Badhersteller müssen 622 Millionen Euro Strafe zahlen

17 Ausstatter sollen jahrelang Preise abgesprochen haben

Brüssel. Die Verbraucher haben jahrelang zu viel Geld für Badewannen, Duschkabinen und Wasserhähne bezahlt. Jetzt müssen die Sanitärausstatter dafür büßen: Wegen verbotener Preisabsprachen verhängte die EU-Kommission gegen 17 Firmen Geldstrafen von insgesamt 622 Millionen Euro. Dem Kartell gehörten sechs deutsche Badezimmerausstatter an, darunter auch Villeroy & Boch. "Dieses Kartell hat den Bau- und Handwerksfirmen ebenso wie vielen Verbrauchern geschadet", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia gestern in Brüssel. Er empfahl Geschädigten, die Firmen zu verklagen.

Der Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima (ZVSHK) kündigte an, mögliche Forderungen zu prüfen. "Wir sind verpflichtet, im Interesse unserer Betriebe Schadenersatzklagen zu prüfen", sagte ZVSHK-Sprecher Frank Ebisch. Der Verband vertritt 30 000 Handwerksbetriebe in Deutschland, die 2008 einen Umsatz in Höhe von knapp 27 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Zwölf Jahre lang hielten die Sanitärunternehmen in Deutschland und in fünf weiteren EU-Ländern die Preise künstlich hoch. Aus Deutschland beteiligten sich die Unternehmen Dornbracht, Duravit, Grohe, Hansa, Kludi und Villeroy & Boch. Von ihnen muss Villeroy & Boch die höchste Strafe von 71,5 Millionen Euro zahlen.

Grohe wurde die Geldbuße um ein Drittel erlassen, weil das Unternehmen mit der EU-Kommission zusammenarbeitete. Die höchste Strafe brummten die Wettbewerbshüter dem US-Hersteller Ideal Standard mit 326 Millionen Euro auf. "Dieses Kartell kann als wohl organisiertes Kartell gelten", sagte Almunia. Zwischen 1992 und 2004 hätten die Firmen die Preise für Toilettenboiler, Duschkabinen, Duschtüren, Badewannen und Armaturen im Detail abgesprochen. Mehr als 250-mal hätten sich Firmenvertreter getroffen.

Die verhängten Strafen liegen deutlich unter dem üblichen Strafmaß von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes, um die betroffenen Firmen vor dem Ruin zu bewahren, so die EU-Kommission. So hatten einige Kartellsünder erklärt, sie würden pleitegehen, wenn sie die üblichen hohen Summen zahlen müssten. "Es geht in der Wettbewerbspolitik nicht darum, Unternehmen den Todesstoß zu versetzen", so Almunia.

Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche entschieden, in der Krise Kartellsündern entgegenzukommen. So können Unternehmen in finanziellen Schwierigkeiten ihre Geldbußen künftig leichter in Raten abbezahlen. Anders als bisher müssen sie für noch nicht beglichene Raten keine Bankgarantie mehr vorweisen. Von dieser Regelung profitieren auch die deutschen Sanitärausstatter.