Der A380-Test

Der Megaflieger mit Flüstertriebwerk

Luxuriös und erstaunlich leise: Das befanden die Passagiere an Bord des neuen A380, der nun von Hamburg nach Dubai zur Fluggesellschaft Emirates überführt worden ist. Nicht nur First-Class-Flieger waren von der großzügigen Inneneinrichtung begeistert. Auch andernorts schwärmte man von neuer Armfreiheit.

Es herrschte Kaiserwetter in "Airbus-City". Als der erste in Hamburg ausgelieferte A380 am Dienstagmorgen kurz nach neun Uhr in Finkenwerder abhob und dem strahlend blauen, wolkenlosen Himmel entgegenstrebte, brandete Beifall unter den Hunderten von Schaulustigen auf. Die vier Triebwerke des Super-Airbus liefen auf Volllast, doch von dem sonst üblichen Flugzeuglärm war wenig zu hören. Einzig ein tiefes Brummen zeigte an, dass gerade mehr als 500 Tonnen abheben.

Bereits Sekunden zuvor, als der Riesenvogel auf der mehrere Kilometer langen Start- und Landebahn der Airbus-Flugzeugwerft Finkenwerder beschleunigt hatte, war das Brummen und Fauchen der Triebwerke überraschend leise. Ein Eindruck, der sich im Inneren der Maschine bestätigt. "Der Start war Klasse, die Flüstertriebwerke sind einfach toll", erzählen Passagiere später. "Man hat es im Magen gemerkt, dass es losgeht, nur nicht in den Ohren." Plötzlich sei man in der Luft gewesen.


Vor dem Start waren mit Hilfe von Knallkörpern Vögel von der Piste vertrieben worden, um einen reibungslosen Abflug zu ermöglichen.


Wenige Minuten nach dem Start und nach einer Ehrenrunde über Hamburg tauchte der A380 noch einmal am Himmel auf und überflog, quasi als Dankeschön und Abschiedsgruß zugleich, die Flugzeugwerft. Groß prangt der Schriftzug "Emirates" am Rumpf des Flugzeugs. Für die arabische Airline wird der A380 vom Freitag an im Linienverkehr zwischen Dubai und New York verkehren. Am Dienstag jedoch ging es zunächst rund fünfeinhalb Stunden nach Dubai.

In Dubai dann "business as usual"

Auch über der Wüstenmetropole dreht der Super-Airbus eine Ehrenrunde, bevor er zur Landung ansetzt. Auf dem Rollfeld erwarten und begrüßen rund 300 Mitarbeiter des Bodenpersonals den Jet. Am Gate angedockt aber erwartet die Ehrengäste des Fluges "business as usual". Höflich und freundlich, aber geschäftsmäßig werden die Passagiere abgefertigt, so als es das Normalste auf der Welt, dass ein A380 in Dubai startet oder landet.

Dabei ist es ein Flugzeug der Extraklasse, das einen Stückpreis von rund 500 Millionen Dollar hat und künftig zwischen der Wüstenmetropole und New York pendeln wird. Diese Version des "Königs der Lüfte", der je nach Ausstattung bis zu 853 Menschen Platz bieten kann, ist für 489 Passagiere ausgelegt. Dafür hat das Oberdeck zwei Duschen und einen Whirlpool für die "VIPs" sowie goldumrandete Fernsehschirme. Daneben gibt es eine exklusive Bar und mehrere Privat-Suiten. "Emirates" will mit dem A380 im lukrativen Flugverkehr nach Nordamerika weiter expandieren.

Am beeindruckendste ist natürlich die First Class. Für die Ausstattung wurden edelste Hölzer verwendet. Jeder Passagier hat mehr als genügend Platz. Die Speisekarte vermerkt feinste Weine und edelste Speisen, die manchem Spitzenrestaurant zur Ehre gereichen würden.

Neue Bekanntschaften macht man an der Bordbar

In der Business Class erzeugen die Flugzeugbauer durch eine geschickte Anordnung der Sitze – man fühlt sich wie einer Ansammlung verschachtelter Autoscooter – ein angenehmes Raumgefühl. "Man sitzt etwas abgeschottet und ist für sich allein", beschreibt ein Passagier die Szenerie. Der Riesenbildschirm lässt die Flugzeit im wahrsten Sinne des Wortes wie im Fluge vergehen. Dazu haben die Sitze eine Massagefunktion und der Platz reicht, um die Füße lang ausstrecken zu können. Wer es gesellig mag, hat die Chance, in der 20 Menschen Platz bietenden Bar neue Bekanntschaften zu schließen.

Doch auch in der Economyclass setzen die Airbus-Flugzeugbauer mit dem A380 Maßstäbe. "Alles wirkt großzügig und ist es auch", erzählen Passagiere. Die Sitze seien so geschnitten, dass man wirklich von Armfreiheit sprechen könne. In dem "Emirates"-Airbus sitzen zehn Leute in einer Reihe. Hineingepasst hätten auch elf, ließ die Gesellschaft mitteilen. Jeder Platz ist mit einem Zugang zum Internet, mit einem eigenen Bildschirm, einem Telefon- und einem Stromanschluss ausgestattet.

Mit 58 Bestellungen liegt die arabische Fluggesellschaft an der Spitze der A380-Kunden. Dann folgen die australische Airline Qantas Airways mit 20 Maschinen, Singapore Airlines mit 19 und Lufthansa mit 15 bestellten Maschinen. Insgesamt hat Airbus nach eigenen Angaben bislang 202 Bestellungen und Kaufabsichten von 17 Kunden in den Büchern stehen.

Airbus muss mindestens 429 Exemplare verkaufen

Der erste Super-Airbus war vor knapp zehn Monaten an Singapore-Airlines, seinerzeit vom französischen Toulouse aus, ausgeliefert worden. Die Fluggesellschaft, für die bislang fünf derartige Maschinen fliegen, hat nach eigenen Angaben bislang nur "exzellente" Erfahrungen mit dem doppelstöckigen Flugzeug gemacht. Die Airline fliegt mit dem A380 nach Sydney, Tokio und London.

Gewinne macht Airbus mit dem Riesenflugzeug bislang nicht. Nach früheren Angaben des Konzerns müssen dazu mindestens 420 Exemplare verkauft worden sein. Problematisch ist vor allem der langsame Produktionsprozess. Da bei jeder A380 individuelle Kundenwünsche bei der Ausstattung der Kabine berücksichtigt werden, müssen Hunderte Kilometer Kabel weiterhin per Hand verlegt werden. So bekam auch "Emirates" die erste Maschine mit zweijähriger Verspätung. Dieses Jahr sollen zwölf statt ursprünglich geplanter 13 A380-Flieger ausgeliefert werden. Für das kommende Jahr sind 21 statt 26 Maschinen vorgesehen.

Emirates ist für Airbus auch aus anderer Sicht ein entscheidender Kunde. Zur Übernahme des A380 hatte Emirates-Chef Scheich Ahmed bin Saeed Al Maktoum am Montag die Bestellung von 60 Flugzeugen der Typen A350 und A330 verkündet. Der Auftragswert liegt bei 13 Milliarden US-Dollar.

Mit der Auslieferung des ersten Super-Airbus endet für die rund 12.000Hamburger Flugzeugbauer ein steiniger Weg. Vor allem die Kabelmontage hatte in den vergangenen Jahren für Probleme gesorgt. Ausgestanden sei dies erst, wenn eine stabile Serienproduktion erreicht werde, hatte Airbus-Chef Thomas Enders am Montag gesagt. "Unsere Herausforderung ist jetzt das weitere Hochfahren der Produktion." Am Erfolg des Super-Fliegers zweifelt am Dienstag in Hamburg jedenfalls kaum jemand.

Quelle: Welt Online