Mehr Arbeit für Airbus in Hamburg

Flugzeugbauer steigert die Produktion der A320-Familie auf 40 Maschinen im Monat. Mutterkonzern EADS erwartet höheren Umsatz

Hamburg. Airbus weitet die Produktion seiner Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge deutlich aus - und besonders das Hamburger Werk bekommt mehr Arbeit. Wie der Mutterkonzern EADS mitteilte, soll die Fertigungsrate der A320-Typenreihe an den drei Airbus-Montagestandorten von derzeit insgesamt 34 auf 40 Maschinen im Monat hochgefahren werden. Bereits früher beschlossen war ein Anstieg auf 36 Jets im Dezember 2010. Nun ist vorgesehen, die Rate im August 2011 auf 38 und im ersten Quartal 2012 weiter auf monatlich 40 Flieger zu steigern.

Während aktuell 17 Jets der A320-Familie in Hamburg endmontiert werden, sollen es künftig 22 sein. Im chinesischen Werk Tianjin soll sich die Fertigungsrate von derzeit zwei auf vier Maschinen im Monat verdoppeln, dafür entstehen in Toulouse nur noch 14 statt bislang monatlich 15 dieser Flugzeuge.

"Der Hochlauf der Fertigung sichert die Arbeitsplätze in Hamburg", sagte eine Firmensprecherin dem Abendblatt. Es sei jedoch nicht geplant, mehr Beschäftigte als ohnehin geplant einzustellen. Stattdessen werde man Effizienzsteigerungen wie etwa eine Verkürzung der Durchlaufzeiten in der Produktion nutzen, um die Mengensteigerung möglichst mit dem bestehenden Personal bewältigen zu können. Falls nötig werde das Unternehmen auf interne Umbesetzungen zurückgreifen.

Mehr als 2200 Aufträge liegen für Jets der A320-Familie vor

Die Sprecherin verwies zudem darauf, dass vor der Wirtschaftskrise bereits Airbus-weit eine monatliche Rate von 36 der kleineren Jets erreicht und die Ausweitung auf 40 Maschinen geplant worden war, zu der es dann jedoch nicht kam.

Abgesehen von der Endmontage werden in Hamburg große Teile des Rumpfes für alle diese Flieger gebaut - also auch für Jets, die in Toulouse oder in Tianjin komplettiert werden.

Die Entscheidung für höhere Fertigungskadenzen geht nach Angaben des Unternehmens auf die starke Nachfrage nach den Flugzeugen der A320-Familie zurück, für die Airbus allein auf der Luftfahrtmesse in Farnborough 206 neue Bestellungen und Kaufabsichtserklärungen erhalten habe. Maßgeblich sei außerdem die Rekordzahl bereits vorliegender Aufträge für diese Typenreihe von mehr als 2200 Flugzeugen.

Airbus hat 2009 insgesamt 498 Ziviljets ausgeliefert, davon allein 402 Exemplare der A320-Familie. Beides waren neue Jahresrekorde für das Unternehmen. Da bis Ende Juni dieses Jahres bereits 250 Flugzeuge ausgeliefert wurden, ist Airbus nach eigenen Angaben auf dem besten Weg, auch 2010 einen neuen Auslieferungsrekord aufzustellen. "Die Auftragseingänge auf den Luftfahrtmessen in Berlin und Farnborough zeigen die Erholung des zivilen Flugzeugmarkts", sagte EADS-Chef Louis Gallois zur Vorlage der Quartalszahlen. Der EADS-Konzern setzte die Umsatzprognose für das Gesamtjahr von 42,8 Milliarden Euro - entsprechend dem Umsatz 2009 - auf mehr als 44 Milliarden Euro herauf. Die Aktie verteuerte sich daraufhin um zeitweise 3,7 Prozent und war damit größter Gewinner im MDAX.

Während der Umsatz im ersten Halbjahr nur geringfügig auf 20,3 Milliarden Euro zunahm, hat sich der Auftragseingang von 17 Milliarden auf 30,8 Milliarden Euro fast verdoppelt. Dagegen halbierte sich das Betriebsergebnis auf 406 Millionen Euro. Hohe Kosten für die Absicherung von Währungsrisiken und für Forschung und Entwicklung hätten das Ergebnis belastet, erklärte EADS. Die Euro-Schwäche werde sich erst ab 2012 positiv auswirken.

Fertigung des Riesenjets A380 muss effizienter werden

Zudem schreibt das A380-Programm weiter rote Zahlen. Die Entwicklung des neuen Langstreckenjets A350 mache Fortschritte, bleibe aber herausfordernd, hieß es. Außerdem stehen Details der Finanzierung des Militärtransporters A400M noch nicht fest. "Unsere Hauptaufgaben bleiben ganz klar, die Effizienz bei der A380-Produktion zu erhöhen, die A350-Entwicklung voranzutreiben und mit den Kundennationen die Anpassung des A400M-Vertrags abzuschließen", sagte Gallois.