Insolvente Arcandor-Tochter

Mehrere Interessenten bieten für Karstadt

| Lesedauer: 3 Minuten

Die Metro-Gruppe bekommt Konkurrenz im Kampf um Karstadt. Auch die Deutsche Euroshop aus Hamburg und MFI aus Essen melden Interesse an.

Frankfurt/Hamburg. Für die Karstadt-Warenhäuser des insolventen Arcandor-Konzerns bringen sich nun auch die ersten Immobilienunternehmen in Stellung. Sowohl die auf Beteiligungen an Einkaufszentren spezialisierte Deutsche Euroshop aus Hamburg als auch der Essener Shopping-Center-Betreiber MFI meldeten am Montag Interesse an ausgewählten Karstadt-Standorten an.

Seit dem Verkauf seiner Warenhaus-Immobilien vor zwei Jahren ist Arcandor dort ohnehin nur noch Mieter. Die Fäden dürften deshalb beim Haupteigentümer der Immobilien zusammenlaufen, der Gesellschaft Highstreet. Diese will sich zum Stand der Dinge nicht äußern.

Die Deutsche Euroshop richtet ihr Augenmerk auf das Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim sowie das Einkaufszentrum in Dessau, wie ein Sprecher sagte. An beiden Centern hält der Konzern jeweils die Mehrheit, Karstadt hat dort Warenhäuser. „Wenn Gesprächsbedarf besteht, wäre es naheliegend, mit denen zu reden, denen die benachbarten Immobilien gehören“, bot sich der Euroshop-Sprecher nun an.

"Grundsätzlich interessiert"

Der Umbau und die Umstrukturierung der Karstadt-Immobilien wäre dann Aufgabe der auf die Entwicklung von Einkaufszentren spezialisierten Hamburger ECE. ECE gehört der Unternehmerfamilie Otto (Otto-Versand), die auch an der Deutschen Euroshop beteiligt ist.

Die Essener Management für Immobilien AG (MFI) hielt sich auf Nachfrage bedeckter, was ihre Pläne angeht. „Grundsätzlich sind wir an einigen Karstadt-Standorten interessiert und werden dafür bieten“, sagte ein Sprecher. Eine konkrete Zahl wollte er ebenso wenig nennen wie eventuell interessante Städte.

Das „Handelsblatt“ hatte MFI-Vorstandschef Matthias Böning mit den Worten zitiert: „Wir halten 20 der 91 Warenhausstandorte für umbaufähig und werden deshalb für sie bieten.“ Infrage käme etwa das Kieler Haus „Am alten Markt“. Sobald das Arcandor-Insolvenzverfahren am 1. September eröffnet sei, werde man sich um eine Übernahme bemühen. Die Objekte sollten nach dem Umbau über Fonds an institutionelle Anleger weitergereicht werden. MFI werde dabei das Management der Center zehn bis 15 Jahre behalten.

"Arcandor als Ganzes erhalten"

MFI ist auf die Entwicklung und den Betrieb innerstädtischer Einkaufszentren spezialisiert und hat derzeit 25 Objekte im Portfolio, darunter die Wilmersdorfer Arcaden in Berlin und die Riem-Arcaden in München. MFI profitiert wie ECE davon, dass die Käufer verstärkt in Shopping-Center strömen, in denen viele einzelne Geschäfte gebündelt sind. Verlierer sind dagegen oftmals die kleineren Läden in den Innenstädten.

Eine schnelle Entscheidung über die Immobilien zeichnet sich nicht ab. Aus Kreisen des Highstreet-Konsortiums verlautete, es gebe keine Vorfestlegung auf eventuelle Kaufinteressenten. Man sei offen für Gespräche und überzeugt davon, am Ende zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Auch der MFI-Sprecher betonte, zunächst müsse bei Arcandor im Zuge des Insolvenzverfahrens Klarheit geschaffen werden, was eigentlich noch zum Konzern gehören soll.

Erklärtes Ziel von Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick ist es bislang, das Unternehmen als Ganzes mit seinen drei Säulen Warenhaus (Karstadt), Versandhandel (Primondo) und Touristik (Thomas Cook) zu erhalten. Allerdings dringt Konkurrent Metro mit seiner Tochter Kaufhof auf eine Warenhaus-Allianz und will den Großteil der Karstadt-Häuser übernehmen. Auch für die anderen Arcandor-Sparten gibt es bereits Interessenten. (Reuters)

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft