Erbkrieg

Der Dübel-König siegt über seine Tochter

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Artur Fischer, 87-jähriger Gründer der Fischer-Werke, siegt in einem jahrelangen Rechtsstreit. Die Unterlegene ist ausgerechnet seine Tochter Margot. Sie erhebt auf einer Website heftige Vorwürfe gegen den Vater - der Fischertechnik und Wanddübel erfand.

Artur Fischer hat allen Grund zum Jubeln. Der 87-jährige Erfinder des Dübels ging am Donnerstag als Sieger aus einem Rechtsstreit hervor. Der Haken an der Sache: Gegner vor dem Landgericht in Heilbronn war seine eigene Tochter. Die 59-Jährige, die vor acht Jahren im Streit aus den familieneigenen Fischer-Werken ausgeschieden war, fühlt sich als Opfer ihrer angesehenen Familie – und hat dies auf der Internetseite www.fischerfratze.de ausführlich dokumentiert.


Margot Fischer-Weber erhebt auf ihrer Homepage schwere Vorwürfe gegen Vater Artur und Bruder Klaus, der seit 1980 die Fischer-Werke leitet. Die aus ihrer Sicht verstoßene Tochter des Hauses sieht sich gedemütigt, seelisch missbraucht und unter Ausnutzung ihrer Gutgläubigkeit um ihr millionenschweres Erbe gebracht. Die stark hörbehinderte Frau spricht sogar von menschenverachtendem Verhalten ihrer Angehörigen. „Weil ich meiner eigenen Familie meine lange bekannte Hörbehinderung mit ärztlichem Gutachten beweisen musste“, begründet Margot Fischer. Zudem sei sie von ihrem Bruder als Angestellte und nicht als Schwester behandelt worden. In Karikaturen werden die beiden auf der Internetseite als umbarmherzige Arbeitgeber dargestellt.

Die Fischers fühlen sich von den Behauptungen im Internet verunglimpft und haben mit Verweis auf den Tatbestand der „üblen Nachrede“ geklagt – mit Erfolg. Nachdem sie bereits in einem beschleunigten Verfahren im August 2006 eine einstweilige Verfügung gegen Teile der Internetseite erwirkt hatten, gab ihnen das Landgericht Heilbronn nun auch in der Hauptverhandlung Recht. „Die Verunglimpfungen sind herabwürdigend und fallen nicht unter das Recht der freien Meinungsäußerung“, begründete der Vorsitzende Richter Burkhard Hartmann seine Entscheidung. Fortan darf Margot Fischer Vater und Bruder nicht mehr als Haie, Wölfe, Schweine oder Idioten bezeichnen. Sollte sie dagegen verstoßen, drohen der Frau ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten.

Experten sind entsetzt über den öffentlich ausgetragenen Streit, bezeichnen die Auseinandersetzung als Disput auf niedrigstem Niveau. „Familienstreitigkeiten gehören nicht in die Öffentlichkeit, erst recht nicht ins Internet. Das schadet allen – nicht zuletzt auch der betroffenen Person selbst, die kaum noch als seriös gelten kann“, sagt Peter May, Leiter der Bonner Mittelstandsberatung Intes.

Experte: Das Familien-Management hat versagt

Der Fischer-Streit ist kein Einzelfall. „Familienzwist ist in vielen Betrieben an der Tagesordnung. Für mich ist das ein Indiz dafür, dass in der betroffenen Familie das Familienmanagement versagt hat“, sagt May. Gekracht hat es in der Vergangenheit unter anderem bei Tchibo, Bahlsen und Underberg. „Solche Auseinandersetzungen sind gefährlich: Streit ist der größte Wertvernichter in einem Familienunternehmen“, sagt Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Daher rät Intes-Chef May grundsätzlich zur Konzentration auf einen Nachfolger. „Für die betroffenen Familienmitglieder ist dies hart. Zum Schutz hat der Gesetzgeber das Pflichtteilsrecht geschaffen. Aber leider werden die Kinder mitunter regelrecht getäuscht“, so der Experte.

Im Fall Fischer spricht Tochter Margot von einer solchen Täuschung. Zwar habe sie 1984 einen Erb- und Pflichtteilsverzicht unterzeichnet. Dieser Vertrag sei von einem Notar aber so leise vorgelesen worden, dass sie den Inhalt weder akustisch noch in seinen juristischen Ausführungen verstanden habe, behauptet die Tochter. Im Vertrauen auf ihren Vater habe sie den Vertrag dennoch unterzeichnet. Nun soll sie nach dem Tod des Vaters monatlich 3000 Euro bekommen. Derweil steht ihr Bruder in der Liste der „500 reichsten Deutschen“. Denn das Familienvermögen der Fischers wird derzeit auf rund 350 Mio. Euro geschätzt.

Reich geworden ist die Familie zunächst durch die Erfindungen von Vorzeige-Tüftler Artur Fischer, seien es der Fischertechnik-Baukasten oder der Dübel, von dem heute täglich rund 13 Mio. Stück produziert werden. Noch immer verfügt die Unternehmensgruppe mit Sitz im schwarzwäldischen Waldachtal über 2100 Patente. Der Umsatz lag 2006 bei 493 Mio. Euro. Mittlerweile sind die Schwaben auch in den Automobilzuliefer-Bereich (Becher-Halterungen und CD-Boxen) sowie in das Segment Prozessberatung eingestiegen.

Quelle: Welt Online