Altersvorsorge

Mit dem Eigenheim lässt sich die Rente aufbessern

Banken entwickeln ein neues Produkt: die Rückwärtshypothek. Damit sollen Hausbesitzer auch in Deutschland ihre Immobilie zu Geld machen können, ohne gleich ausziehen zu müssen. Im kommenden Jahr sollen die ersten Produkte auf den Markt kommen. WELT ONLINE zeigt, wie das System funktioniert.

Mit sogenannten Rückwärtshypotheken sollen Hausbesitzer auch in Deutschland schon bald ihre Immobilie zu Geld machen können, ohne gleich ausziehen zu müssen. Anders als in den USA oder in Großbritannien gibt es derzeit in Deutschland noch keine dieser „Reverse Mortgage“-Produkte – auf Deutsch „Rückwärtshypothek“. Doch es gibt schon Planungen beim Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) in Berlin, der Rahmenbedingungen entwickelt: „Das von uns geplante Produkt sieht vor, dass der Kunde etwa mit 60 Jahren sein Haus oder seine Eigentumswohnung beleihen kann“, erläutert Brigitte Wesierski, Bereichsleiterin für Förderbanken. „Er erhält daraus eine monatliche Rente und kann trotzdem lebenslang Eigentümer bleiben und dort wohnen.“

Experten finden Rückwärtshypotheken grundsätzlich sinnvoll, wenn auch nur für bestimmte Gruppen: „Wir sehen Reverse Mortgage vor allem für zwei Zielgruppen als interessant an“, sagt Achim Tiffe, Stellvertretender Direktor des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen: Die eine seien Menschen mit wenig Einkommen, die ihre Rente aufbessern wollen. Bei der zweiten handelt es sich um Besserverdienende, die keine Kinder haben und so viel wie möglich aus der Immobilie herausziehen möchten. „Das sind Leute, die eigentlich genug Rente haben, aber im Alter noch eine schöne Reise machen oder in den Golfclub gehen wollen und dafür zusätzliches Geld benötigen."


Es gibt nach wie vor Fragezeichen hinter den geplanten Produkten. So sei es derzeit noch offen, ob die Bank dem Kunden eine lebenslange Rente wird garantieren können, sagt Wesierski: „Wenn die Menschen länger leben, als es der durchschnittlichen Lebenserwartung entspricht, ist das eine Position, die für die Banken abgesichert werden muss. Das ist zum Beispiel mit einer Versicherung denkbar.“


Darin sieht auch Michael Huber vom Vermögenszentrum in Frankfurt/Main einen Knackpunkt. Die Kunden müssten wohl einen hohen Preis dafür zahlen, dass sie trotz der Immobilienrente im eigenen Haus bleiben können: „Es wird schwierig werden, eine Lösung zu finden, die für beide Seiten akzeptabel ist.“ Dabei sind sich die Experten darin einig, dass es einen großen Markt auch in Deutschland für Rückwärtshypotheken geben müsste. „Inzwischen ist jeder vierte Haushalt ohne Kinder. Gleichzeitig gibt es immer mehr Familien mit durchbrochenen Lebensläufen, also mit Zeiten, in denen nicht oder nur wenig in die Rentenversicherung eingezahlt wurde“, sagt Tiffe. Für solche Menschen könne „Reverse Mortgage“ attraktiv sein. Allerdings sollten sie stets darauf achten, dass Mindestbedingungen erfüllt werden: „Abzuraten wäre zum Beispiel von einem Vertrag, der vorsieht, dass man nach fünf Jahren ausziehen muss oder wo die Erben nach dem Tod des Hauseigentümers komplett leer ausgehen.“

Eine Alternative ist die Mietwohnung

Zwar gibt es derzeit schon einzelne Angebote, bei denen zum Beispiel ein privater Investor das Haus kauft und dem Rentner lebenslanges Wohnrecht bietet. Immobilieneigentümer können ihr Haus auch beleihen und dafür einen Kredit erhalten. Eigentliche Rückwärtshypotheken sind das nach Angaben von Achim Tiffe allerdings nicht. Frühestens Anfang des kommenden Jahres könnte ein erstes Produkt auf den Markt kommen.

Nicht für jeden Hausbesitzer ist eine Rückwärtshypothek im Alter die richtige Wahl. Alternativen sind der Verkauf des Hauses und der Einzug in eine Mietwohnung im Alter. Eine andere Möglichkeit sei der Verkauf und der anschließende Kauf einer kleineren Immobilie.

Quelle: Welt Online