Versandhändler wird abgewickelt

Trauer bei Quelle - Ausverkauf beginnt

"Das ist menschenverachtend - das grenzt fast an Folter!" Norbert Feulner vom evangelischen Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt ist entsetzt, was sich beim insolventen Versandhändler Quelle abspielt.

Nürnberg. Mehr als 2000 Beschäftigte hatten am Freitag ihren letzten Arbeitstag, viele nahmen an einem ökumenischen Gottesdienst teil. Das Absurde: Viele wurden bis zuletzt in der Ungewissheit gelassen, ob sie am Montag noch bei Quelle beschäftigt sein werden. Die angekündigten Freistellungen zum 1. November wurden großteils erst im Laufe des Freitags ausgesprochen.

Nach dem Aus für das Traditionsunternehmen hatte der Insolvenzverwalter keine Beschäftigungsmöglichkeit mehr für diese Angestellten gesehen. Die übrigen 4300 Mitarbeiter sollen nach dem Willen von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg den Ausverkauf des Versandhauses organisieren. Die Abwicklung war notwendig geworden, da sich für das insolvente Unternehmen kein Investor gefunden hatte.

Der Ausverkauf von 18 Millionen Artikeln soll an diesem Sonntag ab sechs Uhr im Internet und ab Montag auch in den Quelle Technik Centern beginnen, kündigte der Beauftragte des Insolvenzverwalters für den Versandhandel, Jörg Nerlich, an. Die Preisabschläge bewegten sich zwischen zehn und 30 Prozent. Artikel würden nur noch gegen Rechnung geliefert; Ratenzahlung sei nicht mehr möglich. Demonstrativ entspannt reagiert in Hamburg der Quelle-Konkurrent Otto-Versand auf den Ausverkauf. "Wir haben selbst eine Menge Rabattaktionen, sodass wir dem gelassen entgegensehen", sagte Konzernsprecher Thomas Voigt.

Fotos von der Abwicklung bei Quelle finden Sie unter www.abendblatt.de/wirtschaft