Geldanlagen

Mit Milch und Getreide ist Geld zu verdienen

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Der Agrarsektor ist das Investmentthema für 2008. Die gestiegenen Preise für agrarische Rohstoffe macht die Branche wieder attraktiv. Experten sagen der Landwirtschaft ein goldenes Zeitalter voraus. Investoren können aus einer Fülle von Produkten wählen.

Wenn sich, wie Soziologen sagen, gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends am Erfolg von Fernsehsendungen ablesen lassen, dann sollte Börsianer der Erfolg des RTL-Formats „Bauer sucht Frau“ aufhorchen lassen. Offensichtlich erfreut sich der gesamte Agrarbereich neuer Wertschätzung. Dank des rasanten Anstiegs der Milch- und Getreidepreise ist mit Ackern wieder Geld zu verdienen. Seit Jahresanfang haben die Notierungen für Weizen um 82 Prozent zugelegt, Sojabohnen kosten 65 Prozent mehr und für den Rohstoff Milch müssen Investoren an den globalen Warenterminbörsen 46 Prozent mehr hinblättern. Einige Profis sprechen bereits vom neuen weißen Gold.

Behalten Ökonomen recht, steht der gesamte Agrarsektor vor einer Renaissance. Für Investmentstrategen gilt die Landwirtschaft als das große Investmentthema des kommenden Jahres. „Anders als viele glauben, steht der Agrar-Zyklus erst am Anfang“, sagt Ralf Oberbannscheidt, Manager des DWS Invest Global Agribusiness, eines auf Agrarinvestments spezialisierten Fonds, in dem die DWS inzwischen 2,7 Mrd. Dollar verwaltet. Zwar könne es bei einzelnen Rohstoffen, die sich dieses Jahr stark verteuert hätten, Rückschläge geben, doch das seien vorübergehende Phänomene. „In den nächsten Jahren werden die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe weiter steigen. Denn das Angebot kommt der globalen Nachfrage nicht hinterher“.

Zum gleichen Ergebnis kommt die Investmentbank Credit Suisse in einer großen Studie. Demnach müsste die Nahrungsmittelproduktion in der nächsten Zukunft um mindestens 3,3 Prozent jährlich steigen, um den größer werdenden Bedarf zu decken. Dies sei jedoch eine unrealistische Annahme: „Die Möglichkeiten, die weltweite Anbaufläche auszuweiten, werden überschätzt“, sagt Credit-Suisse-Stratege Andrew Garthwaite, und von der Bodenqualität sei dabei noch gar keine Rede gewesen. Auch von der Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität solle man sich nicht zu viel erwarten: „In den vergangenen 20 Jahren lag die Steigerungsrate nur bei 1,3 Prozent und das trotz des Einsatzes gentechnisch veränderten Saatguts.“


Gleichzeitig werden die nächsten fünf Jahre die größte Nachfragesteigerung nach hochwertigen Lebensmitteln in der Geschichte sehen: „In naher Zukunft werden 2,5 Milliarden Menschen die Einkommensschwelle von 3000 bis 5000 Dollar überschreiten. Ist dieses Wohlstandsniveau erreicht, steigen die Ausgaben für proteinreiche Nahrungsmittel wie Fleisch sprunghaft an“, begründet er seine Erwartung steigender Preise. Die Herstellung derartigen Wohlstandsessens verschlinge seinerseits große Mengen von Mais, Sojabohnen und anderen pflanzlichen Ausgangsstoffen.

Für Verbraucher sind das schlechte Nachrichten: Schließlich hat bereits die Erhöhung der Preise für Milchprodukte viele auf die Barrikaden gebracht. Die Vorstellung, dass sich der Auftrieb im kommenden Jahr fortsetzt, macht wenig Freude. Für Anleger gibt es aber auch eine gute Nachricht: Inzwischen existieren eine Reihe von Produkten, mit denen sie am Agrarboom mitverdienen können. Ein Ansatz besteht darin, sich mittels Aktien an Unternehmen zu beteiligen, die von der Vermögensumverteilung in den Agrarbereich profitieren. „Die gesamte Wertschöpfungskette des Nahrungsmittelsektors bietet Investmentchancen“, sagt DWS-Mann Oberbannscheidt. In seinem Fonds finden sich zum Beispiel der Agrar-Zwischenhändler Archer-Daniels-Midland sowie der der Saatgut- und Pflanzenschutzspezialist Monsanto.

Bei Nahrungsmittelkonzernen wie Nestlé oder Kellogg bleibt unterdessen die große Unsicherheit, inwieweit sie die gestiegenen Preise für Grundstoffe an ihrer Kunden weiterreichen können oder ob die Gewinnmargen langfristig erodieren. Während die einen hier ebenfalls Gewinner des Megatrends sehen, raten andere Investmentexperten von den Aktien der Lebensmittelhersteller ab.

Ebenfalls interessant im neuen goldenen Zeitalter der Landwirtschaft werden Direktinvestments in Grund und Boden, also agrarische Nutzflächen. Allerdings sind die Investment-Möglichkeiten hier für Anleger noch rar gesät. Von der letztens in Deutschland an den Markt gekommene KTG Agrar sind nicht alle Experten begeistert. Die Firma verfügt über landwirtschaftliche Nutzflächen vor allem in Ostdeutschland und will in Europa weiter expandieren. Allerdings ist ein Gutteil des genutzten Ackerlands lediglich gepachtet. An der Kursentwicklung der Aktie lässt sich der Megatrend Agrar daher nicht ablesen. Das Papier hat seit dem Börsengang Mitte November knapp ein Drittel seines Wertes verloren. Vermögende Privatkunden, die die Scholle als Anlageobjekt für sich entdecken wollen, können über die Berenberg Bank Anteile an der neu gegründeten AgroEnergy AG erwerben. Das Unternehmen will durch professionelle Bewirtschaftung von Ackerland eine jährliche Rendite von rund acht Prozent erziehen.

Darauf sollten Agrar-Anleger achten

  • Wer auf einzelne landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Weizen, Milch, Soja oder Baumwolle setzen will, hält sich am besten an Zertifikate. Auf fast jeden Rohstoff gibt es inzwischen ein Derivat, entweder in der Endlos-Version oder als Hebelpapier mit kurzer Laufzeit.
  • Da die zugrunde liegenden Rohstoffe in der Regel in Dollar gehandelt werden, droht eine fortgesetzte Schwäche der US-Devise einen Teil der Wertzuwächse zunichte machen. Quanto-Zertifikaten schalten dieses Risiko aus – allerdings kostet die Währungsabsicherung Geld, meist zwei bis drei Prozent jährlich. Performance-belastend kann auch die zuweilen recht große Spanne zwischen An- und Verkaufskurs sein.
  • Ein Problem ist zudem der sogenannte Contango-Effekt. Dieser entsteht bei Open-End-Zertifikaten daraus, dass die Emittenten hin und wieder von einem auslaufenden Future-Kontrakt in den nächsten wechseln. Bei diesem „Rollen“ müssen die Emittenten oft ein Aufgeld (Contango) zahlen und das mindert die Wertentwicklung des Zertifikats. Ob es beim jeweiligen Agrarrohstoff eine Contango-Situation gibt, erfahren Anleger auf Nachfrage bei den Emittenten der Zertifikate.

Quelle: Welt Online