Hamburger Telekommunikationsunternehmen

Der Mann, der Freenet umbauen muss

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Sophie Laufer

Dem neuen Freenet-Chef Christoph Vilanek steht einiges bevor: Die Unternehmenstochter Strato steht zum Verkauf, 800 Stellen fallen bis Ende des Jahres weg, der Standort Elmshorn wird geschlossen.

Hamburg. Noch ist Christoph Vilanek in seinem Büro nicht richtig angekommen. Die Regale sind fast leer, an einer Wand hängt ein Freenet-Werbeplakat. Nur ein paar Pflanzen sorgen für grüne Farbtupfer. "Irgendwann haben meine Kollegen herausgefunden, dass ich Pflanzen mag", beginnt der neue Vorstandsvorsitzende von Freenet das Gespräch. Das war in Stuttgart bei seinem alten Arbeitgeber Debitel so, und auf irgendwelchen Wegen müssen die Informationen nach Hamburg gedrungen sein. "Nun werden die Pflanzen täglich mehr." Ansonsten hält der Chef des Hamburger Telekommunikationsunternehmens sein Büro schlicht: "Das lenkt nicht von der Arbeit ab." Sein Ziel sei es, jeden Abend den Schreibtisch leer gearbeitet zu haben. "Das gibt mir ein gutes Gefühl."

Der gebürtige Österreicher ist vor acht Wochen nach Hamburg gekommen, direkt von Debitel, einem der ehemals größten Freenet-Konkurrenten. Mittlerweile sind die Unternehmen eins und Vilanek steht an der Spitze. Eine Herausforderung für den 41-Jährigen. Denn ein so großes Unternehmen hat er bisher nicht geleitet. Freenet erzielte 2008 einen Umsatz von 2,87 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 111,6 Millionen Euro.

"Wir haben 20 Bewerbungen durchgeackert und den Geeignetsten genommen", sagt Aufsichtsratschef Helmut Thoma über die Berufung des Managers. Bisher scheint Thoma mit seiner Einschätzung richtig zu liegen. Bereits nach sechs Wochen Amtszeit machte Vilanek von sich reden. Er schaffte das, was seinem Vorgänger bei Freenet, Eckhard Spoerr, über Monate nicht gelang - den Verkauf des DSL-Geschäfts an United Internet. Die Wende in den festgefahrenen Verhandlungen, so berichten Insider, soll der neue Gesprächspartner Vilanek herbeigeführt haben. "Ich bin ohne Vorurteile in die Gespräche gegangen und habe schnell einen Zugang zum United-Internet-Chef Ralph Dommermuth gefunden", sagt Vilanek über die Verkaufsverhandlungen. Er habe dann bei dem aus seiner Sicht besten Angebot zugeschlagen. "Mir war klar, besser wird die Situation auf dem Markt nicht mehr."

"Wir werden in Hamburg neue Jobs schaffen"

Und die Trennung vom DSL-Geschäft wird nicht der letzte Verkauf gewesen sein. Nach der Übernahme von Debitel ist Freenet auf dem deutschen Mobilfunkmarkt mit rund 19 Millionen Kunden die Nummer drei. Vilanek will das Unternehmen auf das Geschäft mit Mobilfunk und mobilem Internet ausrichten. Schon bald dürfte deshalb das Tochterunternehmen Strato, das Speicherplatz im Internet vermietet und rund 500 Mitarbeiter beschäftigt, den Besitzer wechseln. Offiziell gibt Vilanek die Verkaufspläne nicht zu, dementieren will er sie aber auch nicht. "Ich schaue mir jeden Bereich genau an und entscheide dann, ob wir ihn behalten oder nicht." Wie das Abendblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, soll der offizielle Verkaufsprozess um Strato noch in diesem Monat beginnen.

Zum Standort Hamburg bekennt sich Vilanek hingegen. "Eine Medienstadt wie Hamburg ist der ideale Platz mit den idealen Voraussetzungen für eine Firma wie Freenet." Vilanek geht sogar weiter: "Wir werden hier bis zum Jahresende etwa 50 neue Jobs schaffen." Derzeit arbeiten in Hamburg 400 Frauen und Männer. Der Mietvertrag für die Räume am Deelbögenkamp soll nicht nur verlängert werden. Vilanek möchte 1000 bis 2000 Quadratmeter zumieten.

Er ist ein Mann der schnellen Entscheidungen - und der klaren Worte. "Ich konfrontiere die Menschen lieber mit Fakten, als sie mit einer Salamitaktik hinzuhalten." Vilanek spricht über die negativen Nachrichten deshalb genauso offen wie über die positiven. Die Schließung des Standorts Elmshorn ist für ihn kein Tabuthema. Hier werden rund 470 Kollegen aus dem Kundenservice bis zum Jahresende ihren Job verlieren. "Alle Bemühungen, sich mit einem neuen Betreiber für den dort ansässigen Kundenservice zu einigen, sind gescheitert", sagt er. Auch an anderen Standorten werden im Zuge der Zusammenlegung von Freenet und Debitel Arbeitsplätze verloren gehen. Das gab das Unternehmen bereits vor Vilaneks Amtsantritt bekannt. "Heute haben wir deutschlandweit 6800 Mitarbeiter, Ende des Jahres werden es unter 6000 sein." Es dürften noch weniger werden, sollte Freenet für Töchter wie Strato einen Käufer finden.

Die schwierigen Aufgaben, die vor ihm liegen, schrecken den Vater zweier Kinder nicht. "Ich nehme die Herausforderung an, weil ich im Team mit meinen Kollegen das Beste für das Unternehmen erreichen will." Über sich selbst sagt Vilanek: "Ich bin ein Chef zum Anfassen." Und so soll es bleiben - das zumindest hat sich Vilanek vorgenommen. "Jeder soll zu mir kommen und ganz offen mit mir sprechen können."

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