Aktionärsstreit

Lebedew wirft Blue Wings "Gaunerei" vor

Bocholt. Nach dem Insolvenzantrag von Blue Wings eskaliert der Aktionärsstreit bei der kleinen deutschen Fluggesellschaft. Der russische Großaktionär Alexander Lebedew warf dem Management in Bocholt "Gaunerei" vor. Die Führung von Blue Wings habe russische Investitionen veruntreut, schrieb der Milliardär in einer Mail an die Deutsche Presse-Agentur in Moskau. "Lebedews Vorwürfe sind haltlos", konterte ein Unternehmenssprecher.

Bei der Fluggesellschaft mit 250 Beschäftigten rumort es seit Monaten. Diskussionen ums Geld waren zuletzt Mitte Januar in der Einstellung des Flugbetriebs und einem Schlagabtausch zwischen Lebedew und Blue-Wings-Gründer und Vorstandschef Jörn Hellwig gemündet. Dazu gab es immer wieder gegenseitige Beschuldigungen, wer für das Chaos verantwortlich sei.

So wurde Lebedew von Hellwig vorgeworfen, Finanzierungszusagen nicht eingehalten zu haben. Dies wies der Milliardär, der knapp 50 Prozent der Anteile an Blue Wings hält, zurück. Lebedew konterte sogar, Blue Wings weise aktuell Schulden aus, die durch nichts zu erklären seien. Er sei nur im Fall einer Absetzung von Hellwig in der Lage und bereit, Blue Wings weiter zu unterstützen. Gegen das derzeitige Management müssten russische und deutsche Behörden gemeinsam wegen Betrugs ermitteln, forderte Lebedew. Zugleich sagte er, dass die russische Seite als einzige in den vergangenen vier Jahren erhebliche Mittel in die Fluggesellschaft investiert habe - insgesamt 120 Millionen Euro. Zudem seien 450 Millionen Euro für die Anschaffung neuer Flugzeuge ausgegeben worden.

Insolvenzverwalter Frank Kebekus will die Airline retten: "Es gibt Gespräche mit potenziellen Investoren."