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Die Zukunft der Zeitung ist digital

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Künftig wird nicht mehr das Bedrucken von Papier das Hauptgeschäft von Verlagen sein, sondern das Bereitstellen von journalistischen Inhalten – zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt. Verlagsmanager erwarten voller Ungeduld die Serienreife von perfektem, elektronischem Papier.

Mit größter Aufmerksamkeit verfolgen Verlage auf der ganzen Welt, welche Fortschritte der Industrie bei der Entwicklung von elektronischem Papier gelingen. Erst am Montag wieder zitierte die „Financial Times Deutschland“ Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, in der auch WELT ONLINE erscheint: Er könne „es gar nicht abwarten, dass onlinebasierte elektronische Geräte das Papier ersetzten“. Die Ungeduld ist verständlich: Papier ist ein teurer Rohstoff, neben Druck- und Farbkosten ist insbesondere die bundesweite Zustellung von Zeitungen für Verlage ein kostspieliges Unterfangen. Gleichzeitig sinken die Auflagen der papiernen Zeitungen seit Jahren kontinuierlich. Vor allem die junge Generation wendet sich vom Papier ab und dem Internet zu. Entsprechend prognostizierte Döpfner schon vor einem Jahr: Verlagsmanager müssten sich bewusster werden, dass ihr Geschäft „nicht das Bedrucken von Papier ist, sondern Journalismus“; als Trägermedium werde die Zeitung nicht überleben.

Getestet wurde das Lesen auf elektronischem Papier bereits. So hat IRex Technologies, ein Tochterunternehmen von Philips, ein 390 Gramm schweres und wenige Millimeter dickes Gerät mit einem zwölf mal 16 Zentimeter großen Display entwickelt. Via elektronischer Ladung formen sich acht Millionen mikroskopisch kleine schwarze und weiße Kügelchen, die zwischen zwei Folien in Flüssigkeit schwimmen, gezielt zu Buchstaben, Bildern und Mustern. Um die aktuelle Zeitungsausgabe zu lesen, müssen die Inhalte über die integrierte W-Lan-Karte aus dem Internet geladen werden. Noch ist die Entwicklung solcher Lesegeräte nicht ausgereift; mit mehreren hundert Millionen Euro ist der Stückpreis aktuell auch noch viel zu hoch. Um Marktreife zu erlangen, muss die Bedienung solcher Geräte zudem absolut kinderleicht sein, die Darstellung von Wort und Bild flimmerfrei, die Handhabung robust. Vor allem aber dürfen die Geräte nicht zu viel kosten. Sind diese Hindernisse überwunden, überlegen Verlage, die Lesegeräte ihren Zeitungsabonnenten künftig kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Dazu ist eine Massenproduktion erforderlich. Immerhin plant Plastic Logic, ein britischer Hersteller von elektronischem Papier, der sich von der Universität Cambridge abgespaltet hat, in Dresden die weltweit erste Fabrik für die Massenproduktion solcher Lesegeräte.

Döpfner sagte der „Financial Times Deutschland“, die Verlage seien „viel ungeduldiger als die Hersteller selbst“. Mit Blick auf den Journalismus gibt er sich optimistisch. Die Digitale Entwicklung eröffne „ganz neue Möglichkeiten, in redaktionelle Inhalte zu investieren“. Entscheidend sei auch in Zukunft „die redaktionelle Qualität“.

Quelle: Welt Online