Gastkommentar zum Energiemix

Mut ist beim Solarstrom der beste Wirtschaftsmotor

Solarstrom ist wichtig für unseren Energiemix. Allerdings gibt es gravierende Fehlanreize bei der Förderung. Die Subventionen haben nicht den technischer Fortschritt angeschoben, sondern die Solarstromnische preislich gestützt und konserviert. Es wird Zeit für eine sinnvolle Industriepolitik.

Selbstverständlich brauchen wir einen besseren Energiemix. Kaum jemand stellt infrage, dass Deutschland möglichst unabhängig sein sollte – in politischer Hinsicht von Energielieferanten und in wirtschaftlicher Hinsicht von schwankenden Rohstoffpreisen auf dem Weltmarkt.

Auf dem Weg zu mehr alternativer Energieerzeugung sind Politiker, Verbände und Unternehmen jedoch in eine uralte Falle der Industriepolitik getappt: Mit dem guten Willen, Technologie-Förderung zu betreiben, wurden viele Milliarden Euro von Steuerzahlern und Stromkunden eingesammelt, um damit die Installation von Solarzellen auf Hausdächern und in der Landschaft mitzufinanzieren.

Nischenschutz wie bei Steinkohle und Milchbauern

In Wahrheit wurde damit aber nicht technischer Fortschritt angeschoben, sondern ein kleiner Zweig der industriellen Produktion preislich gestützt und konserviert, ähnlich wie bei den Steinkohlesubventionen und den Dauerhilfen für Milchbauern. Der Wettbewerb um die beste neue Idee, um das beste neue Produkt geriet dagegen in den Hintergrund.

Die künstliche Verdoppelung des Strompreises auf über 40 Cent hat die Nachfrage nach Solarmodulen sprunghaft ansteigen lassen. Die Anbieter kümmerten sich deshalb um den Ausbau ihrer Kapazitäten und nicht um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Ein ganz normaler Reflex wie bei der Abwrackprämie: Wenn Vater Staat Geld verteilt, will man möglichst viel davon abgreifen, selbst wenn das unwirtschaftlich ist.

Die (billigere) Konkurrenz in Asien schläft nicht

Siliziumplatten jedoch sind ein Rohstoff, und es war nur eine Frage der Zeit, bis billigere Produzenten in Asien auftauchten. Jetzt dreht sich alles nur noch um die Frage: Wie viel Geld muss der Staat umleiten, um den Preisvorteil der Chinesen auszugleichen und Produktion und Arbeitsplätze zu erhalten?

Unternehmen ächzen, Verbände schreien, und Kommunalpolitiker jammern darüber, dass die Förderung gekürzt werden soll. Dabei begann der Abbau von Arbeitsplätzen im Solar Valley schon lange, bevor über eine beschleunigte Rücknahme der Subventionen überhaupt gesprochen wurde.

Jede Subvention erstickt den Leistungswillen

Eine typische Eigenschaft von Subventionen ist es, den Entwicklungswettbewerb sowie den Leistungswillen der Menschen zu unterdrücken. Jeder hat eine natürliche Bereitschaft zum Risiko, wenn es darum geht, die eigene Position zu verbessern. Öffnet der Staat jedoch zu früh den Geldtopf, profitiert nicht derjenige mit dem meisten Wagemut, sondern derjenige mit der lautesten Stimme.

Hinzu kommen etliche Interessengruppen, Lobbyisten, Bürger und Politiker, die ihren Gestaltungsdrang ausgerechnet bei der strategisch so wichtigen alternativen Energieerzeugung ausleben müssen. Mangelt es uns an Selbstvertrauen, Hightechprodukte auf den Weg zu bringen, ohne dass der Staat etwas „beisteuert“?

Es gibt einen einfachen Weg zur Innovationsentfaltung

Dass es auch einen ganz einfachen, natürlichen Weg der Innovationsentfaltung geben kann, zeigt die Autoindustrie. Fast im Wochentakt kommen neue Serienmodelle auf den Markt, die relativ hohe Energieeffizienz aufweisen – ein Porsche Cayenne mit halbiertem Spritverbrauch, ein VW Touareg mit Hybridantrieb. Hauptauslöser für die neue Sparsamkeit ist nicht der Gesetzgeber, sondern die Ölpreisrallye im Sommer 2008 und ein verändertes Nachfrageverhalten der Kunden.

Die Grenze, ab der sich staatliche Technologieförderung tatsächlich lohnt, verläuft genau da, wo es für Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich ist, selbst zu forschen und zu entwickeln. Es sollte im eigenen Interesse der Industrieverbände sein, diese Grenze auszuloten und sinnvolle Förderinstrumente zu entwickeln.

Quelle: Welt Online