Zweitwohnung

Ferienhäuser in Deutschland wieder gefragt

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Harz statt Mallorca, Weserbergland statt Kreta, Berchtesgaden statt Costa del Sol: Urlaub in Deutschland ist in Mode. Das wirkt sich auch auf den Preis für Ferienhäuser aus. Gerade jüngere Käufer bevorzugen Zweitwohnsitze in kurzer Entfernung. Vor allem Orte in den deutschen Mittelgebirgen profitieren.

Immer mehr Deutsche erfüllen sich ihren Traum von der Ferienimmobilie im eigenen Land. Der neue Trend treibt inzwischen die Preise in den bevorzugten Regionen deutlich in die Höhe. „Der durchschnittliche Preis für ein Ferienhaus in Deutschland ist seit den 90er-Jahren von knapp 200.000 Euro auf rund 340.000 Euro gestiegen“, berichtet Per Barlag Arnholm, Geschäftsführer des Ferienimmobilienentwicklers Kristensen Group. Der Wert von Ferienwohnungen stieg von rund 115.000 Euro auf einen durchschnittlichen Preis von 155.000 Euro

Dies bestätigt auch Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD): „Auf Rügen kosten Einfamilienhäuser mit gutem Wohnwert inzwischen bis zu 350.000 Euro.“ Noch vor einigen Jahren wurden derartige Objekte für 50.000 bis 70.000 Euro weniger gehandelt. Auch auf den Nordsee-Inseln sind die Preise deutlich gestiegen. Häuser auf Norderney kosten inzwischen bis zu 450.000 Euro. Vom Trend profitieren auch das Allgäu und die oberbayerischen Seen. „Vor allem Angehörige der Altersgruppe zwischen 40 und 50 Jahren zieht es auf der Suche nach dem geeigneten Zweitwohnsitz in den Alpenraum“, sagt Schick. Was die Käufer lockt, ist das ganzjährige Sportangebot in diesen Regionen. Skifahren im Winter, Wandern und Mountainbiking im Sommer – wer gern aktiv ist, findet dazu an den Nordhängen der Alpen jeden Monat Gelegenheit.


Nach einer Studie der Immobilienfondsgesellschaft Degi profitieren zudem die deutschen Mittelgebirgsregionen kräftig vom neuen Trend: „Die klassischen Ferienimmobilienkäufer sind nicht mehr Frührentner, die einen Zweitwohnsitz am Mittelmeer sucht, um die meiste Zeit des Jahres unter südlicher Sonne verbringen zu können“, erläutert Degi-Cheanalyst Thomas Beyerle.

Vielmehr würden heute die Zweitdomizile von deutlich jüngeren Käufern erworben. „In den 90er-Jahren betrug das Durchschnittsalter der Ferienhauserwerber 54,2 Jahre, heute ist der typische Käufer hingegen 44,9 Jahre jung“, sagt der Analyst. Weil die jungen Käufer voll im Berufsleben stehen und die Immobilien auch am Wochenende nutzen wollen, seien vor allem Eigenheime und Eigentumswohnungen gefragt, die maximal zwei Autostunden vom Hauptwohnsitz entfernt liegen. Beyerle: „Das treibt die Nachfrage in den klassischen Urlaubsregionen im Herzen Deutschlands.“ Etwa im Bayerischen Wald, der Eifel, im Harz, im Sauerland – oder im Schwarzwald.


In Titisee-Neustadt stiegen die Quadratmeterpreise für Grundstücke in sehr guter Wohnlage nach Untersuchungen des regionalen Gutachterausschusses und der Sparkasse Hochschwarzwald seit 2006 von 225 Euro pro Quadratmeter auf 300 Euro pro Quadratmeter. Selbst in der von Bevölkerungsschwund geplagten nordrheinwestfälischen Ferienregion Siegerland legte der durchschnittliche Preis für ein Einfamilienhaus nach dem jüngsten Bericht des regionalen Gutachterausschusses im vergangenen Jahr geringfügig von 141.174 auf 141.278 Euro zu.

In Spanien brechen die Preise ein

Damit entwickelt sich der Ferienimmobilienmarkt in Deutschland genau entgegengesetzt zum klassischen Zweitdomizilland Spanien. Dort brechen die Preise gerade nach einem jahrelangen Spekulationsboom ein. In einzelnen Küstenregionen haben die Objekte bereits mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Der Trend zum Ferienhaus in Deutschland werde weiter anhalten, sagt Beyerle. Nach der Degi-Umfrage liebäugelt heute fast jeder zweite Interessent mit dem Kauf einer Ferienimmobilie in Deutschland. Darunter seien viele Manager, die mit dem Zweitdomizil ihrer Familie am Wochenende Abwechslung bieten und selbst kurzfristig Abstand vom Alltag gewinnen wollen. Oft genug würden sich diese Käufer aber auch unerledigte Büroarbeit mit ins Wochenende nehmen. Beyerle: „Wichtiger als Sonne und Strand ist für den modernen Ferienhauserwerber deshalb ein Breitband-Internetanschluss.“

Getrieben wird die Nachfrage nach deutschen Ferienimmobilien auch von Spanien-Rückkehrern. „Immer mehr ältere Eigentümer spanischer Immobilien verkaufen jetzt diese Objekte, um sich stattdessen in Deutschland ein Haus an der Küste zuzulegen“, sagt IVD-Vizepräsident Schick. Dahinter stehe oftmals der Wunsch nach einer besseren medizinischen Versorgung. „Wenn sich vermehrt Krankheiten einstellen, fühlen die Menschen bei Medizinern besser geborgen, mit denen sie ohne Verständigungsschwierigkeiten kommunizieren können“, sagt Schick. Trotz des Preiseinbruchs am spanischen Markt könnten Eigentümer, die bereits vor vielen Jahren ihr Haus auf der iberischen Halbinsel erworben haben, noch immer kräftige Gewinne mitnehmen. Aktuell werden Objekte dort noch immer zum Zwei- oder Dreifachen der Preise gehandelt, die in den 80er-Jahren gezahlt wurden.

Etwa 20 Millionen Deutsche verbringen ihre Ferien in heimischen Regionen. Besonders beliebt sind mit gut 40 Prozent die Küstenregionen an Nord- und Ostsee sowie die Mecklenburgische Seenplatte. Unter den fast zwei Millionen deutschen Besitzern eines eigenes Ferienhauses oder -wohnung haben etwa eine Million ihr Urlaubsdomizil in Deutschland. Mit 52 Prozent stellen Familien laut einer Studie die Hauptmietergruppe. Im Analog zur veränderten Käuferstruktur haben sich auch Wünsche und Ansprüche an die Ausstattung der Urlaubswohnung verändert. Neben einer Terrasse beziehungsweise eines Balkons ist eine hochwertige Inneneinrichtung wichtig. Da die Eigentümer ihre Ferienhäuser während des gesamten Jahres nutzen, wünschen laut einer Umfrage von ImmobilienScout 24 und der Kristensen Group Deutschland 52 Prozent der Befragten einen Kamin, 39 Prozent legen Wert auf eine vollständige Möblierung. Auch eine gute Einbindung in die örtliche Infrastruktur mit Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten ist den Befragten wichtig.

Quelle: Welt Online