderung, die vollumfänglich zu erfüllen Jahre in Anspruch nehmen wird.

Wie weit ist der vor etwa zwei Jahren beschlossene Abbau von bundesweit 1800 Stellen, davon knapp 200 in Hamburg, umgesetzt?

Er ist so gut wie abgeschlossen. Dabei musste niemand gegen seinen Willen das Unternehmen verlassen.

Hat das nun besiegelte Ende der Hamburg-Mannheimer auch als Unternehmen weitere Folgen für das Personal und wie viele Beschäftigte hat Ergo noch in Hamburg?

Die Markenstrategie hat keine Auswirkung auf die Zahl der Beschäftigten. Wir haben die gemeinsame Verwaltung innerhalb der einzelnen Segmente, wie etwa in der Lebensversicherung, schon in den vergangenen Jahren eingeführt. Im Innendienst sind in Hamburg heute knapp 3000 Beschäftigte tätig, einschließlich des angestellten Außendienstes arbeiten hier rund 3300 Menschen für Ergo.