Vergleich

800 Millionen Euro Schadensersatz für Kirch-Erben

Deutsche Bank will offenbar rund 800 Millionen Euro an die Hinterbliebenen des Medienmoguls Kirch zahlen. Entschädigung für Vorstandszitat.

Frankfurt. Die Erben des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch und die Deutsche Bank haben Medienberichten zufolge ihren milliardenschweren Streit um die Pleite des Kirch-Konzerns beigelegt. Deutschlands größtes Geldhaus soll demnach der Kirch-Seite eine Summe von rund 800 Millionen Euro zahlen, wie "Bild.de" und das "Manager Magazin" gestern unter Berufung auf Verhandlungskreise berichteten. Im Gegenzug sollen damit alle Schadenersatzforderungen erledigt sein. Eine Bestätigung gab es zunächst von keiner Seite. Kirch, und seit dessen Tod seine Erben, kämpfen seit dem Untergang des Medienimperiums im Jahr 2002 um Schadenersatz.

Das Oberlandesgericht München (OLG), wo derzeit zwei Verfahren anhängig sind, konnte eine Einigung zwischen den Parteien zunächst ebenfalls nicht bestätigen. Laut "Manager Magazin" muss der Vorstand der Deutschen Bank heute noch zustimmen - dann erst dürfte es dazu offizielle Stellungnahmen geben.

+++ Deutsche Bank will 800 Millionen Euro an Kirch-Erben zahlen +++

+++ Ex-Deutsche-Bank-Chef wieder vor Gericht +++

Kirch hatte nach dem Zusammenbruch seines hoch verschuldeten und weit verzweigten Medienimperiums die Bank und ihren damaligen Chef Rolf Breuer für die Pleite verantwortlich gemacht und die Bank seither mit mehr als 40 Prozessen überzogen. Ein wichtiger Punkt in allen Verfahren war ein TV-Interview, das Breuer im Februar 2002 gegeben hatte. In dem Gespräch hatte Breuer die Kreditwürdigkeit Kirchs bezweifelt. Wochen später war das Firmengeflecht, zu dem neben dem TV-Konzern ProSiebenSat.1 und dem Bezahlsender Premiere auch eine 40-Prozent-Beteiligung am Springer-Verlag gehörte, am Ende.

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Die folgende Prozessflut erreichte auch den Bundesgerichtshof (BGH), der 2006 feststellte, dass Kirch grundsätzlich Anspruch auf Schadenersatz zustehen könnte. Das müsse aber in weiteren Verfahren geklärt werden. Die Bank hatte alle Ansprüche Kirchs stets zurückgewiesen und sich gegen die Vorwürfe gewehrt. Neben einem noch nicht eröffneten Verfahren ruht derzeit vor dem OLG München ein entscheidender Schadenersatzprozess, nachdem die Anwälte der Bank Mitte November einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht gestellt hatten. Bisher ist über diesen Antrag nicht entschieden worden. Der Vorsitzende Richter Guido Kotschy hatte während des Verfahrens mehrfach auf eine Einigung gedrungen und Vorschläge unterbreitet. In dem spektakulären Verfahren gab es im vergangenen Jahr etliche Zeugenaussagen von Prominenten, darunter auch von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Ackermann selbst hatte auf seiner letzten Bilanz-Pressekonferenz Anfang des Monats angekündigt, dass er bis zu seinem Abschied Ende Mai noch einige Rechtsstreitigkeiten lösen wolle und es einige Vergleiche geben werde. Er wolle seinen Nachfolgern ein "intaktes Haus" überlassen. Es deutet also einiges darauf hin, dass die Bank den jahrelangen und zermürbenden Streit mit Kirch nun beenden könnte. Eine Einigung der beiden Parteien würde auch ins Bild passen, weil der Streit über den Befangenheitsantrag gegen die Richter des OLG sich seit vielen Wochen ungewöhnlich lange hinzieht.