Fernsehen

Fußball live und kostenlos aus dem Netz

Foto: as sab / DPA

Den Endspurt um den Bundesliga-Meistertitel gibt's bei Arena und T-Online live zu sehen - gegen Bezahlung. Sparfüchse setzen hingegen auf Gratis-Angebote aus dem Internet. Ein kompliziertes Lizenzmodell macht das möglich.

Fußball live - WM im Live-Ticker

Zwei verbleibende Spieltage in der Bundesliga - und noch drei Teams kämpfen um die Meisterschaft. Die Spannung verspricht hohe TV-Quoten. Wohl dem, der ein Arena-Abo für monatlich 14,90 Euro oder ein T-Home/Premiere-Paket hat. Doch auch sparsame Fußballfans können live mitverfolgen, ob Bremen, Schalke oder Stuttgart Meister werden. Voraussetzung dafür sind Programme wie „Sopcast“, „TVU Player“, „PP Live“, „TV Ants“, „PP Stream“ oder Webseiten wie de.wwiTV.com . Sie zeigen die Spiele kostenlos über das Internet. Der Trick: Sie übertragen das Fernsehsignal von asiatischen, meist chinesischen Sendern. Diese asiatischen Stationen besitzen eine Lizenz, mit der sie einzelne Spiele der Fußball-Bundesliga zeigen dürfen. Die gilt zwar nur für ihre Heimatländer, aber die Verbreitung über das Web verhindert niemand.

Ärgerlich ist das für die deutschen Lizenznehmer. Die Deutsche Telekom hatte die Internet-Übertragungsrechte für geschätzte 50 Millionen Euro pro Saison gekauft. „Wir halten von diesen Angeboten natürlich wenig“, sagt T-Online-Sprecher Martin Frommhold WELT ONLINE. Doch die Telekom ist gegenüber den Gratis-Angeboten praktisch machtlos. Denn die ausländischen Sender haben ihre Lizenz ganz legal vom österreichischen Sportwettenanbieter Bwin erhalten - und dieser wiederum von der Deutschen Fußball-Liga (DFL). "Die Frage ist, ob die Lizenzvergabe so überhaupt sinnvoll ist", sagt Frommhold. Die DFL wollte die Lizenzvergabe auf WELT ONLINE-Anfrage nicht kommentieren.

Der zweite Geschädigte in Deutschland ist Arena. Der Abo-Sender hatte für die Fernsehrechte 240 Millionen Euro pro Saison auf den Tisch gelegt. Er sieht die kostenlosen Angebote allerdings gelassen. „Das Bild ist dort grottenschlecht“, so Arena-Sprecher Jörg Peter. Das entspreche nicht dem, was die Fans sehen wollten.

Chinesischer Kommentar und ein kleines Bild

Bislang kämpfen Sopcast und Co. tatsächlich mit großen Unzulänglichkeiten. Zwar funktioniert die Installation der englischsprachigen Programme ziemlich einfach. Die Schwierigkeiten beginnen aber beim Einstellen des richtigen Senders. Denn keiner zeigt alle Spiele. So müssen sich die Nutzer zunächst in Internet-Foren wie Fussball-Foren.net oder Worldcupwiki.org informieren, welche Partie wo läuft.

Nervig sind die meist chinesischen Kommentare. Wer sie abschaltet, bekommt nichts mehr von den Stadiongeräuschen mit. Besser sieht es bei der englischen Premier League aus. Sopcast überträgt das Signal des Pay-TV-Senders ESPN - dort spricht der Kommentator immerhin englisch.

Sehr bescheiden ist in der Regel die Bildqualität. Zum einen ist die Übertragung nicht immer live: Sie verzögert sich um bis zu 15 Minuten. Zum anderen übermitteln Sopcast und Co. das Bild oft nur mit einer geringen Datenrate von 300 Kilobit pro Sekunde. Die Folge: ein unscharfes Bild. Besser wird es erst, wenn der Zuschauer das Programmfenster auf etwa zwölf Zentimeter verkleinert.

Auch Bwin bietet Gratis-Fußball

Aber es gibt eine Alternative: Bwin. Der Sportwettenanbieter vermarktet die DFL weltweit und darf die Bundesliga-Spiele ebenfalls live ins Internet stellen. Gebühren nimmt Bwin dafür nicht, der Umsatz soll mit den Wetten gemacht werden. Allerdings muss Bwin aus lizenzrechtlichen Gründen dafür sorgen, dass deutsche Fans diese Webseiten nicht aufrufen können. "Deutsche Nutzer werden von den Live-Übertragungen der Bundesliga ausgesperrt", sagt Bwin-Sprecherin Karin Klein. Das funktioniert über einen sogenannten IP-Filter, die die Herkunft jedes Nutzers preisgibt. Deutsche, die sich im Ausland aufhalten, können das Angebot ohne Einschränkung nutzen. Und mit einem Trick lässt sich die Sperre auch in Deutschland umgehen: Wer einen sogenannten Anonymisierer aus dem Ausland nutzt, surft inkognito durch das Netz. Das funktioniert über einen zwischengeschalteten Internet-PC ("Proxy"). Bwin kann dann nicht mehr feststellen, aus welchem Land der Nutzer stammt. Im Vergleich zu den asiatischen Sendern wird die Mühe mit einer etwas besseren Bildqualität belohnt - solange die Verbindung des Anonymisierers schnell genug ist.

Rechtliche Konsequenzen müssen sparsame Fans nicht fürchten. „Anschauen darf man das“, sagt Internet-Fachanwalt Jörg Heidrich. Nur das Weiterverbreiten der TV-Sendungen stehe unter Strafe. Aber darum wird es den meisten Nutzern wohl nicht gehen.

Quelle: Welt Online