HRE wird auf Schadenersatz verklagt

Hohe Rückforderungen gegen Lehman und Hypo Real Estate

Mehr als ein Jahr nach dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers haben auch die Deutsche Bank und die Bundesbank Forderungen gestellt.

Hamburg. Nach Angaben der Firma Epiq Systems, die die Forderungen bündelt, erhebt die Bundesbank Anspruch auf 10,4 Milliarden Dollar und die Deutsche Bank auf etwa eine Milliarde Dollar. Bei der Bundesbank geht es um Geld, das sie der deutschen Lehman-Tochter geliehen hatte. Die Deutsche Bank hatte ihre Forderungen unter anderem von der HypoVereinsbank übernommen. Forderungen stellen laut Epiq auch die Ambac Financial Group und die Bank of America.

Unterdessen muss sich die marode Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) auf Schadenersatzforderungen von institutionellen Investoren in Milliardenhöhe gefasst machen. Die Klagesumme in dem bereits laufenden Verfahren solle kommende Woche auf "nunmehr auf fast eine Milliarde Euro" aufgestockt werden, sagte der Jurist Christian Wefers der "Süddeutschen Zeitung". Bislang hatte er vor dem Landgericht München auf 320 Millionen Euro geklagt. Sein Rechtsanwalt Andreas Tilp wirft der HRE vor, unter ihrem alten Vorstand den Anlegern zu lange ihren wahren Zustand verheimlicht zu haben. Deshalb fordert Wefers Schadenersatz für die mittlerweile fast wertlosen HRE-Aktien. Anlagefonds aus dem In- und Ausland hatten ihre Forderungen an Wefers abgetreten. Dahinter stünden Hunderttausende, wenn nicht mehrere Millionen Privatanleger, erläuterte Wefers. Dazu zählen dem Blatt zufolge unter anderem Fonds der Sparkassen und Landesbanken sowie des Versicherungskonzerns Allianz. Die Allianz nahm nicht Stellung. Die HRE weist die Vorwürfe zurück. Die Gesellschaft habe sich stets korrekt verhalten und erwarte deshalb, dass die Klagen ohne Erfolg blieben, so ein Sprecher.

Das Münchner Gericht hatte Wefers zum Prozessauftakt im August wenig Hoffnung auf Schadenersatz gemacht und einen Vergleich angeregt. Seitdem habe er aber zahlreiche "zusätzliche Informationen und Beweise" erhalten, mit denen er die bisherigen Ansprüche wie auch neue Forderungen untermauern könne, sagte Wefers nun der Zeitung.