Leistung

Arbeiten Sie nur von neun bis fünf!

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Der "nine to five"-Job korrespondiert bestens mit den Phasen, in denen so gut wie alle Menschen am leistungsstärksten sind. Das sind grob gesagt die Zeiten zwischen zehn und elf Uhr am Vormittag und zwischen 15 und 16 Uhr am Nachmittag. Wer seine Schlafstunden richtig wählt, steigert die Leistungsfähigkeit.

Manch einer fühlt sich vor allem in den Morgenstunden fit, andere behaupten, nur nachts arbeiten zu können. Zwischen diesen Extremen gibt es die unterschiedlichsten Vorlieben. Doch ist es tatsächlich individuelle Gewohnheitssache, wann wir am besten unserer Arbeit nachgehen?

Bei einem Schlafmediziner nachgefragt, lautet die Antwort auf diese Frage: nein. Der klassische „nine to five“-Job scheint keine willkürliche Erfindung zu sein, sondern korrespondiert bestens mit den Phasen, in denen so gut wie alle Menschen am leistungsstärksten sind. Das sind grob gesagt die Zeiten zwischen zehn und elf Uhr am Vormittag und zwischen 15 und 16 Uhr am Nachmittag.

Natürlich gibt es Abweichungen von diesem Schema, doch vom Prinzip her sind diese Richtwerte recht zuverlässig. „Das ganze kann sich schon einmal um eine Stunde nach vorn oder hinten verschieben“, erklärt Professor Jürgen Zulley von der Universität Regensburg. „Es gibt individuell unterschiedlich ausgeprägte Chronotypen.“ Zulley ist einer der bekanntesten Schlafforscher Deutschlands und erklärt, was mit Chronotypen gemeint ist: Der „Eule“ genannte Abendtyp ist tendenziell später fit, im Gegensatz dazu hat die „Lerche“ eher gegen Morgen ihr Leistungshoch. Die Unterschiede kommen in Deutschland nur Frühaufstehern entgegen – im europäischen Vergleich wird später aufgestanden.

Mit zwei Hochphasen pro Tag ist es allerdings bei allen Menschen getan. Und verglichen mit unserem Erbgut sind die individuellen Unterschiede im Biorhythmus eher Marginalien. Der Biorhythmus ist ein fester Bestandteil unseres Organismus und damit biologisch determiniert. Er lässt sich nicht nach Belieben um- oder einstellen, sondern richtet sich im Wesentlichen nach dem Tageslicht. Unsere innere Uhr synchronisiert sich automatisch mit dem äußeren Wechsel von Tag und Nacht. Im Winter sind wir daher häufiger müde, als im Sommer und tendenziell auch schlechter gelaunt – ein in seiner übersteigerten Form auch als Winterdepression bekanntes Phänomen.

Schicht- und Nachtarbeitern machen diese biologischen Tatsachen schwer zu schaffen. Denn entscheidend ist eben nicht nur, wie lange man schläft, sondern auch wann. Wenn der Arbeitsalltag nicht mit dem Tag-Nacht-Wechsel synchron läuft, führt das über kurz oder lang zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

„Nachtarbeiter stellen ihren Biorhythmus nicht etwa um, das geht nicht, sondern stören ihn dauerhaft. Ihre Fehlerquoten liegen dementsprechend höher und steigen zwischen drei und vier Uhr morgens nachweislich dramatisch an. Es empfiehlt sich nicht, mehr als fünf bis sechs Jahre Nachtdienst zu schieben, danach schnellt nämlich ebenfalls die Erkrankungsrate der Betroffenen in die Höhe“, weiß Schlafexperte Zulley. Beispielsweise erhöhe sich das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach jahrelanger Nachtarbeit um das Dreifache.

Wenn es dunkel wird, schaltet unser Organismus allmählich und automatisch auf den „Nachtmodus“ um, der Nachtschlaf ist daher der erholsamste. Gekoppelt an die äußere Dunkelheit wird das Hormon Melatonin ausgeschüttet, das dafür sorgt, dass wir müde werden. Die große allnächtliche Regenerationsphase kann beginnen.

Quelle: Welt Online