Ver.di wirft TNT Post die Zensur von E-Mails vor

Der private Briefzusteller soll die elektronische Post der Mitarbeiter abfangen. Unternehmen spricht von technischen Problemen

Hamburg. Die Gewerkschaft Ver.di erhebt schwere Vorwürfe gegen TNT Post, einen der größten Briefzusteller Deutschlands: Das Unternehmen soll die Computer von Arbeitnehmern und Betriebsräten so eingestellt haben, dass diese keine E-Mails mehr von der Gewerkschaft empfangen können. Der Vorgang sei "skandalös" und verstoße gegen aktuelle Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts, sagte der zuständige Ver.di-Fachbereichsleiter in Hamburg, Wolfgang Abel, dem Abendblatt. TNT Post erklärte hingegen, es würden keine elektronischen Nachrichten im Unternehmen abgefangen oder deren Versendung behindert. Nach Auskunft von Ver.di soll das Mailproblem seit April dieses Jahres bestehen. Es sei in Hamburg und auch in Nordrhein-Westfalen aufgetreten. "Wir haben von Ver.di aus mehr als 200 E-Mails an Arbeitnehmer und Betriebsräte von TNT Post versandt, von denen keine angekommen ist", so Abel. Hätten die Mails hingegen einen anderen Absender gehabt, so hätten sie ohne Probleme die Empfänger erreicht.

"Wir gehen daher davon aus, dass einzelne Computer oder zentrale Server so manipuliert wurden, dass die elektronische Post, die von Ver.di kommt, nicht mehr empfangen werden kann." Hier maße sich ein Arbeitgeber offenbar an, Informationen für Arbeitnehmer und ihre gewählten Interessenvertreter zu zensieren. Da TNT Post das Problem trotz mehrfacher Aufforderung nicht beseitigt habe, bestärke Ver.di den Betriebsrat nun, gerichtlich gegen die "Manipulation" vorzugehen.

Zwischen der Gewerkschaft und TNT Post besteht seit Langem ein angespanntes Verhältnis, weil Ver.di dem Dienstleister unter anderem vorwirft, "Dumpinglöhne" zu zahlen und den bestehenden Branchentarifvertrag zu unterlaufen. Statt 10,29 Euro würden nur 7,60 Euro in Hamburg gezahlt. Zwischen dem Betriebsrat und dem Management gibt es zudem immer wieder rechtliche Auseinandersetzungen.

TNT Post wies die Manipulationsvorwürfe hingegen zurück. Bereits vor Wochen habe man auf eine "rein technische Fehlermeldung" über vermeintlich nicht angekommene Nachrichten sofort reagiert und eine technische Überprüfung veranlasst, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme, die dem Abendblatt vorliegt. Danach sei für Wochen keine weitere Fehlermeldung von Absendern oder Empfängern eingegangen. "Es ist das alleinige Verschulden der vermeintlichen Versender oder Empfänger von Nachrichten, wenn sich durch eine um fast einen Monat verspätete erneute Fehlermeldung herausstellt, dass der Fehler offenbar noch nicht behoben ist", heißt es weiter.

TNT Post werde sich nun um die Aufklärung und Beseitigung unverzüglich kümmern und eventuell noch vorhandene Schwierigkeiten abstellen.