Landwirtschaft

Der Widerstand gegen Genmais wächst

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Brandenburg ist Spitzenreiter beim Genmais-Anbau. Märkische Landwirte bauen mittlerweile auf rund 1400 Hektar gentechnisch veränderten Mais für die Biogaserzeugung oder zur Verfütterung an. Die Bauern erhoffen sich davon eine bessere wirtschaftliche Grundlage. Doch der Protest verschärft sich.

Brandenburg ist Spitzenreiter beim Genmais-Anbau. Märkische Landwirte bauen mittlerweile an 31 Orten auf rund 1400 Hektar gentechnisch veränderten Mais für die Biogaserzeugung oder zur Verfütterung an: Das ist so gut wie die Hälfte des bundesweiten Anteils am Genmais-Anbau, der etwa 2826 Hektar beträgt. Die Bauern erhoffen sich davon eine bessere wirtschaftliche Grundlage. Doch der Protest verschärft sich. Selbst Umwelt- und Agrarminister Dieter Woidke (SPD) warnt inzwischen vor den unabsehbaren Folgen der „grünen“ Gentechnik.

Am Donnerstag haben 15 Greenpeace-Aktivisten einen angeblich illegalen Genmais-Acker in Hohenstein bei Strausberg (Märkisch-Oderland) mit einem Absperrband markiert und einen sieben Meter hohen Wachturm aufgestellt. Sie erstatteten Strafanzeige gegen Landwirt Jörg Pieprek. Der Vorwurf: Er habe Genmais ausgesät, ohne bei den Behörden die Standorte zu melden; damit verstoße er gegen das Gentechnikgesetz. Der Landwirt bestreitet das. Der Eigentümer eines der Flurstücke fordert den Pächter auf, den Genmais „MON 810“ abzuernten. Er habe ihm die Aussaat bereits im März untersagt.

Schleichender Prozess der Verunreinigung

Nur wenige Kilometer weiter wächst der Genmais des Landwirts auch im Naturschutzgebiet Ruhlsdorfer Bruch, wo gefährdete Schmetterlinge leben. Untersuchungen zufolge wirkt sich das vom Genmais produzierte Gift auf zahlreiche Tiere negativ aus. Die Untere Naturschutzbehörde hat Landwirt Pieprek daher angewiesen, das Feld umzupflügen. Dies ist bislang einmalig in Brandenburg. Der Landwirt legte Widerspruch ein.

Überall im Land wächst der Widerstand. Der Genmais-Anbau sei nicht zu kontrollieren, sagen die Gegner. Die Pollen würden durch den Wind weggetragen und durch Insekten verbreitet. Beim Landesamt für Verbraucherschutz liegt eine Reihe von Anträgen von Bürgern, die befürchten, dass ihr eigener Maisanbau beeinträchtigt wird. Schwerpunkte des Genmais-Anbaus in Brandenburg sind Märkisch-Oderland und Oberhavel mit 14 bzw. fünf Standorten.

Bauern kämpfen für genechnikfreie Zonen

Zahlreiche Landwirte kämpfen für genechnikfreie Zonen. Es gibt ein „Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg“. Volker Rottstock ist der Initiator der „gentechnikfreien Region im Fläming“. Er betreibt mit seiner Familie auf etwa 200 Hektar einen Bio-Hof in der Nähe von Beelitz und beliefert vor allem Berliner Naturkostläden mit Kartoffeln. Rottstock erklärt, warum gerade in Brandenburg so viel Genmais angebaut wird: „Zum einen stehen den Landwirten dafür sehr große Flächen zur Verfügung, zum anderen sind die Betriebe häufig in der Hand von Geschäftsführern, die nicht auf dem Lande leben. „Auch vielen Bodeneigentümern scheint es egal zu sein, was mit ihrem Acker passiert.“

Große Sorgen macht sich auch der Gründer der ersten Berliner Bio-Bäckerei, „Märkisch Landbrot“, Joachim Weckmann. Er bezieht 90 Prozent seines Getreides von Höfen aus dem Umland. Mit 35 festangestellten Mitarbeitern beliefert er Bio-Shops bei Karstadt oder auch die Bio-Company. „Das Thema betrifft uns alle“, sagt er. Langfristig sei die Existenz von Biohöfen und Biobäckern gefährdet, da sie verpflichtet sind, gentechnikfeie Lebensmittel anzubieten. Der Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau, Michael Wimmer, fürchtet einen schleichenden Prozess der Verunreinigung.

"Es muss Transparenz geben"

„Wir stehen bei der ,grünen' Gentechnik am Anfang“, sagt Agrar- und Umweltminister Woidke. „Niemand kann endgültig bewerten, wie sie sich auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auswirkt.“ Angesichts der ablehnenden Haltung der Bevölkerung befürchtet er auch einen Imageschaden für das Land und damit eine wirtschaftliche Bedrohung der auf Naturtourismus und Ökolandbau setzenden Region. Eines seiner Ziele sei es, dass über das von der Koalition in Berlin geplante Gentechnik-Gesetz hinaus gentechnikfreie Regionen rechtskräftig ausgeweitet werden. Bislang besteht nur eine freiwillige Selbstverpflichtung von Landwirten. Auch sind für den Anbau von Genmais keine Abstandsflächen zum Acker des Nachbarn gesetzlich vorgeschrieben. Das Eckpunktepapier der Bundesregierung sieht hingegen für den Genmaisanbau einen Abstand von mindestens 150 Meter vor.

Nicht mehr geplant ist die Verpflichtung, dass die Flurstücke mit Genmais im Standortregister aufgeführt werden. Auskunft soll nur noch bei „berechtigtem Interesse“ erteilt werden. „Es muss Transparenz geben“, fordert hingegen Minister Woidke. Als großes Problem sehen die Gegner die Position des mächtigen Bauernverbandes. Präsident Udo Folgart: „Bauern müssen zwischen konventionellem und genverändertem Anbau wählen können.“

Quelle: Welt Online