Arbeitsmarkt

Deutschland sucht verzweifelt IT-Experten

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Foto: SVEN SIMON / picture-alliance

Am kommmenden Montag findet in Hannover der IT-Gipfel statt. Eines der Schwerpunktthemen wird der Fachkräftemangel in der Branche sein. Die "Green Card" hilft da auch nicht weiter, weil die Einkommensgrenzen zu hoch gesteckt sind. Im ersten Halbjahr 2007 sind nur 256 Genehmigungen dieser Art erteilt worden.

Der Fachkräftemangel in der Informationstechnologie (IT) nimmt nach Darstellung der Bundesregierung immer größere Ausmaße an. Der Branche fehlten inzwischen mindestens 20.000 Experten, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte in Berlin.

Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom sind es sogar 43.000 Stellen. 18.000 Stellen sind in der IT-Branche selbst offen und 25.000 in Wirtschaftszweigen, in denen Informations- und Kommunikationstechnik zum Einsatz kommt. Das geht aus einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom unter 1.400 Unternehmen hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Danach suchen 60 Prozent der IT-Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter, insbesondere hochqualifizierte Software-Entwickler und Manager.

Die Lücke ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gewachsen. Ein nicht unerheblicher Teil des Wachstums könne nicht realisiert werden, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Wuermeling. Er sprach von einem „fast schon dramatischen“ Problem.

Der anhaltende Fachkräftemangel ist auch ein Schwerpunktthema auf dem zweiten nationalen „IT-Gipfel“ am kommenden Montag in Hannover, an dem neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Top-Manager der Branche sowie Wissenschaftler teilnehmen. Dort sollen zudem die Wachstumschancen der Branche sowie Fragen der Internet-Sicherheit und Infrastruktur erörtert werden. Die Ergebnisse der hochkarätig besetzten High-Tech-Runde in der niedersächsischen Landeshauptstadt sollen in einer „Hannoverschen Erklärung“ zusammengefasst werden.

Der Fachkräftemangel kann Wuermeling zufolge nicht nur über gelockerte Regelungen für die Zuwanderung mittel- und osteuropäischer Experten gelöst werden, auf die sich die Koalition verständigt hat. Nötig seien auch Eigeninitiativen der Wirtschaft. Zudem müssten mehr ältere IT-Experten mobilisiert und mehr Frauen für die Branche gewonnen werden. Schauerte kritisierte die Einkommensgrenze von 85 000 Euro im Jahr für Inhaber der „Greencard“ als zu hoch. Im ersten Halbjahr 2007 habe es nur 256 dieser Aufenthalts- und Arbeits- Bewilligungen für ausländische IT-Experten in Deutschland gegeben.

Bereits auf dem ersten nationalen „IT-Gipfel“ Ende 2006 in Potsdam hatte die Wirtschaft fehlende Experten beklagt. Die Branche setzt laut Bundesregierung jährlich rund 146 Milliarden Euro um, ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt liege bei sechs Prozent. Deutschland sei weltweit der drittgrößte IT-Markt nach den USA und Japan.

Vor einem Jahr hatte sich Merkel unter anderem dafür ausgesprochen, die bis 2009 zusätzlich geplanten sechs Milliarden Euro des Bundes für Forschung und Entwicklung strategisch vernünftig auszugeben und nicht mit der Gießkanne zu verteilen. Zugleich müssten die klassischen Industrien stärker mit der IT-Branche vernetzt werden. Der Bund hatte zudem angekündigt, dass Deutschland eine neuartige Suchmaschine für das Internet mit Namen „Theseus“ entwickeln werde.

Quelle: Welt Online

( dpa/AP/dma )

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