Ölwirtschaft: Essar-Gruppe

Inder sind Favoriten für Kauf von Shell-Raffinerien

Der Mineralölkonzern Shell führt Gespräche über den Verkauf seine Raffinerien in Heide-Hemmingstedt und Hamburg-Harburg nur noch mit der indischen Essar-Gruppe. Ein verbindlicher Vertrag sei allerdings noch nicht unterzeichnet worden, teilte Shell Deutschland am Freitag mit.

Hamburg. Das Unternehmen, das seine Verkaufsabsichten im Frühjahr bekannt gegeben hatte, machte keine Angaben zum Zeitpunkt eines möglichen Abschlusses. Auch eine Raffinerie im britischen Stanlow soll verkauft werden. In den deutschen Betrieben sind 570 Mitarbeiter betroffen. Nach unbestätigten Spekulationen will der Energiekonzern 1,7 Milliarden Euro für die drei Werke erlösen.

Wirtschaftssenator Axel Gedaschko sagte am Freitag, er hoffe, dass der Verkauf keinen Abbau von Arbeitsplätzen nach sich ziehe. "Für mich ist wichtig, dass die Raffinerie langfristig am Standort Hamburg gehalten wird und dass die Arbeitsplätze in diesem für uns so bedeutenden Industriebereich erhalten bleiben." Er wünsche sich, dass die neuen Investoren oder Käufer die Anlagen modernisierten und in neue Technik investierten, "um die Hamburger und auch die Heider Raffinerie weiter markt- und wettbewerbstauglich zu halten".

Shell will sich nach dem Ausstieg auf größere Anlagen konzentrieren. Mit Jahreskapazitäten von 4,6 Millionen Tonnen (Heide) und 5,5 Millionen Tonnen (Hamburg) gehören die beiden profitablen Werke zu den kleineren Raffinerien in Deutschland. In Heide wird das Rohöl aus dem größten deutschen Ölfeld Mittelplate verarbeitet.

Essar ist ein Mischkonzern, der in Segmenten wie Stahl, Energie, Strom, Telekommunikation, Transport, Logistik und Bau tätig ist und zuletzt einen Umsatz von rund 15 Milliarden US-Dollar (zehn Milliarden Euro) erzielte.

Europas größter Ölkonzern Shell hatte im dritten Quartal 2009 im Jahresvergleich einen Gewinneinbruch von 73 Prozent auf 2,99 Milliarden Dollar (2,06 Milliarden Euro) verzeichnet. Das niederländisch-britische Unternehmen gab am Vortag die Streichung von 5000 Stellen bekannt, rund fünf Prozent der Belegschaft, was vor allem Standorte in den Niederlanden, Großbritannien und den USA trifft. Der Konzern begründete die Einschnitte mit der geringeren Energienachfrage infolge der weltweiten Wirtschaftskrise.