Kardinalfehler der Bahn

Die sieben Todsünden im Bahn-Streit

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Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn wäre wohl schon längst entschieden, wenn sich Vorstand und Gewerkschaftsspitze nicht eine ganze Reihe von Fehlern bei den Verhandlungen geleistet hätten – eine Analyse von WELT ONLINE.

Wenn es doch nur ums Geld ginge im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn. Aber es geht um mehr: ums Prinzip und die Grundsatzfrage, ob die Lokführergewerkschaft GDL einen eigenständigen Tarifvertrag bekommt und nicht mehr im Fahrwasser der größeren Bahngewerkschaft Transnet schwimmen muss. Der Tarifstreit zieht sich auch deshalb endlos hin, weil sich Bahn und GDL grobe Schnitzer geleistet haben. Ohne die sieben Kardinalfehler auf jeder Seite wäre der Konflikt wohl schon gelöst.


Die Kardinalfehler der Bahn


1. Das Problem einfach ignoriert


Der Konflikt zwischen Bahnvorstand und GDL schwelt seit Jahren, aber der Konzern setzte bis in diesen Sommer nur auf eine Taktik: das Problem aussitzen. Die Konzernmanager nahmen es gern hin, dass es zwar drei Gewerkschaften im Unternehmen gibt, doch nur eine, die große Transnet, ernsthafter Tarifpartner ist. 2003 und 2005 war der Konzern mit dieser Taktik gut gefahren. Durch ein paar Zugeständnisse gelang es damals, die GDL im Kampf um einen eigenen Tarifvertrag ruhigzustellen. Das Grundübel aber blieb, und mit taktischen Spielchen und ein paar Prozent mehr Lohn, wie es die Bahn erneut versucht, ist der Konflikt diesmal nicht mehr zu lösen.


2. Stimmung nicht erkannt


Die GDL ist diesmal so hartnäckig, weil sich seit 2003 die Stimmung im Konzern grundlegend geändert hat. Mehdorn hat aus der gemütlichen Bundesbahn die straffe DB AG geschmiedet. Dadurch haben sich die Arbeitsbedingungen für das Gros der Mitarbeiter deutlich verschlechtert. Die Produktivität ist ernorm gestiegen, der reale Lohnverlust – nach GDL-Angaben bis zu zehn Prozent – schmerzlich. Seit die Privatisierung, das Fernziel aller Sanierungsanstrengungen, fraglich geworden ist, wollen viele Mitarbeiter wissen: wozu die Opfer? Der Frust in der Belegschaft ist groß, nicht nur bei GDL-Mitgliedern. Dieser Frust setzt die GDL-Funtionäre unter Druck und macht sie besonders unnachgiebig.

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Quelle: Welt Online